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eLogbuch: Erfolgreich gestartet

Beerheide, Rebecca

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Seit einem Jahr ist das eLogbuch zur Dokumentation der Kompetenzen für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in zwölf Kammern im Einsatz. Inzwischen nutzen 25 500 Medizinerinnen und Mediziner die Webanwendung. In Zukunft soll es weitere Anwendungsmöglichkeiten geben.

Kompetenz bereits erreicht oder nicht? Mit dem eLogbuch kommen Weiterzubildende und Weiterbilder öfter ins Gespräch. Foto: fizkes/stock.adobe.com
Kompetenz bereits erreicht oder nicht? Mit dem eLogbuch kommen Weiterzubildende und Weiterbilder öfter ins Gespräch. Foto: fizkes/stock.adobe.com

Ein lang gehegter Wunsch vieler Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung wurde im Zuge der Novellierung der (Muster)Weiterbildungsordnung (MWBO) umgesetzt: Das elektronische Logbuch (eLogbuch), mit dem der kontinuierliche Kompetenzzuwachs während der Weiterbildung nun auch elektronisch dokumentiert werden kann. Es bildet die kompetenzbasierte MWBO ab, aber auch landesspezifische Abweichungen. Die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung verfügen über ihre während der Weiterbildungszeit erhobenen Daten und können ihre erworbenen Kompetenzen zur Freigabe und Bestätigung an den oder die Weiterbildungsbefugten freischalten.

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Das eLogbuch ist nun seit mehr als einem Jahr im Einsatz, inzwischen bieten zwölf Landesärztekammern ihren Mitgliedern in Weiterbildung das Logbuch auch elektronisch an. Dazu gehören Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und Westfalen-Lippe. Die anderen fünf Kammern planen eine Einführung in den kommenden Monaten, sobald die Weiterbildungsordnungen im Kammerbereich umgesetzt sind. Bislang nutzen das eLogbuch 25 500 Medizinerinnen und Mediziner, darunter sind 13 700 Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und 11 700 Weiterbildungsbefugte.

„Work-in-Progress“

Mit der Einführung des eLogbuches wurde ein rund zehnjähriger Prozess der Arbeit an der MWBO auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster 2019 abgeschlossen. Die technische Ausgestaltung wurde beim 121. Deutschen Ärztetag 2018 in Erfurt auf den Weg gebracht.

Die Umsetzung des eLogbuches läuft in der Praxis gut, heißt es aus der Bundesärztekammer, „vieles ist Work-in-Progress“. Dabei werden immer wieder Anregungen von Nutzerinnen und Nutzern sowie aus den Ärztekammern aufgenommen. Gemeinsam mit dem Technikdienstleister, der Firma Steadforce, wurde das eLogbuch entwickelt und für Bedürfnisse der Landesärztekammern angepasst. Dabei geht es vor allem um Zugriffsrechte und die Darstellung der Weiterbildungsordnungen der Ärzte.

Kommentare zu Kompetenzen

In der Praxis tragen Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung ihre jeweiligen erreichten Kompetenzen regelmäßig in die Webanwendung ein. Für jede Weiterbildungsqualifikation, die nach der Weiterbildungsordnung erwerbbar ist, sind entsprechende Prozeduren hinterlegt. Freitext kann derzeit nicht eingegeben werden. Künftig können aber auch Kompetenzen, die über die Weiterbildungsordnung hinausgehen, erfasst werden. Ein Beispiel wäre der Einsatz auf anderen Stationen als für die Weiterbildung nötig während der Coronapandemie.

Im elektronischen Logbuch können zu den einzelnen Kompetenzen auch Kommentare für den oder die Weiterbilder eingetragen oder eigene Anmerkungen dazu geschrieben werden. Sofern die Ärztin oder der Arzt in Weiterbildung eine Selbstbewertung vorgenommen hat oder eine Zwischenbewertung von dem Weiterbilder erhalten möchte, können diese das Logbuch für den zuständigen Weiterbilder freigeben. Hierfür muss der Weiterbilder auch in der Anwendung registriert sein.

Der oder die Weiterbilder können die Anzahl von Operationen, Untersuchungen oder anderen Kompetenzen bestätigen oder ebenfalls mit Kommentaren und Hinweisen versehen. Nach der Bewertung wird das Logbuch wieder „zurückgegeben“. Am Ende der Weiterbildung sowie zur Prüfungszulassung in einer Facharzt-, Schwerpunkt- oder Zusatzweiterbildung können dann die gesammelten elektronischen Daten an die Ärztekammer übermittelt werden – die bisherige „Zettelsammlung“ ist damit passé.

Fallzahlen monatlich eintragen

Die Ärztinnen und Ärzte, die bereits in unterschiedlichen Funktionen mit dem eLogbuch arbeiten, sind zufrieden: Franziska Falm, Ärztin in Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie an der Paracelsus Klinik Henstedt-Ulzburg nahe Hamburg, hat das eLogbuch sofort verwendet, als es möglich war. „Es ist gut, dass das eLogbuch nun online verfügbar ist“, sagt sie im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Sie hat insgesamt drei eLogbücher, da sie auch die ZusatzWeiterbildungen Notfallmedizin sowie Intensivmedizin absolviert. „Den Überblick zu behalten, ist nicht immer einfach, gelegentlich ist auch nicht alles kompatibel.“ Einmal im Monat trägt sie ihre Fallzahlen und andere Angaben in ihre eLogbücher ein, die dann ihrem Weiterbildungsbefugten zur Bestätigung freigegeben werden. Eine genaue Absprache, wie oft sie ihre Daten eintragen soll, hat sie mit ihrem Weiterbilder nicht. „Wir sind ein kleineres Klinikum mit wenigen Weiterzubildenden, da ist es für die Weiterbilder vermutlich leichter, den Überblick zu behalten, als in größeren Kliniken“, sagt Falm.

Besonders in größeren Häusern, die viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung betreuen, sollte aber abgesprochen werden, wie oft das eLogbuch freigegeben wird und ob dies per E-Mail angekündigt werden muss. Für Dr. med. Rolf Teßmann, der als Weiterbildungsbefugter und Leitender Arzt Krankenhaushygiene an der BG Unfallklinik Frankfurt/Main arbeitet, ist es wichtig, dass die Organisation bei der Freigabe von Inhalten stimmt: „Ich habe klargemacht: Wer sein eLogbuch ausfüllt und mir damit unangekündigt E-Mails schickt, das funktioniert nicht.“ Daher muss jeder Weiterzubildende zeitgleich mit dem Wunsch der Bewertung der Kompetenzen einen Besprechungstermin im Sekretariat vereinbaren. Organisation bei der Weiterbildung ist für ihn alles: „Nur so kann ich selbst auch das hohe Aufkommen an E-Mails bearbeiten, es geht nichts unter.“ Die neue Funktion, mit der sich Weiterbildungsbefugte relativ schnell durch das eLogbuch „klicken“ können, sei zudem eine enorme Hilfe. Er betreut 23 Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, fünf sind darunter, die ihre Weiterbildung nach der neuen Weiterbildungsordnung absolvieren.

Generell beobachtet Teßmann, dass durch die neue Weiterbildungsordnung mehr kommuniziert wird. „Die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung fragen viel öfter nach, ob eine Kompetenz oder eine Fähigkeiten schon erworben wurde. Wir diskutieren gemeinsam viel mehr, ob jemand schon auf der nächsten Stufe ist“, erzählt er im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Diese Entwicklung hätte er vorher nicht erwartet. „Die Angst, dass man nun nicht mehr miteinander spricht, ist gar nicht eingetreten.“ Die neuen Kommunikationsprozesse zwischen beiden Seiten seien eine positive Entwicklung. „Damit wird auch die Weiterbildung auf eine neue Stufe der Qualität gehoben.“

Transparenz als hohes Gut

In Hessen ist das e-Logbuch seit einem halben Jahr nutzbar. „Wir hatten uns noch etwas Zeit gelassen, da wird viel technisch geprüft und auch mit den Weiterzubildenden diskutiert haben“, sagt Teßmann, der in der Landesärztekammer Hessen auch im Weiterbildungsausschuss sitzt. „Wir haben klar vereinbart, dass die Datenhoheit bei den Weiterzubildenden liegt.“

Die Transparenz für alle Beteiligten sowie die kontinuierliche Dokumentation ist auch ein Anliegen der Vereinigung von Assistenzärztinnen und -ärzten in Weiterbildung zum Facharzt für Urologie, kurz GeSRU. „Es ist ein großer Vorteil, dass es diese standortunabhängige Dokumentation nun gibt. Das geht mit der Zeit“, sagte Carolin Siech, Vorsitzende der GeSRU. Der Verein hat inzwischen eine App für die Urologie entwickelt, mit der Mitglieder täglich ihre Operationen dokumentieren können. „So wird eine tagesaktuelle Dokumentation möglich und man muss später nicht in alten OP-Berichten suchen“, erzählt Siech. Die Daten sollen dann künftig auch in die eLogbücher der Ärztekammern importiert werden können, sodass hier keine doppelte Dokumentation nötig wird.

Anregung für Technik und Inhalt

Seit dem Start des eLogbuches wird die Webanwendung kontinuierlich weiterentwickelt: Denn nicht nur die Anfragen oder Anliegen der Nutzenden werden regelmäßig beantwortet und zur Übernahme in eine generelle Anwendung in das eLogbuch geprüft. Auch soll es künftig mehr Funktionen geben, die mit jungen Ärztinnen und Ärzten, aber auch den Kammern abgesprochen werden. „Die Fortführung und Weiterentwicklung des eLogbuches ist beständiger Teil der Gremienarbeit“, sagt Prof. Dr. med. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Co-Vorsitzender der Ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ (SKO WB) der Bundesärztekammer. Gemeinsam mit Dr. med. Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, leitet er die Arbeit in der SKO WB. „So nehmen wir nicht nur technische, sondern auch inhaltliche Anregungen auf und haben hier im Gespräch mit den Kammern und jungen Ärztinnen und Ärzten schon Veränderungen umgesetzt“, so Gehle. Da das eLogbuch oftmals der erste Kontakt von jungen Ärztinnen und Ärzten mit ihrer Ärztekammer sei, müsse die kontinuierliche Entwicklung auch künftig gemeinsam weitergehen: „Wir zeigen hier ein gutes Bild, was Kammern leisten, was ihre Kernaufgaben sind. Und daran wollen wir weiterarbeiten“, so Gehle und Herrmann. Rebecca Beerheide

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