ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2021Blickdiagnose Orbitaphlegmone
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a) Rötung des rechten Auges mit Schwellung der Augenlider sowie Rhinorrhoe, Tragusdruckschmerz und zervikaler Lymphadenopathie rechts. b) Weichteilfenster Nativ-CT der rechten Orbita mit medial betonter preseptaler Weichteilschwellung sowie geringer Imbibierung der medialen extrakonalen Weichteile bis knapp zu den posterioren Siebbeinzellen reichend (Pfeil)
Abbildung
a) Rötung des rechten Auges mit Schwellung der Augenlider sowie Rhinorrhoe, Tragusdruckschmerz und zervikaler Lymphadenopathie rechts. b) Weichteilfenster Nativ-CT der rechten Orbita mit medial betonter preseptaler Weichteilschwellung sowie geringer Imbibierung der medialen extrakonalen Weichteile bis knapp zu den posterioren Siebbeinzellen reichend (Pfeil)

Ein vierjähriges Mädchen mit zunehmender Schwellung, Überwärmung und begrenzter Rötung des rechten Auges seit zwei Tagen und Fieber seit fünf Tagen wurde bei uns vorgestellt. Anamnestisch lag ein zwei Wochen zuvor symptomatisch behandelter, fieberhafter Infekt der oberen Atemwege vor. Das Labor ergab einen CRP-Wert von 86 mg/L. Die Spaltlampenuntersuchung war unauffällig. Bei Verdacht auf eine orbitale Komplikation wurde notfallbedingt eine native Computertomografie der Orbita sowie der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Die Bildgebung zeigte eine preseptale phlegmonöse Veränderung der rechten Orbita mit schmalem subperiostalem Abszess intraorbital medial bei Pansinusitis. Nach der operativen Ausräumung und Eröffnung der Siebbeinzellen wurde eine intravenöse antibiotische Therapie mit Ampicillin/Sulbactam eingeleitet, im weiteren Verlauf mit oral verabreichtem Cefpodoxim für die Dauer von 14 Tagen. Bereits am dritten stationären Tag war es dem Mädchen wieder möglich, die Augen zu öffnen. Es folgte eine vollständige Abheilung. Die Orbitaphlegmone ist eine gefährliche, seltene und rasch progrediente Erkrankung insbesondere bei (Klein-)Kindern, häufig aufgrund einer Sinusitis oder Ethmoiditis, sowie seltener aufgrund eines infizierten Chalazions/Hordeolums, intraorbitaler Fremdkörper, einer periorbitalen Hautverletzung, einer Dakryozystitis oder odontogen. Klinisch imponieren Chemosis, Hyperämie der Konjunktiven, Schmerzen, Lidschwellung, Exophthalmus, gestörte Augenmotilität und Diplopie/Visusverlust. Bekannte Komplikationen sind Sinus-cavernosus-Thrombosen, Erblindung und Sepsis.

Sandy Bachmann, PD Dr. med. Jan De Laffolie, Prof. Dr. med. Klaus-Peter Zimmer, Abteilung für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie,
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, sandy.bachmann.93@gmail.com

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Bachmann S, De Laffolie J, Zimmer KP: Visual diagnosis of orbital cellulitis. Dtsch Arztebl Int 2021; 118. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0084 (online first).

Dieser Beitrag erschien online am 5.11.2021 (online first) unter www.aerzteblatt.de

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

a) Rötung des rechten Auges mit Schwellung der Augenlider sowie Rhinorrhoe, Tragusdruckschmerz und zervikaler Lymphadenopathie rechts. b) Weichteilfenster Nativ-CT der rechten Orbita mit medial betonter preseptaler Weichteilschwellung sowie geringer Imbibierung der medialen extrakonalen Weichteile bis knapp zu den posterioren Siebbeinzellen reichend (Pfeil)
Abbildung
a) Rötung des rechten Auges mit Schwellung der Augenlider sowie Rhinorrhoe, Tragusdruckschmerz und zervikaler Lymphadenopathie rechts. b) Weichteilfenster Nativ-CT der rechten Orbita mit medial betonter preseptaler Weichteilschwellung sowie geringer Imbibierung der medialen extrakonalen Weichteile bis knapp zu den posterioren Siebbeinzellen reichend (Pfeil)

Kommentare

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  • Tost, Frank; Fries, Ulrich; Bülow, Robin
    Deutsches Ärzteblatt international, 2022
    10.3238/arztebl.m2022.0145
  • Zimmer, Klaus-Peter
    Deutsches Ärzteblatt international, 2022
    10.3238/arztebl.m2022.0146

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