ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2021Karl Lauterbach: Ohne Leistungskürzungen

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Karl Lauterbach: Ohne Leistungskürzungen

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Chefredakteur
Michael Schmedt, Chefredakteur

Nun also doch! In den vergangenen Wochen war er noch der „Gesundheitsminister der Herzen“, nun ist es Karl Lauterbach (SPD) auch im richtigen Leben (Seite 2371). Das Amt, das bei Koalitionsverhandlungen immer nur mit spitzen Fingern angefasst wird, ist im zweiten Pandemiejahr jedoch das wichtigste Ministerium in Deutschland.

Auffällig war in den Tagen vor der Bekanntgabe der SPD-Ministerien, wie sehr die Politik quer durch alle Parteien – mit Ausnahme der AfD – Lauterbach als Idealbesetzung lobten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) konnte kaum anders entscheiden, er hätte sich gegen Bevölkerungsumfragen und Regierungspartner gestellt. Manch großes Lob vom politischen Gegner mag auch kalkuliert gewesen sein. Denn wer so hochgelobt wird, kann auch tief fallen. Die Opposition kann so die Fallhöhe mitbestimmen.

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Grundsätzlich war es wohl der Pandemie geschuldet, dass sich das Auswahlverfahren des künftigen Bundesgesundheitsministers mehr an der fachlichen Kompetenz orientierte als an politischer Leistung oder Proporzgedanken. Lauterbach erfuhr erst am Tag vor der Kabinettsvorstellung der SPD, dass er künftig die Geschicke des deutschen Gesundheitswesens bestimmen soll. So stand er bei seiner Vorstellung eher ungelenk auf der Bühne im Willy-Brandt-Haus, die Hände in den Hosentaschen. Man gewann den Eindruck, dass ihm mit den einleitenden Worten von Olaf Scholz, dass sich Lauterbach als Gesundheitsminister „bestimmt die meisten Bürger dieses Landes gewünscht haben“, erst richtig bewusst wurde, was auf ihn zukommt.

Das heißt, er muss künftig abgeben, wird nicht mehr der „SPD-Bundestagsabgeordnete, der noch selbst tweetet“ sein können. Die Zuspitzung von Themen, die er auf diesem Weg so gerne macht, kann er sich als Minister nicht mehr leisten. Ob die Talkshowbesuche weniger werden? Man weiß es nicht. Aber Lauterbach wird dort nicht mehr nur für sich sprechen. Jedes Wort wird künftig auf die Goldwaage gelegt.

Er muss von heute auf morgen vom gesundheitspolitischen Sprachrohr auf allen Kanälen zum Krisenmanager werden und ein Haus mit mehr als 1 000 Mitarbeitern führen. Dabei wird er sich von seinem Amtsvorgänger unterscheiden, denn er will aus wissenschaftlicher Sicht Gesundheitspolitik machen. Diese müsse in der evidenzbasierten Medizin verankert sein, betonte der neue Minister bei der Amtsübergabe im BMG. Ob man so im Haifischbecken der Gesundheitspolitik überleben kann, wird spannend. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass man zwar nicht ohne die Wissenschaft kann, aber die politisch Verantwortlichen oftmals anders agieren (müssen). Die finanzielle Lage der Krankenkassen, die Folgen der demografischen Entwicklung und der Fachkräftemangel werden sich nicht nur mit der reinen Wissenschaft lösen lassen. Hier sind Managementqualitäten gefragt und eine gute Zusammenarbeit mit denjenigen, die das Gesundheitswesen tragen, den Gesundheitsberufen.

Daher ist Lauterbachs erstes gesundheitspolitisches Versprechen sehr mutig: „Wir werden das Gesundheitssystem stärken. Es wird keine Leistungskürzungen im Gesundheitswesen geben“, kündigte er an. Mit so einer apodiktischen Aussage hat sich schon die Vorgängerregierung bei der Impfpflicht verhoben. So beginnt nach der Pandemie für Lauterbach das eigentliche große Projekt: das Gesundheitswesen zukunftssicher zu machen. Seiner Meinung nach ohne Leistungskürzungen. Daran wird er gemessen werden.

Michael Schmedt
Chefredakteur

Kommentare

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Avatar #654929
*1044#002051042682000#2712*
am Donnerstag, 23. Dezember 2021, 12:04

Dr. "i. A. g. " Lauterbach

Während ein "in Amerika gewesener" Doktor hierzulande gerne als Chefarzt aufgenommen wurde, hat es Kollege Lauterbach nun tatsächlich sogar auf einen "Gesundheits"-Ministerposten geschafft.

Leider hat es aber zeitlich wohl nicht für eine ordentliche Facharztausbildung (Kammerrecht/BÄK) gereicht, um auch bei unseren anstehenden "Krankheits" -Problemen als entsprechend qualifiziert zu gelten...

MedDir a. D. Dr. Müsch

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