ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000Hypertonie: Alpha-Rezeptorenblocker gestoppt

SPEKTRUM: Akut

Hypertonie: Alpha-Rezeptorenblocker gestoppt

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): A-800 / B-680 / C-648

Koch, Klaus

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LNSLNS Alpha-1-Rezeptorenblocker gehörten 1998 noch zu den Anti-Hypertonika mit steigender Beliebtheit. Allein vom Vertreter "Doxazosin" hatten die deutschen Ärzte nach dem Arzneiverordnungsreport 74 Millionen Tagesdosen verschrieben, fast 20 Prozent mehr als 1997. Doch die Beliebtheit der Substanzen wird nun wohl einen dramatischen Einbruch erleiden: Das Nationale Gesundheitsinstitut (NIH) der USA hat im Januar eine Studie mit dem Alpha-1-Rezeptorenblocker Doxazosin abgebrochen, nachdem das Mittel in einer Zwischenüberprüfung signifikant schlechter als das Diuretikum Chlortalidon abgeschnitten hat.

Details der ALLHAT-Studie hat Curt Furberg (Winston-Salem, USA) auf der Jahrestagung des American College of Cardiology vorgestellt: Die bis 2003 laufende Studie vergleicht an fast 42 500 Hypertonikern mit zumindest einem weiteren Risikofaktor den Wert verschiedener Therapien. Von den 9 067 mit Doxazosin behandelten Patienten hatten im Laufe von vier Jahren etwa 26 Prozent ein Herz-Kreislauf-Ereignis durchgemacht. Bei den 15 268 mit dem Diuretikum behandelten Patienten hatte die Rate bei etwa 21 Prozent gelegen. Der Unterschied beruhte vor allem auf Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz: die Rate lag unter Doxazosin bei zwei Prozent pro Jahr, unter Chlortalidon aber nur bei einem Prozent. "Unsere Schlussfolgerung ist einfach", sagte Furberg, "Chlortalidon - wahrscheinlich jedes Diuretikum - ist das Medikament der Wahl für die Hochdruckbehandlung."


Auch die Hochdruckliga zieht aus diesen Daten Konsequenzen. Die Fachgesellschaft schließt sich in einer im Internet publizierten Stellungnahme (www.paritaet.org/rr-liga/indexv2.htm) der Haltung des NIH an, keine Hochdruckpatienten mehr neu auf Alphablocker einzustellen. Hypertoniker, die mit einer Substanz der Gruppe behandelt werden, sollten ihr Medikament vorerst weiter nehmen, weil auch Alphablocker vermutlich besser sind als keine Therapie, aber möglichst bald auf Alternativen umsteigen. Das Abschneiden des Doxazosin wirft auch ein Schlaglicht auf die Zulassungspraxis. Bislang gehen Behörden davon aus, dass die Höhe der Blutdrucksenkung das entscheidende Kriterium für den Nutzen der Behandlung ist. Das schlechtere Abschneiden des Alpha-Rezeptorenblockers belegt nun aber, dass Blutdrucksenkung nur ein Surrogat-Parameter ist, der alleine nicht zur Beurteilung eines Antihypertonikums ausreicht. Klaus Koch

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