ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2021Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Optimal im Team versorgt

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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Optimal im Team versorgt

Fischer von Weikersthal, Gabi

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Die Wahl des Biologikums kann bei der Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen entscheidend sein. Der Therapieerfolg hängt jedoch ebenso stark von der Zusammenarbeit multidisziplinärer Teams ab.

In der Behandlung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sollte eine effektive und gut verträgliche Therapie gewählt werden, die frühzeitig und langfristig eingesetzt werden kann. Ziel ist es, sowohl eine anhaltende Remission und Mukosaheilung zu erreichen als auch die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.

Die CED Colitis ulcerosa (CU) und Morbus Crohn (MC) sind komplexe, chronische Krankheitsbilder. Für die optimale Versorgung ist eine intensive Zusammenarbeit eines multidisziplinären Teams aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen und speziell geschulten medizinischen Fachassistenzen mit den Patienten erforderlich, forderte Prof. Dr. med. Andreas Sturm, Chefarzt Klinik für Innere Medizin – Gastroenterologie der DRK-Kliniken Berlin.

Rolle der CED-Fachassistenz

Auch für die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) spielt die CED-Fachassistenz eine wichtige, insbesondere koordinierende Rolle im Betreuungsnetz für CED-Patienten und sollte einen wichtigen Platz im multidisziplinären CED-Team einnehmen.

Prof. Dr. med. Axel Dignaß, Chefarzt Medizinische Klinik I, Agaplesion Markus Krankenhaus Frankfurt am Main, stellte das Pilotprojekt Living Guidelines der DGVS und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) vor, die alle 5 Jahre ein komplettes Guideline-Update präsentieren. Die Leitliniensteuergruppe würde eine systematische Literaturrecherche vornehmen, bei klinisch hochrelevanten Neuerungen erfolge eine Änderung oder Erweiterung der bestehenden Empfehlungen. „Entscheidungen sollen sich auf eine individuelle Risiko-Nutzen-Analyse und Patientenpräferenzen stützen, diagnostische oder therapeutische Entscheidungen sollten zusammen mit dem Patienten regelmäßig hinterfragt werden“, betonte Dignaß. Nicht nur vorhandene Evidenz und Leitlinien, sondern auch Expertise sind für gute Therapieentscheidungen notwendig, so die abschließende Forderung.

Leitlinien zu Vedolizumab

Die 2019 aktualisierten CU-S3-Leitlinien der DGVS empfehlen für bestimmte CED-Patienten Vedolizumab (Entyvio®, Takeda) auch als First-Line-Biologikum. Dies postulierten ebenso die CU- und MC-Leitlinien der europäischen Fachgesellschaft European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO).

Seit 2014 ist Vedolizumab in Europa für erwachsene Patienten mit mittelschwer bis schwer aktiven Formen von CU und MC zugelassen, bei denen konventionelle Therapien oder TNFα-Antagonisten versagt haben, die darauf nur unzureichend ansprechen oder bei denen eine Unverträglichkeit vorliegt. Vedolizumab blockiert durch die spezifische Bindung an α4β7-Integrin auf den T-Zellen deren Interaktion mit MAdCAM-1. Dadurch wird die Adhäsion der T-Zellen an das Gefäßendothel und die Einwanderung in den Gastrointestinaltrakt verhindert. Die Entzündung kann auf diese Weise eingedämmt werden.

Prof. Dr. med. Stefan Schreiber, Direktor Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, rief auf dem von Takeda ausgerichteten Gastrodialog 2021 noch einmal die 2019 präsentierten Daten einer Head-to-Head-Studie in Erinnerung. Die Phase-3b-Studie VARSITY ist hatte die Wirksamkeit und Sicherheit von Vedolizumab intravenös (i.v.) im Vergleich zu Adalimumab subkutan (s.c.) in Woche 52 bei erwachsenen Patienten mit mittelschweren bis schweren aktiven Formen von Colitis ulcerosa untersucht.

Für die Studie wurden 769 Patienten randomisiert (Vedolizumab n = 383 oder Adalimumab n = 386). Es zeigte sich eine Überlegenheit von Vedolizumab gegenüber Adalimumab beim Erreichen der klinischen Remission in Woche 52: 31,3 % (n = 120/383) der Patienten, die Vedolizumab erhielten, erreichten den primären Endpunkt klinische Remission in Woche 52 im Vergleich zu 22,5 % (n = 87/386) der Patienten, die mit Adalimumab behandelt wurden. Der Unterschied war statistisch signifikant. Unter der Behandlung mit Vedolizumab kam es zudem signifikant häufiger zur Mukosaheilung in Woche 52 (bei 39,7 % der Vedolizumab-Patienten gegenüber 27,7 % der Adalimumab-Patienten). Die Lebensqualität verbesserte sich vom Ausgangswert bis zur Woche 52 bei 52,0 % der Patienten in der Vedolizumab-Gruppe und bei 42,2 % in der Adalimumab-Gruppe. „Der Unterschied im klinischen Ansprechen wurde bereits ab Woche 6 gesehen und bis Woche 52 erhalten“, so Schreiber abschließend.

Gabi Fischer von Weikersthal

Quelle: Virtueller GASTRODIALOG 2021: „Patient*innen eine Perspektive geben – die optimale CED-Behandlung gemeinsam im Team“, 29. Oktober 2021; Veranstalter: Takeda Pharma

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