ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2000Pflege von Sterbenden in den USA

MEDIZIN: Referiert

Pflege von Sterbenden in den USA

bt

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LNSLNS Familienmitglieder, darunter in der Mehrzahl Frauen, tragen die Hauptlast bei der Pflege und Versorgung von Patienten, die in absehbarer Zeit sterben werden. Dies zeigt eine Untersuchung an 988 Patienten und 915 pflegenden Personen in fünf Städten und einem ländlichen Bezirk der Vereinigten Staaten. Allerdings gibt es zwischen den Untersuchungsorten starke Unterschiede.
So genießen jeweils mehr als neunzig Prozent der Patienten Hilfe von Familienangehörigen, außer in Brooklyn. Dort sind es nur 78,8 Prozent. 28,7 Prozent der Patienten dort benötigen bezahlte Pflegekräfte. In Birmingham, Alabama, sind es nur 8,1 Prozent, im ländlichen Mesa County in Colorado 17,2 Prozent, also nahe dem Durchschnitt aller Bereiche von 15,1 Prozent. Die Pflegenden waren zu 72,1 Prozent Frauen, Ehegatten, Kinder, Geschwister, Eltern, Schwiegerkinder und andere. Unterschiede gab es bei den verschiedenen Pflegekategorien: Für den Transport wurde überwiegend (in drei Viertel der Fälle) von Familienangehörigen gesorgt. Aber selbst fachliche Krankenpflege besorgen Angehörige in 42,4 Prozent der Fälle, und persönliche Betreuung (Hygiene, Ernährung) kam zur Hälfte von ihnen. Die Untersuchung beschränkte sich auf Patienten mit Krebs, Herzkrankheiten und obstruktiven Lungenerkrankungen, deren Prognose nach Ansicht der behandelnden Ärzte höchstens noch sechs Lebensmonate betrug. Dabei fällt auf, dass Krebspatienten prozentual weniger Pflegebedürfnisse hatten als die Patienten der anderen Indikationen. Nur vier Prozent der Pflege und Betreuung wurden von unbezahlten Freiwilligen geleistet, und dabei spielte es keine Rolle, ob der Patient einer religiösen Gruppe angehörte oder nicht.
Eine Verallgemeinerung der Ergebnisse auf alle Pflegefälle von Sterbenden ist wegen der Beschränkung auf die drei Indikationen nicht möglich. So wurden beispielsweise AIDS-Patienten von vornherein nicht in die Studie aufgenommen. bt


Emanuel EJ, Fairclough DL, Slutsman J, Alpert H, Baldwin D, Emanuel LL: Assistance from family members, friends, paid care givers, and volunteers in the care of terminally ill patients. N Eng J Med 1999; 341: 956-963.
Dr Ezechiel J. Emanuel, Department of Clinical Bioethics, Warren G. Magnuson Clinical Center, National Institutes of Health, Bethesda, MD 20892-1156, USA

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