ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2021Morbus Alzheimer: Methylphenidat vermindert eine erkrankungsbedingte Apathie-Symptomatik

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Morbus Alzheimer: Methylphenidat vermindert eine erkrankungsbedingte Apathie-Symptomatik

Vetter, Christine

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Apathie ist eine der häufigsten neuropsychiatrischen Symptome bei Morbus Alzheimer. Der verminderte Antrieb und die geringe Initiative der Patienten erschwert ihre Teilnahme am Alltagsleben und ist mit einer erhöhten Mortalität und medizinischen Kosten assoziiert. In der Studie ADMET 2 sind Effektivität und Sicherheit von Methylphenidat untersucht worden (1).

In der multizentrischen, randomisierten und placebokontrollierten Studie wurden 200 Patienten mit Alzheimer-Erkrankung bei milder bis moderater Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit und mit häufigen und/oder schweren Apathiephasen zusätzlich zur Standardtherapie mit Methylphenidat (10 mg 2-mal täglich, n = 99) oder Placebo (n = 101) behandelt. 66 % waren Männer, das durchschnittliche Alter betrug 76 Jahre. Endpunkte waren Veränderungen bei der NPI-Apathie-Subskala nach 6 Monaten, eine Verbesserung des ADCS-CGIC (Alzheimer’s Disease Cooperative Study-Clinical Global Impression of Change) sowie der Kognition und der Lebensqualität.

Nach 6 Monaten war der Anteil der Patienten mit Besserung der Apathie unter Methylphenidat deutlich höher als unter Placebo. Die durchschnittliche Differenz auf der NPI-Subskala betrug –1,25 ([95-%-Konfidenzintervall] [–2,03; –0,47]; p = 0,02]) zu Placebo. Der stärkste Rückgang der Apathie wurde in den ersten 100 Tagen erwirkt. Der Anteil der Patienten ohne Apathie war dabei in der Methylphenidat-Gruppe signifikant höher als unter Placebo (Hazard Ratio: 2,16 ([1,19; 3,9]; p = 0,01) und die Odds Ratio einer Verbesserung im ADCS-CGIC betrug 1,90 ([0,95; 3,84]; p = 0,07). Kein Unterschied zwischen beiden Gruppen zeigte sich bei der Kognition und der allgemeinen Lebensqualität. In der Studie wurden 17 schwere unerwünschte Ereignisse berichtet – ohne Assoziation zur Prüfmedikation.

Fazit: Methylphenidat ist eine effektive und sichere Therapieoption bei der Alzheimer-bedingten Apathie – ein klinisch relevantes Studienergebnis, heißt es im Editorial (2). Denn die Möglichkeiten der Behandlung dieses sehr häufigen Symptoms bei Alzheimer-Demenz seien limitiert. Es gebe zudem vergleichsweise wenige Untersuchungen zu dieser Fragestellung, da die Apathie als relativ „ruhiges Symptom“ der Alzheimer-Krankheit wissenschaftlich weniger Beachtung finde als Agitiertheit oder aggressives Verhalten der Patienten.

Dabei werde die Bedeutung der Apathie weitgehend unterschätzt. Dies betreffe die hohen Belastungen, die mit dem Symptom im Hinblick auf die Lebensqualität der Patienten, aber auch von deren Angehörigen und Betreuer verbunden sei, und die Prävalenz. Diese sei vor allem in den frühen Krankheitsphasen weitaus höher als Agitiertheit oder Aggressivität. ADMET 2 sei die erste Phase-3-Studie, die eine signifikante Wirkung von Methyl-phenidat bei Alzheimer-Apathie dokumentiert, heißt es im Editorial. Vermutlich handele es sich um eine direkte Wirkung von Methylphenidat und nicht um einen sekundären Effekt über eine Beeinflussung der Kognition. Christine Vetter

  1. Mintzer J, Lanctôt KL, Scherer RW, et al.: Effect of methylphenidate on apathy in patients with Alzheimer disease – the ADSMET 2 randomized clinical trial, JAMA Neurol 2021; doi: 101001/jamaneurol.2021.3356.
  2. Fredericks C: MD1Methylphenidate for apathy in Alzheimer disease – why should we care? JAMA Neurol 2021; doi:10.1001/jamaneurol.2021.2942.

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