ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2021Digitalisierung: Ärztliche Kompetenzen ausbauen

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Digitalisierung: Ärztliche Kompetenzen ausbauen

Haserück, André

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Die Fortschritte bei der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens sowie die teils disruptiven Innovationen müssen in den Inhalten der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung Widerhall finden – auf diese Notwendigkeit machen Ärztinnen und Ärzte verstärkt aufmerksam.

Digitale Versorgungsstrukturen und eine sich wandelnde Anspruchshaltung der Patienten erfordern neue Fähigkeiten seitens der Ärzteschaft. Foto: picture alliance/Zoonar Khakimullin Aleksandr D9
Digitale Versorgungsstrukturen und eine sich wandelnde Anspruchshaltung der Patienten erfordern neue Fähigkeiten seitens der Ärzteschaft. Foto: picture alliance/Zoonar Khakimullin Aleksandr D9

Die Digitalisierung hält verstärkt Einzug in die Gesundheitsversorgung. Davon kann auch das Berufsbild von Ärztinnen und Ärzten nicht unbeeinflusst bleiben. Zur Erlangung von ärztlichen Digitalkompetenzen brauche es deshalb ein „schlüssiges Gesamtkonzept“ vom Medizinstudium über die Facharztweiterbildung bis hin zu Fortbildungsmaßnahmen. Dies betonte Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, Mitte November im Rahmen der Fachmesse Medica in Düsseldorf.

Tobias Henke von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) verwies in diesem Zusammenhang auf das jüngst verabschiedete entsprechende bvmd-Positionspapier. Er bekräftigte die Forderung nach einer zügigen und konsequenten Umsetzung der im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) formulierten Lehrinhalte zur digitalen Transformation. Dies sei dringend notwendig, da der aktuelle Stand klar ausbaufähig sei, so Henke. Repräsentative Umfragen unter Medizinstudierenden hätten gezeigt, dass sich nur knapp elf Prozent gut vorbereitet auf den Umgang mit digitalen Tools und Strukturen fühlen.

Digitalisierung über punktuelle Inhalte hinaus verankern

Die Lehrinhalte zu digitaler Transformation müssten longitudinal in das Kerncurriculum integriert werden, forderte Henke. Einzelne und singulär für sich stehende Digitalisierungslehrblöcke seien nicht ausreichend – vielmehr sollten allen ärztlichen Fachkompetenzen auch entsprechende digitale Kompetenzen zugeordnet werden und strukturiert in das Curriculum einfließen. Zudem sollten künftig interprofessionelle Lehrveranstaltungen im Kontext des Erwerbs digitaler Kompetenzen etabliert werden, so der Nachwuchsmediziner.

Für eine zukunftssichere medizinische Versorgung sei die Verknüpfung von Interprofessionalität und Digitalisierung ein entscheidender Faktor. Prof. Dr. rer. medic. David Matusiewicz, Dekan des Hochschulbereichs Gesundheit & Soziales an der FOM Essen, bekräftigte diese Auffassung. Künftig müssten sowohl Ärzte als auch Pflegende verstärkt über Fähigkeiten verfügen, welche eine Nutzung neuer Technologien und die Einbindung in dann unter Umständen neue Prozesse ermöglichen. Zudem werde die Bedeutung der Einordnung von Daten und die Kommunikation in Richtung Patientinnen und Patienten zunehmen. Derzeit werde entsprechendes Wissen rund um digitale Anwendungen und Strukturen aber nur punktuell in den Aus- und Fortbildungsinhalten berücksichtigt.

Wolle man in Zukunft auch im Rahmen einer sich stetig weiter digitalisierenden Versorgungslandschaft vertrauenswürdiger Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten bleiben, sei es umso wichtiger, ärztliche Digitalkompetenzen auf- beziehungsweise auszubauen, betonte jüngst auch PD Dr. med. Peter Bobbert im Rahmen einer von der Bundesärztekammer (BÄK) und dem Deutschen Ärzteblatt organisierten Talkrunde. Die Thematik „Digitales“ sei im Medizinstudium sowie in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung zwar teilweise schon integriert, künftig werde dies jedoch „definitiv“ eine noch größere Rolle spielen müssen.

Diese Erkenntnis wird von weiten Teilen der Ärzteschaft bereits geteilt: Die Delegierten des 125. Deutschen Ärztetages plädierten Anfang November für eine entsprechende an die Gesundheitsberufe gerichtete nationale Fortbildungsoffensive. André Haserück

Die Aufzeichnung des Livestreams der zusammen mit der BÄK angebotenen Veranstaltung zur Digitalisierung::

www.aerzteblatt.de/events/digitalisierung-2021

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