ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2021Qualitätssicherung: Suche nach Balance

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Qualitätssicherung: Suche nach Balance

Osterloh, Falk

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Die Qualitätssicherung sollte die Qualität der Versorgung verbessern. Zunehmend zeigt sich jedoch, wie schwer es ist, Versorgungsqualität sauber zu messen und zugleich den Dokumentationsaufwand in Grenzen zu halten. So ist die Selbstverwaltung beständig auf der Suche nach einem Mittelweg.

In der Geburtshilfe sollen fünf planungsrelevante Qualitätsindikatoren die Qualität der Versorgung messen. Foto: picture alliance/Phanie BURGER
In der Geburtshilfe sollen fünf planungsrelevante Qualitätsindikatoren die Qualität der Versorgung messen. Foto: picture alliance/Phanie BURGER

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) regelt die Qualitätssicherung im deutschen Gesundheitswesen in derzeit 26 Richtlinien – von der Qualitätsbeurteilungs-Richtlinie Radiologie bis zur Richtlinie für Kinderherzchirurgie. Einmal im Jahr kommen Expertinnen und Experten auf Einladung des G-BA zusammen, um auf der Qualitätssicherungskonferenz über die Qualität der Qualitätssicherung zu diskutieren. Zum ersten Mal in ihrer neuen Rolle als unparteiisches Mitglied im G-BA war Karin Maag dabei, die früher für die Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestages saß und die nun unter anderem den Unterausschuss Qualitätssicherung im Gemeinsamen Bundesausschuss leitet.

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Selbstverständlicher Bestandteil

„Qualitätssicherung entfaltet ihre Kraft für eine gute Patientenversorgung am besten, wenn sie nicht als lästiges Übel gesehen wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des medizinischen Behandlungsprozesses“, sagte Maag anlässlich des Beginns der Konferenz. Um diese Grundeinstellung nicht zu gefährden, brauche es Balance. „Wir müssen immer wieder das Verhältnis zwischen Aufwand, Ergebnis und Ziel der Qualitätssicherung anschauen“, betonte Maag. „Ich mache mich dafür stark, dass wir dabei die richtigen Daten auswählen und nutzen – gerne auch Daten, die bereits vorhanden sind, weil sie routinemäßig eigentlich für andere Zwecke erfasst wurden.“

Um die Weiterentwicklung der Qualitätssicherung ging es auf dem Kongress auch bei den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren, die der Gesetzgeber im Jahr 2016 mit dem Krankenhaus-Strukturgesetz eingeführt hatte. Sie sollen den Planungsbehörden der Bundesländer „als Grundlage für qualitätsorientierte Entscheidungen der Krankenhausplanung“ dienen, wie es im Gesetz heißt. Bislang liegen elf entsprechende Indikatoren vor: drei aus dem Bereich „Gynäkologische Operationen“, fünf aus dem Bereich „Geburtshilfe“ und drei aus dem Bereich „Mammachirurgie“. Während der Coronapandemie werden sie jedoch ausgesetzt.

Auf dem Kongress kritisierte der Leiter des Kompetenz-Centrums Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement (KCQ), Dr. med. Klaus Döbler, dass Krankenhäuser, die nicht nur vorübergehend eine in einem erheblichen Maß unzureichende Qualität aufweisen, automatisch aus dem Krankenhausplan herausgenommen werden müssen. Dieser Automatismus sei sowohl eine fachlich-methodische als auch eine administrative Herausforderung. Sinnvoller erscheine insofern eine Trennung von der Bewertung der Qualitätsindikatoren und der Handlungskonsequenz. „Diese könnte ein Leistungsverbot sein, müsste es aber nicht“, schlug Döbler vor.

In diesem Zusammenhang zitierte Döbler aus einem Bericht des Instituts für Transparenz und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen (IQTIG), dass das IQTIG im Auftrag des G-BA verfasst hat. Darin kamen die Autoren Döbler zufolge zu dem Schluss, dass eine umfassende und differenzierte Bewertung der Qualität einer medizinischen Leistung der Auswertung so vieler Indikatoren bedürfe, dass die Option einer solchen Bewertung letztlich nur theoretisch bestehe. Der Leiter des IQTIG, Prof. Dr. med. Claus-Dieter Heidecke, beschreibt im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt die Möglichkeiten und die Limitationen der Qualitätssicherung – und wie es gelingen kann, die intrinsische Motivation von Ärztinnen und Ärzten nicht durch Qualitätssicherung zu ersticken.

Falk Osterloh

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