ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2021Schuberts Sprechstunde: „Bei uns gibt es Grüppchenbildung und Lästereien – was hilft?“

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Schuberts Sprechstunde: „Bei uns gibt es Grüppchenbildung und Lästereien – was hilft?“

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Foto: Schubert Management Consultants
Foto: Schubert Management Consultants

Dipl.-Psych. Petra Schubert berät seit vielen Jahren Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft zu Themen rund ums Personalmanagement. An dieser Stelle beantwortet sie die interessantesten Fragen, die Ärztinnen und Ärzte aus der Klinik ihr in Coachings stellen.

Bei uns in der Abteilung gibt es Grüppchenbildung und Lästereien – was hilft dagegen?

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„Es gibt bei uns eine Grüppchenbildung, die der gesamten Abteilung schadet. Da wir eine große Abteilung mit insgesamt 35 Kolleginnen und Kollegen sind, ist klar, dass wir nicht alle derselben Meinung sind. Dennoch finde ich es schwierig, wenn die Grüppchenbildung so ausartet, dass eine Gruppe über die jeweils andere lästert und dabei einige Kollegen sogar richtig ausgegrenzt werden. Es wird immer darauf geachtet, wer mit wem Dienst hat und im OP-Saal wird übereinander hergezogen. Das bekommen die Anästhesisten und die Pflegekräfte auch mit. Ich finde das schwierig, obwohl ich mich von der Grüppchenbildung und den Lästereien nicht ausnehme. Hauptsächlich getrieben wird das Ganze von drei Oberärzten. Soll ich als Assistenzärztin unsere Chefärztin darauf ansprechen?“

Petra Schubert: „Ich finde es gut und wichtig, dass Ihnen die Lästereien auffallen, Sie Ihren eigenen Anteil betrachten und nicht mehr daran mitwirken wollen. Aus meiner Sicht sind zwei Ebenen zu betrachten: Die eine ist die Ebene des Ausgrenzens, die andere des Klimas innerhalb der Abteilung. Auf der Ebene des Ausgrenzens ist es wichtig, die Kollegen, zum Beispiel die lästernden Oberärzte, darauf anzusprechen, dass Sie nicht mehr mit den Lästereien einverstanden sind. Sie sollten darstellen, dass Sie sich wünschen, Ihre Kollegen würden auch damit aufhören. Auf der zweiten Ebene ist es wichtig, Ihre Chefärztin hinzuzuziehen. Ihre Chefin sollte wissen, was in der Abteilung vor sich geht. Daher rate ich Ihnen, auf Ihre Chefärztin zuzugehen, ihr zu erläutern, was sich abspielt, ohne Namen zu nennen, und sie zu bitten, das Thema in der nächsten Abteilungsbesprechung anzusprechen. In dieser Besprechung könnte Ihre Chefärztin alle gemeinsam auffordern zu diskutieren, wie die Regeln des Miteinanders künftig in der Abteilung sein sollen.

Auf dieser Basis könnte es eine offenere und ehrlichere Zusammenarbeit geben. Beispielsweise könnten in den Regeln enthalten sein, dass alle ihre Meinungsverschiedenheiten direkt untereinander ansprechen. Weiterer Punkt könnte sein, Lästereien, die man bei anderen mitbekommt, anzusprechen und dadurch alle Beteiligten zu sensibilisieren. Wichtig ist, dass alle an der Definition der Regeln mitarbeiten und sich damit identifizieren. Zudem sollte das Team regelmäßig reflektieren, wie weit die Regeln eingehalten werden oder was noch getan werden muss, um das Miteinander zu verbessern.“

Ich habe das Gefühl, mein Kollege nutzt mich nur aus – was kann ich tun?

„Einer meiner Oberarztkollegen engagiert sich nicht so stark wie die anderen. Er sagt ständig, alles sei viel zu viel und man könne ihm das nicht zumuten. Ich selbst empfinde die Arbeitsbelastung als normal. Es gibt einiges zu tun, aber das bringt der Beruf mit sich. Ich habe dem Kollegen schon mehrfach angeboten, ihn zu unterstützen. Unser Chefarzt bekommt das Ganze nicht wirklich mit und denkt, es läuft alles. So langsam habe ich das Gefühl, dass der Kollege mich nur ausnutzt. Wenn ich mal einen Gefallen von ihm möchte, geht er nicht darauf ein und tut so, als hätte er nichts gehört. Wenn ich nachhake, sagt er, es täte ihm leid, aber er könne nichts tun, er habe ja eh schon viel zu viel. Ich finde es schwierig, mit dem Gejammer und der Unkollegialität des Kollegen umzugehen. Ich glaube, den anderen Kollegen geht es auch so. Viele versuchen, nicht mit ihm zusammenzuarbeiten. Was kann ich tun?“

Petra Schubert: „Ich hätte an Ihrer Stelle auch das Gefühl, dass mein Kollege mich ausnutzt, besonders, da er nicht auf Ihre Bitten, Sie zu unterstützen, eingeht. Insofern ist es wichtig, ihm in einem ruhigen Gespräch zu sagen, dass Sie mit seinem Gejammer und Gemecker nicht umgehen können und Sie auch nicht dafür zuständig sind, ihm alles abzunehmen. Zudem sollten Sie ansprechen, dass Sie in einer kollegialen Beziehung davon ausgehen, dass die Unterstützung nicht nur in eine Richtung läuft. Geben Sie ihm ein Bild davon, wie es bei Ihnen ankommt, wenn er ständig wegen Überlastung jammert. Beispielsweise könnten Sie ansprechen, dass es Ihre Stimmung und Laune verschlechtert, regelmäßig zu hören, wie schlecht es ihm geht. Auch sollten Sie ansprechen, dass Sie auf der Basis eher vermeiden, mit ihm zusammenzuarbeiten, da Sie ansonsten immer das Gefühl haben, ihm helfen zu müssen.

Falls sich das Gemecker nicht ändert, sollten Sie Ihren Chefarzt ansprechen, ihm die Situation schildern und ihn bitten, gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kollegen ein Gespräch zu führen. In diesem Gespräch sollten Sie Ihre Sicht der Dinge schildern, Ihren Kollegen seine Sicht darstellen lassen und dann Ihren Chefarzt bitten, das künftige Vorgehen und den künftigen Umgang miteinander festzulegen.“

Wir Ärzte müssen die Pflege unterstützen, obwohl das nicht unser Job ist – was soll ich tun?

„Unsere Pflegekräfte sind stark belastet und ausgezehrt. Ich habe als Leitender Oberarzt das Gefühl, dass wir Ärzte die Pflege unterstützen müssen, obwohl das eigentlich nicht unsere Aufgabe ist. Inzwischen bin ich nicht nur für die ärztlichen Mitarbeitenden Anlaufstelle, sondern auch für die Pflegekräfte, die mit unserer Abteilung zusammenarbeiten. Die aktuelle Belastung geht so weit, dass es diverse Ausfälle gibt und einige überlegen zu kündigen. Der Pflegedirektor sagt, er hätte alles im Griff und es könne gar nicht sein, dass seine Pflegekräfte sich an uns und nicht an ihn wenden. Mein Chefarzt ist auch nicht besonders begeistert, dass ich so viel Zeit für die Probleme der Pflege verwende. Er hat Bedenken, dass ich meine Arbeit vernachlässige. Ich stehe sozusagen zwischen den Stühlen – was soll ich tun?“

Petra Schubert: „Die Situation stelle ich mir schwierig vor, da Sie die Pflege unterstützen wollen und deren Probleme sehen, aber nicht die Zeit haben, sich als quasi Pflegedienstleiter zu engagieren. Zudem sehe ich genau wie Sie, dass eine Unterstützung in dieser Intensität nicht Ihre Aufgabe sein kann.

Insofern wäre es gut, wenn Sie zuerst mit Ihrem Chefarzt sprechen und ihn um Unterstützung bitten. Gemeinsam mit Ihrem Chefarzt sollten Sie ein Gespräch mit dem Pflegedirektor suchen und mit diesem besprechen, wie sie mit den Problemen der Pflegekräfte umgehen können. Falls er tatsächlich keine Notwendigkeit sieht, tätig zu werden, wäre es wichtig, mit ihm zu besprechen, wie Sie weiter vorgehen sollen. Beispielsweise könnten Sie mit ihm festlegen, dass Sie ihn bei den nächsten von den Pflegekräften angesprochenen Problemen hinzuziehen, damit er die Situation von seinen eigenen Leuten geschildert bekommt.

Nach dem gemeinsamen Gespräch mit Ihrem Chefarzt und dem Pflegedirektor sollten Sie die Pflegekräfte informieren, dass diese die Unterstützung vom Pflegedirektor brauchen, um die Dinge zu ändern und daher vorschlagen, dass das nächste Gespräch gemeinsam mit dem Pflegedirektor stattfinden sollte. Sie selbst sind als Unterstützer mit dabei.

Falls dies nicht fruchtet, sollten Sie dem Pflegedirektor mitteilen, dass Sie gegebenenfalls gemeinsam mit Ihrem Chefarzt ein Gespräch mit der Geschäftsführung suchen, in dem Sie die Probleme schildern und um Ideen zur Vorgehensweise bitten.“

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