ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000Fortschritt: Berufsrealitäten

SPEKTRUM: Leserbriefe

Fortschritt: Berufsrealitäten

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): A-800 / B-680 / C-648

Zuber, M.

Zu dem "Seite eins"-Beitrag "Erste Frau auf Lehrstuhl für Frauenheilkunde: Berufung mit Symbolwert" von Dr. Thomas Gerst in Heft 1-2/2000:
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LNSLNS . . . Leider ist weder die Medizin noch die Berichterstattung über die Medizin in Deutschland frei von Sexismus. Da Sexismus auf von Frauen und Männern in ihrer frühen Kindheit internalisierten Geschlechterschemata beruht, denen zufolge Männer die Chefs und Frauen die Untergebenen sind, welche jedoch heute nicht mehr zeitgemäß sind und dringend einer Korrektur bedürfen, und Sexismus oft unbewusst durch Frauen und Männer erfolgt, ist es wichtig, dass verstärkt auf diese Thematik hingewiesen wird.
Niemandem scheint aufzufallen, dass Autoren des Deutschen Ärzteblattes in der Regel männlich sind, dass in der Rubrik Varia/Personalien fast nur männliche Ärzte zu existieren scheinen. Hierzu passt, dass Deutschland, was Gleichstellungsfragen nicht nur in der Hochschulmedizin, sondern ganz allgemein betrachtet, anbelangt, zu den rückständigsten in Europa gehört, wobei permanent sowohl in offener und direkter als auch in sehr subtiler und indirekter Weise Grundgesetz, Hochschulgesetze und Gleichstellungsgesetze verletzt werden. Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache: Im Wintersemester 1998/99 betrug der Frauenanteil bei Erstsemestlern des Faches Humanmedizin 55 %, unter allen Medizinstudenten 50 %. Im Jahre 1997 waren 44 % der Staatsexamenskandidaten und 43 % der Promovenden weiblich. Im Jahre 1998 waren 46 % der Ärzte im Praktikum und 36,4 % aller Ärzte in diesem Lande weiblich, in krassem Gegensatz hierzu betrug jedoch der Anteil der Habilitantinnen nur 12,5 % und der Anteil weiblicher Professoren nur 6,11 %, bei den Professoren in klinisch-praktischen Fächern gar nur 4,1 %. Unter Ärzten mit Gebietsbezeichnung waren im Jahre 1998 in der Kinderheilkunde 50 %, in der Dermatologie 45 %, in der Gynäkologie 38 %, in der Urologie 7 % und in der Unfallchirurgie 3,7 % weiblich, um nur einige zu nennen. Gibt es einen einleuchtenden Grund, warum in einem modernen, aufgeklärten, demokratischen Staat in einem Fachgebiet, in dem 38 % aller Ärzte weiblich sind, nicht der gleiche Prozentsatz aller Professoren- und Chefarztpositionen mit Frauen besetzt sein sollte? Priv.-Doz. Dr. Dr. M. Zuber, Bliesberger Straße 17, 66424 Homburg
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