ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000Alkoholwerbung: Volle Breitseite

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Alkoholwerbung: Volle Breitseite

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): A-797 / B-658 / C-645

Panitz, Lina

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LNSLNS Jürgen Schrader, der Vorsitzende des Deutschen Werberats, befürchtet Ungemach. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) will mit der Werbewirtschaft "Gespräche führen", Thema: Einschränkung der Alkoholwerbung! Unter anderem plane das BMG, sagte Schrader, die TV- und Hörfunkwerbung einschließlich Sponsoring für alkoholische Produkte zwischen sechs und 22 Uhr sowie auf Sportveranstaltungen zu verbieten. Für den Vorsitzenden des Werberats liefe dies auf eine "Bevormundung der Werbeselbstdisziplin" hinaus.
Einen Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und Alkoholmissbrauch sieht Schrader nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten nachgewiesen, dass Werbung allenfalls ein politischer Sündenbock für Missbrauch von Alkohol sei, in keinem Fall aber dessen Ursache. Es sei gesundheitspolitische Augenwischerei, die Werbeeinnahmen der Medien auszutrocknen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu torpedieren. Solche Schäden richte ein Reklameverbot für alkoholische Getränke allerdings an, ohne den Alkoholmissbrauch zu beseitigen.
Außerdem sei es widersprüchlich, kreidete Schrader dem BMG an, andere Drogen zu legalisieren und gleichzeitig die Alkoholproduktion zu diffamieren. Während der Werberat bereits eine Gesetzesinitiative des BMG kommen sieht, falls er die Werberegeln nicht "freiwillig" ändert, will das Ministerium davon (noch) nichts wissen. Die Drogenbeauftragte Christa Nickels will vielmehr mit der Werbewirtschaft einen Kompromiss suchen. Das Ziel soll sein: ein stärkeres Problembewusstsein in der breiten Öffentlichkeit. In bestimmten Lebenssituationen, unter anderem in der Schwangerschaft, solle auf Alkohol verzichtet werden.
Kompromiss oder Gesetz? Am 12. April behandelt der Bundesgerichtshof der Europäischen Union die Klage der Bundesregierung und der Werbewirtschaft gegen das Verbot der direkten und indirekten Tabakwerbung. Das Urteil könnte das weitere Vorgehen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums zur Alkoholreklame beeinflussen.
Lina Panitz
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