ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2000Wissenschaftsbetrug: Der Fall Bezwoda

POLITIK: Aktuell

Wissenschaftsbetrug: Der Fall Bezwoda

Dtsch Arztebl 2000; 97(12): A-752 / B-614 / C-574

Richter, Eva A.

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LNSLNS Die Ergebnisse der Kommission, die die vermutlich manipulierte Studie zur Hochdosis-Chemotherapie beim Mamma-Karzinom untersuchte, liegen jetzt vor. Die Fälschungen konnten eindeutig belegt werden.


Massiv hat er die Ergebnisse seiner Studie zur Hochdosis-Chemotherapie beim Mamma-Karzinom manipuliert - Prof. Werner Bezwoda, Onkologe der Witwatersrand University Johannesburg. Dieser Fall von Wissenschaftsbetrug gelangte Anfang Februar an die Öffentlichkeit (siehe DÄ, Heft 7/2000). In einem Schreiben an seine Kollegen hatte Bezwoda damals zugegeben, "einen schweren Bruch der wissenschaftlichen Ehre und Integrität" begangen zu haben. Jetzt liegen die Ergebnisse der Prüfung durch eine unabhängige amerikanische Kommission vor.
Nicht einmal der Titel der Studie ist richtig, die Bezwoda unter anderem auf dem Jahresmeeting der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Mai 1999 in Atlanta vorgestellt hatte. "Hochdosis-Chemotherapie (HDC) versus Standard-Chemotherapie (CAF)", also versus Cyclophosphamid, Adriamycin und Fluorouracil lautete er in verkürzter Form. Die Patientinnen des Kontrollarms therapierte Bezwoda jedoch mit Cyclophosphamid, Mitroxantron und Vincristin. Eine andere Therapie verwendet zu haben, begründet Bezwoda so: "Ich habe es aus dem törichten Verlangen heraus getan, die Präsentation der Studie für das Auditorium akzeptabler zu machen."
Finden konnte die Untersuchungskommission nur 58 Patientenakten der 154 in Bezwodas Paper angegebenen Patientinnen. In ihnen entdeckte sie weitere Abweichungen von den publizierten Daten: Nur 20 der 58 Frauen erfüllen die Eignungskriterien für die Teilnahme an der Studie; die verbleibenden Patientinnen weisen eine andere Altersgruppe oder TMN-Klassifikation auf oder wurden bereits vorher therapiert. Eine Radiotherapie, von Bezwoda als Ausschlusskriterium in der Studie geführt, erhielten 22 Patientinnen vor der HDC und 10 danach. Einige Patientinnen therapierte Bezwoda zusätzlich mit Tamoxifen oder mit anderen Dosen von Mitroxantron als angegeben. Da die Nachsorge nicht dokumentiert ist, kann die tatsächliche Relaps- und Mortalitätsrate nicht eingeschätzt werden. Wahrscheinlich verstarben den Protokollen zufolge aber zu den acht in der Studie angegebenen Patientinnen weitere sieben. Auffällig ist zudem: Es liegen keine von den Teilnehmerinnen unterzeichneten Einverständniserklärungen vor; keine Kommission hat der Studie jemals offiziell zugestimmt.
Wie ist der Betrug entdeckt worden? Von mehreren durchgeführten Phase-III-Studien hatte Bezwodas Untersuchung als einzige positive Resultate beim Einsatz der HDC mit nachfolgender Knochenmarktransplantation gezeigt. Ein Team aus Onkologen des US National Cancer Institute überprüfte die Studie und entdeckte Unstimmigkeiten - der Stein geriet ins Rollen. Bereits bei der Präsentation erschienen die Daten zweifelhaft, so Prof. Dr. med. Dieter Kurt Hossfeld, Onkologe aus Hamburg und Teilnehmer der ASCOKonferenz in Atlanta, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Erklärt hätte man sich die verblüffenden Resultate jedoch mit der kleinen Fallzahl, einem hoch selektierten Patientengut und der monozentrischen Studie. Auffällig sei allerdings die alleinige Autorenschaft Bezwodas gewesen. Nun steht fest: Die schon vorher kontrovers diskutierte Therapie brachte nicht den Erfolg, den sich viele erhofft hatten. Weitere Studien auf der Basis von Bezwodas Resultaten werden nicht empfohlen. Dass er Wissenschaftsbetrug begangen hat, gibt Bezwoda zu: "Ich bekenne meinen Fehler und trage die volle Verantwortung." Beweggründe nennt er nicht. Finanzielle Erwägungen wären allerdings nicht im Spiel gewesen. Bezwoda ist vom Dienst suspendiert. Dr. med. Eva A. Richter

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