ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2021WEBINO-Syndrom durch bilaterale Mikroblutungen in der Brücke
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Ein 55-jähriger Mann stellte sich mit akut aufgetretenem Sehen von Doppelbildern vor. Der Blutdruck betrug 210/100 mm Hg. Klinisch zeigte sich eine bilaterale internukleäre Ophthalmoplegie (INO) mit Adduktionsdefizit des linken Auges beim Blick nach rechts (Abbildung 1a), Adduktionsdefizit des rechten Auges beim Blick nach links (Abbildung 1b) sowie großwinkligem Auswärtsschielen beider Augen beim Blick geradeaus (Abbildung 1c). In der 3T-Magnetresonanztomografie wurden zwei symmetrische Mikroblutungen (Pfeile) in der dorsalen Brücke sichtbar. Diese verliefen entsprechend dem Verlauf des rechten und linken medialen Längsbündels (Abbildung 2) und sind am ehesten hypertensiv bedingt. Wir initiierten eine strikte Blutdrucksenkung < 140/90 mm Hg. Die bilaterale INO zusammen mit Auswärtsschielen beider Augen beim Geradeausblick wird auch als WEBINO-Syndrom („wall-eyed binocular internuclear ophthalmoplegia“) bezeichnet. Diese Okulomotorikstörung entsteht durch eine Schädigung beider medialer Längsbündel im Hirnstamm (Brücke oder Mittelhirn), meist entzündlich oder ischämisch bedingt. Bilaterale Mikroblutungen in der Brücke als Ursache der WEBINO sind bis jetzt nicht beschrieben. Die Okulomotorikstörung besserte sich im Verlauf, eine resultierende Gangunsicherheit bestand weiterhin.

Bilaterale internukleäre Ophthalmoplegie (INO) mit Adduktionsdefizit
Abbildung 1
Bilaterale internukleäre Ophthalmoplegie (INO) mit Adduktionsdefizit
3T-Magnetresonanztomografie
Abbildung 2
3T-Magnetresonanztomografie

Stephan Petrik, Dr. med. Johann Lambeck, Prof. Dr. med. Jürgen Bardutzky
Klinik für Neurologie und Neurophysiologie, Universitätsklinikum Freiburg
stephan.petrik@uniklinik-freiburg.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Petrik S, Lambeck J, Bardutzky J: WEBINO syndrome caused by bilateral pontine microhemorrhages. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 729. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0080

Dieser Beitrag erschien online am 19. 10. 2021 (online first) auf www.aerzteblatt.de

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Bilaterale internukleäre Ophthalmoplegie (INO) mit Adduktionsdefizit
Abbildung 1
Bilaterale internukleäre Ophthalmoplegie (INO) mit Adduktionsdefizit
3T-Magnetresonanztomografie
Abbildung 2
3T-Magnetresonanztomografie

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