ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2021Präeklampsie, Blutdruck und Diabetes: Kaffeekonsum erhöht kardiovaskuläre Komplikationen bei Schwangeren nicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Präeklampsie, Blutdruck und Diabetes: Kaffeekonsum erhöht kardiovaskuläre Komplikationen bei Schwangeren nicht

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: Yakobchuk Olena/stock.adobe.com
Foto: Yakobchuk Olena/stock.adobe.com

Trinken Schwangere Kaffee in moderaten Mengen, geht dies mit einem geringeren Risiko für Gestationsdiabetes (GDM) und einem günstigeren kardiovaskulären Risikoprofil einher, als wenn sie gar kein Koffein konsumieren. Dies zeigt eine Studie vom Team um Stefanie Hinkle an der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Schwangeren wird zu eher mäßigem Koffeinkonsum geraten, um das Risiko für Wachstumsverzögerungen des Ungeborenen nicht zu erhöhen. Bis zu 200 mg Koffein oder etwa zwei Tassen Kaffee sehen gynäkologische Fachgesellschaften als unproblematisch an. Hinkle und ihre Co-Autoren wollten nun wissen, wie sich der Kaffeekonsum auf die Schwangere selbst auswirkt.

Durchaus positiv, wie eine Post-hoc-Analyse der Eigenauskünfte von 2 802 Schwangeren ergab. Die Frauen berichteten über den Konsum von Kaffee, Tee oder anderen koffeinhaltigen Getränken. In den Schwangerschaftswochen 10 bis 13 wurden zusätzlich die Plasmaspiegel von Koffein und Paraxanthin als Hauptmetabolit gemessen.

Rund die Hälfte (51,0 %) konsumierte bis zu 100 mg Koffein am Tag, nur eine Minderheit (6,7 %) bis zu 200 mg, und der Anteil derer, die noch mehr tranken, blieb unter einem Prozent (0,8 %). Im Vergleich zu den 41,5 % Schwangeren, die ganz auf Koffein verzichteten, war das relative Risiko für GDM der moderat konsumierenden (bis 100 mg/d) um die Hälfte geringer (0,53). Bei ihnen stellte man zudem günstigere Lipid- und Entzündungsprofile fest. Die Koffein- und Paraxanthinplasmawerte korrelierten invers mit der Höhe des Blutzuckerspiegels. Der Koffeinkonsum hatte keinen Einfluss auf die Blutdruckwerte der Schwangeren oder das Risiko für eine Präeklampsie.

Fazit: Obwohl die Ergebnisse weitgehend auf Selbstauskünften beruhen, korrelierten die Beobachtungen doch mit den über kurze Zeit erhobenen Plasmawerten. Die Autoren sehen in den Ergebnissen einen Grund, Schwangere im Hinblick auf ihre eigene kardiovaskuläre und metabolische Gesundheit zu beruhigen, wenn sie moderat Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke genießen. Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Hinkle S, et al.: Assessment of Caffeine Consumption and Maternal Cardiometabolic Pregnancy Complications. JAMA Netw Open 1. November 2021; 4 (11): e2133401. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.33401.

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