ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2021Ambulant erworbene Pneumonie: Bei Kleinkindern ist Amoxicillin über 3 bis 7 Tage auch in niedriger Dosis wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ambulant erworbene Pneumonie: Bei Kleinkindern ist Amoxicillin über 3 bis 7 Tage auch in niedriger Dosis wirksam

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance/CAVALLINI JAMES BSIP
Foto: picture alliance/CAVALLINI JAMES BSIP

Amoxicillin gilt weithin als Therapie der Wahl für Kleinkinder, die an ambulant erworbener Pneumonie erkrankt sind (Community-acquired Pneumonia, CAP). Bei circa ⅓ der Kinder unter 5 Jahren sind Bakterien für eine CAP verantwortlich. Welche tägliche Dosierung nach einer stationären oder notfallmäßigen Versorgung im Krankenhaus für derart junge Patienten ideal ist, wurde bislang nicht in randomisierten Studien dargelegt; ebenso wenig wurde nachgewiesen, ob die in einigen Ländern mit niedrigerem Einkommen übliche Dauer einer solchen (Nach-)Behandlung über 3 Tage ausreichend ist, um eine neuerliche Antibiose über die nächsten 4 Wochen zu vermeiden.

Dies zu ergründen war das Ziel einer randomisierten Studie, an der 28 Kliniken im Vereinigten Königreich und eine Klinik in Irland beteiligt waren. Die 824 Studienteilnehmer (Durchschnittsalter: 2,5 Jahre), von denen knapp ⅓ unter Asthma litt oder einen Inhalator innerhalb des letzten Monats benutzen musste und ¼ Allergiker bzw. Ekzematiker waren, wurden in 4 Gruppen basierend auf der Dosis und der Einnahmedauer von Amoxicillin eingeteilt: 35–50 mg/kg Körpergewicht über 3 Tage, 35–50 mg/kg für 7 Tage, 70–90 mg/kg für 3 Tage und 70–90 mg/kg für 7 Tage. Primärer Endpunkt war die Notwendigkeit einer neuerlichen Behandlung mit Antibiotika über die nächsten 28 Tage, zu den sekundären Endpunkten gehörten Symptome der CAP und mögliche Nebenwirkungen der Therapie.

Die Behandlung mit niedriger Dosierung erwies sich als nicht unterlegen gegenüber jener mit höherer Dosierung, ebenso die kürzere gegenüber der längeren Behandlungsdauer. Insgesamt 139 Kinder bekamen am 28. Tag eine nicht zur Studie gehörende systemische Antibiose. Dies waren 12,6 % der Kinder unter der niedrigeren und 12,4 % unter der höheren Amoxicillin-Dosierung. Dieser primäre Endpunkt war mit 12,5 % für die 3-Tage- und die 7-Tage-Gruppe gleich. Die einzigen signifikanten Unterscheide fanden sich bei den Symptomen Dauer des Hustens und hustenbedingte Schlafstörungen, die in der 3-Tage-Gruppe länger anhielten: Odds Ratio (OR) für Husten 1,2 ([95-%-Konfidenzintervall] [1,0; 1,4]) und OR für hustenbedingte Schlafstörungen 1,2 [1,0; 1,3]. Als Nebenwirkungen wurden Diarrhoe bei 44 %, Hautrötung bei 24 % und Mundsoor bei 7 % berichtet.

Fazit: „In dieser großen multizentrischen randomisierten Studie konnte beeindruckend gezeigt werden, dass die pädiatrische ambulant erworbene Pneumonie (pCAP) mit einer kurzen Standard-Aminopenicillin-Behandlung sicher und effektiv behandelt werden kann“, erklärt Prof. Dr. med. Tobias Tenenbaum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Sana Klinikums Lichtenberg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. „Nun gilt es, die Patientengruppe zu identifizieren, die ein Therapieversagen unter diesem Regime haben, wie bei schwerer pCAP. Internationale und nationale Leitlinien werden entsprechend angepasst werden müssen.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Bielicki JA, Stöhr W, Barratt S, et al.: Effect of amoxicillin dose and treatment duration on the need for antobiotic re-treatment in children with community-acquired pneumonia. JAMA 2021; 326: 1713–24.

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