ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Onkologie 4/2021Frühes Triple-negatives Mammakarzinom: Pembrolizumab könnte neuer Standard werden

SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie

Frühes Triple-negatives Mammakarzinom: Pembrolizumab könnte neuer Standard werden

Dtsch Arztebl 2021; 118(42): [7]; DOI: 10.3238/PersESMO.2021.10.22.03

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Kombination aus Immuntherapie – neoadjuvant und adjuvant – mit Zytostatika verbessert das krankheitsfreie Überleben der Patientinnen.

Beim frühen triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) mit hohem Risiko senkten eine neoadjuvante Behandlung mit Pembrolizumab plus Chemotherapie und eine adjuvante Pembrolizumab-Monotherapie nach der Operation die Rate der Krankheitsereignisse nach 3 Jahren im Vergleich zu Chemotherapie alleine. Der Unterschied ist signifikant und für die Patientinnen klinisch relevant. Das belegen Daten der KEYNOTE-522-Studie, die Prof. Peter Schmid, Queen Mary University London, bei der ESMO-Tagung präsentierte (1).

Keynote-522 ist eine prospektiv randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Phase-3-Studie, in die 1 174 erwachsene Patientinnen mit neu diagnostiziertem TNBC (T1cN1–2 oder T2–4 N0–2) aufgenommen worden sind. Fast 52 % waren nodalpositiv und 26 % T3/T4. Die Teilnehmerinnen wurden im Verhältnis 2 : 1 randomisiert in eine Gruppe, die Pembrolizumab (Pembro; 200 mg alle 3 Wochen) für 24 Wochen erhielt und eine zweite Gruppe mit Placebo. Alle Patientinnen wurden in dieser neoadjuvanten Phase parallel zu Pembro oder Placebo für 12 Wochen mit Carboplatin plus Paclitaxel behandelt und für die weiteren 12 Wochen mit Doxorubicin oder Epirubicin plus Cyclophosphamid. Anschließend wurde operiert. Die Verumgruppe der neoadjuvanten Therapiephase erhielt in derselben Dosierung für weitere 27 Wochen (9 Zyklen) Pembro und die Kontrollgruppe Placebo.

Anzeige

Bei einer ersten Interimanalyse zeigte sich eine um 13,6 Prozentpunkte erhöhte Rate der pCR (ypT0/Tis ypN0) unter Pembrolizumab im Vergleich zu Placebo (2). Die pCR (Resektate Brust-/Lymphknotengewebe) ist der erste primäre Endpunkt der KEYNOTE-522-Studie. Wird eine pCR erreicht, ist die Langzeitprognose gut. Bei der ESMO2021 sind Ergebnisse zum zweiten primären Endpunkt vorgestellt worden, dem EFS. Sie sind nach median 39,1 Monaten erhoben worden.

Die aktuelle Analyse ergab für das EFS eine Rate von 84,5 % nach 36 Monaten unter Checkpointinhibitortherapie und von 76,8 % unter Placebo, ein Unterschied von 7,7 Prozentpunkten. 15,7 % der Teilnehmerinnen in der Pembro/Chemogruppe hatten nach 3 Jahren ein Krankheitsereignis, 23,8 % in der Placebo/Chemogruppe (HR: 0,63; p = 0,00031). „Die Differenz war nicht nur statistisch hoch signifikant, sondern auch klinisch relevant“, sagte Schmid. 20,3 % der Krankheitsereignisse bei Patientinnen in der Placebo/Chemogruppe seien Fernmetastasen gewesen, aber nur 12,8 % bei Teilnehmerinnen aus der Pembro/Chemogruppe.

Vorteile durch die Immuntherapie über alle Subgruppen hinweg

Bei den Patientinnen mit pCR zum Zeitpunkt der Operation waren nach 36 Monaten 94,4 % in der Pembro/Chemogruppe ohne Krankheitsereignis und 92,5 % aus der Placebo/Chemogruppe. In der Gruppe ohne pCR zum Zeitpunkt der OP waren 67,4 % nach 36 Monaten ereignisfrei, aber nur 56,8 % in der Gruppe Placebo/Chemo. „Auch hier zeigt sich: Die pathologische Komplettremission ist ein Prädiktor für das ereignisfreie Überleben und die pCR-Raten sind mit Pembrolizumab höher als mit Chemotherapie alleine.“ Es gebe einen Trend zu einem höheren Gesamtüberleben unter der Immuntherapie, für eine definitive Bewertung sei es aber noch zu früh.

Immunvermittelte unerwünschte Ereignisse traten unter Pembrolizumab häufiger auf als in der Placebogruppe, vor allem in der neoadjuvanten Phase, ließen sich aber nach Angaben von Schmid bei den meisten Patientinnen kontrollieren.

„Es könnte neuer Standard werden, Checkpointinhibitoren in die neoadjuvante und adjuvante Behandlung von Patientinnen mit Hochrisiko-TNBC zu intergrieren“, kommentierte Lisa A. Carey, University of North Carolina in Chapel Hill.

DOI: 10.3238/PersESMO.2021.10.22.03

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

1.
Schmid P, Cortes J, Dent R, et al.: Phase III study of neoadjuvant pembrolizumab D chemotherapy vs. placebo D chemotherapy, followed by adjuvant pembrolizumab vs. placebo for early-stage TNBC. Annals of Oncology 2021; 32 (Suppl 5): 1198–200; # VP7; https://doi.org/10.1016/j.annonc.2021.06.014.
2.
Schmid P, Cortes J, Pusztai L, et al.: Pembrolizumab for Early Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med 2020; 382: 810–21.
1.Schmid P, Cortes J, Dent R, et al.: Phase III study of neoadjuvant pembrolizumab D chemotherapy vs. placebo D chemotherapy, followed by adjuvant pembrolizumab vs. placebo for early-stage TNBC. Annals of Oncology 2021; 32 (Suppl 5): 1198–200; # VP7; https://doi.org/10.1016/j.annonc.2021.06.014.
2. Schmid P, Cortes J, Pusztai L, et al.: Pembrolizumab for Early Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med 2020; 382: 810–21.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote