ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2021Moderates bis schweres Asthma bronchiale: Negative Ergebnisse für die beiden Biologika Itepekimab und Risankizumab

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Moderates bis schweres Asthma bronchiale: Negative Ergebnisse für die beiden Biologika Itepekimab und Risankizumab

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Damian Gretka/stock.adobe.com
Foto: Damian Gretka/stock.adobe.com

Monoklonale Antikörper gegen IgE, Interleukin-(IL-)4 und IL-13 haben sich bei der Behandlung des moderaten bis schweren Asthma bronchiale inzwischen etabliert. Es besteht jedoch weiterhin Bedarf für Innovationen. Mit Itepekimab und Risankizumab sind aktuell ein Anti-IL-33- und ein Anti-IL-23-Antikörper zur Asthmatherapie in klinischer Entwicklung. Zu beiden Substanzen sind jetzt Daten aus Phase-2-Studien veröffentlicht (1, 2).

Die Wirksamkeit und Sicherheit des Anti-IL-33-Antikörpers Itepekimab wurde in einer Studie bei 296 Patienten mit moderatem bis schwerem Asthma unter einer Therapie mit einem inhalativen Glukokortikoid (ICS) plus einem langwirksamen Beta-Agonisten (LABA) geprüft (1). Die Patienten erhielten zusätzlich 12 Wochen entweder Itepekimab (s.c. 300 mg) oder Itepekimab plus Dupilumab (beide 300 mg) oder nur Dupilumab (300 mg) jeweils alle 2 Wochen oder Placebo. Nach 4 Wochen wurde der LABA abgesetzt, nach 6–9 Wochen ebenso das ICS. Primärer Endpunkt der Studie war der Verlust der Asthmakontrolle. Diesen Endpunkt erreichten nach 12 Wochen 22 % der Patienten unter Itepekimab, 27 % unter der Kombinationstherapie, 19 % unter Dupilumab alleine und 41 % unter Placebo. Die Odds Ratios im Vergleich zu Placebo betrugen 0,42 ([95-%- Konfidenzintervall] [0,20; 0,88]; p = 0,02) unter Itepekimab, 0,52 ([0,26; 1,06]; p = 0,07) unter der Kombinationstherapie und 0,33 ([0,15; 0,70]) unter Dupilumab. Verglichen mit Placebo verbesserte sich das FEV1 in beiden Monotherapiegruppen, nicht jedoch unter der Kombination. Itepekimab besserte hingegen die Asthmakontrolle sowie die Lebensqualität im Vergleich zu Placebo und führte zu einer stärkeren Reduktion der Eosinophilen im Blut. Die Inzidenz von Nebenwirkungen war in allen Studiengruppen vergleichbar.

Der Anti-IL-23-Antikörper Risankizumab wurde in einer Studie bei 214 Patienten mit schwerem Asthma geprüft (2). 105 Patienten erhielten den Antikörper (90 mg s.c. alle 4 Wochen) und 109 Placebo. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Verschlechterung des Asthmas. Diese Zeitspanne war bei Risankizumab kürzer als bei Placebo (median 40 vs. 86 Tage; Hazard Ratio: 1,46 [1,05; 2,04]; p = 0,03), sodass nicht von Therapievorteilen beim schweren Asthma auszugehen ist.

Fazit: „Die Studien verdeutlichen die stetige Weiterentwicklung der modernen Asthmatherapie auf dem Boden der pathophysiologischen Erkenntnisse mit der Etablierung einer zielgerichteten und effizienten Therapie mit Biologika wie Anti-IL5-, Anti-IL-4/-13- und Anti-IgE-Substanzen“, erklärt Prof. Dr. med. Michael Pfeifer, Klinik Donaustauf, Universitätsklinikum Regensburg, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg. „Die beiden aktuellen, methodisch guten Studien zeigen aber auch, dass die klinische Translation Erfolg versprechender Erkenntnisse aus dem Labor scheitern kann.“ Die Studie zu Itepekimab habe weder in Kombination noch im direkten Vergleich zu Dupilumab einen Vorteil in relevanten Endpunkten gefunden. In der zweiten Untersuchung habe die Inhibition des IL-23-Pathways durch Risankizumab sogar zu einem negativen Ergebnis geführt. Pfeifer: „Eine klinische Relevanz ergibt sich daher aktuell für keine der beiden Substanzen.“ Christine Vetter

  1. Wechsler ME, Ruddy MK, Pavord JD, et al.: Efficacy and safety of itepekimab in patients with moderate-to-severe asthma. N Engl J Med 2021; 385: 1656–68.
  2. Brightling CE, Mair P, Cousins DJ, et al.: Risankizumab in severe Asthma – a phase 2a, placebo-controlled trial. N Engl J Med 2021; 385: 1669–79.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Themen:

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote