ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2021HIV-Erstdiagnose bei Streptococcus-pyogenes-Sepsis
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Ein 21-jähriger Patient stellte sich in der Notaufnahme vor mit massiver Handphlegmone links mit Sehnenscheidenphlegmone und begleitender Lymphangitis sowie Daumenphlegmone rechts mit Lymphangitis. Trotz sofortiger Operation und Beginn einer systemischen antibiotischen Therapie mit Ampicillin/Sulbactam parenteral folgte in den nächsten 24 Stunden eine rasante Progredienz der Symptomatik mit zunehmender Verschlechterung der gesamten linken Hand mit erheblicher Schwellung, diffusen Spannungsblasen aller Langfinger und der Hohlhand sowie einer Zunahme der Phlegmone auch der rechten Hand. Trotz operativen Wunddebridements mussten aufgrund ischämisch-septischer Nekrosen letztendlich der vierte und der fünfte Finger der linken Hand amputiert werden. Als verursachender Erreger fand sich ein penicillinsensibler Streptococcus pyogenes. Als Ursache des fulminanten Verlaufs zeigte sich die Erstdiagnose einer HIV-Infektion. Die CD4-Zellzahl betrug 403/μL (33 %), die Viruslast lag bei 17 500 Kopien/mL. Wir initiierten eine antiretrovirale Therapie mit Emtricitabin/Tenofovir Alafenamid (FTC/TAF) kombiniert mit Raltegravir (RAL). Die Eintrittspforten des Erregers waren Mikroverletzungen bedingt durch chronisches Nägelkauen, das auch als Onychophagie bezeichnet wird.

Dr. med. Daniela Tominski, Abteilung Infektiologie, Vivantes Auguste-Viktoria Klinikum Berlin, daniela.tominski@posteo.de

Dr. med. Kai Hosmann, St. Joseph Krankenhaus Berlin

Aykut Yilmaz, Klinik für Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Tominski D, Hosman K, Yilmaz A: New diagnosis of HIV in case of sepsis caused by Streptococcus pyogenes. Dtsch Arztebl Int 2021; 118. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0076 (online first)

Dieser Beitrag erschien online am 28 10. 2021 (online first) auf www.aerzteblatt.de

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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