ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2022Flutkatastrophe: Nicht alles wird wie vorher sein

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Flutkatastrophe: Nicht alles wird wie vorher sein

Bühring, Petra; Haserück, André; Osterloh, Falk

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Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden Mitte Juli des vergangenen Jahres von Sturzfluten getroffen. Diese kosteten zahlreiche Menschenleben und zerstörten die Infrastruktur – inklusive Gesundheitsversorgung. Vieles wurde schon getan, einiges ist noch zu tun.

30 Milliarden Euro Fluthilfe stellen Bund und Länder für den langfristigen Aufbau in den Hochwassergebieten bereit – dies verdeutlicht die Dimensionen der Schäden. Foto: picture alliance/SZ/Photo Rainer Unkel
30 Milliarden Euro Fluthilfe stellen Bund und Länder für den langfristigen Aufbau in den Hochwassergebieten bereit – dies verdeutlicht die Dimensionen der Schäden. Foto: picture alliance/SZ/Photo Rainer Unkel

Die Sturzfluten nach extremen Starkregen am 14. und 15. Juli 2021 haben alleine im Ahrtal 134 Menschen das Leben gekostet und Tausende von Häusern beschädigt oder zerstört – insgesamt starben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 180 Menschen. Immer noch leben viele Anwohner bei Verwandten, Freunden oder in Ferienwohnungen und Notunterkünften. Und auch die Gesundheitsversorgung ist noch immer von den Auswirkungen betroffen.

Vieles an Wiederaufbauarbeiten wurde mit regionaler und überregionaler Unterstützung bereits angegangen – angesichts des Ausmaßes der Schäden wird der Prozess aber Zeit brauchen. Das, ganz abgesehen vom seelischen Leid, ohnehin nicht alles wieder wie vorher sein kann, zeigt das Beispiel des von der Hochwasserkatastrophe schwer getroffenen Standortes Ehrang des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen (KMT). Seit am 15. Juli 2021 die gesamte in der Stadt Trier gelegene Klinik kurzfristig evakuiert und Patienten sowie Personal umgehend verlegt wurden, steht Ehrang leer und ist nicht mehr betreibbar. Nach gründlicher Abwägung aller Szenarien wurde jüngst entschieden, die Klinik nicht mehr wiederzueröffnen. „Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, zumal Ehrang eine wichtige Säule innerhalb unseres Klinikverbundes darstellte und wir den Standort weiter ausbauen wollten. Aber letztlich hat die verheerende Jahrhundertflut, die für uns alle völlig unerwartet kam, unsere Pläne für Ehrang komplett zunichtegemacht“, sagte dazu Dr. med. Christian Sprenger, Medizinischer Geschäftsführer des KMT. Ein Wiederaufbau würde mit voraussichtlich mindestens drei bis fünf Jahren zu lange dauern und deutlich über 30 Millionen Euro kosten. Im besonders betroffenem Ahrtal wurden vier Krankenhäuser schwer in Mitleidenschaft gezogen – diese sollen aber instand gesetzt werden. Geschätzte Kosten: rund 100 Millionen Euro.

„In den ersten Wochen nach der Flutkatastrophe haben uns alle Krankenhäuser in der Umgebung unterstützt und geholfen und dafür sind wir jetzt noch sehr dankbar.“ Uwe Janssens. Foto: picture alliance, Kay Nietfeld
„In den ersten Wochen nach der Flutkatastrophe haben uns alle Krankenhäuser in der Umgebung unterstützt und geholfen und dafür sind wir jetzt noch sehr dankbar.“ Uwe Janssens. Foto: picture alliance, Kay Nietfeld

Aus Nordrhein-Westfalen konnte Prof. Dr. med. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) über Fortschritte beim Wiederaufbau des Hospitals berichten. Die Trocknung der einzelnen Gebäude schreite zwar unterschiedlich schnell voran und der gesamte Instandhaltungsprozess in den Bestandsgebäuden werde sicherlich zwei Jahre in Anspruch nehmen, aber Anfang Oktober habe das Krankenhaus wieder mit allen Fachabteilungen in Betrieb genommen werden können. „Das ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsleistung aller Mitarbeitenden unseres Krankenhauses, die über Wochen in den stark betroffenen Bereichen Aufräumarbeiten geleistet haben“, sagte Janssens. „Diese Wochen nach der Flutkatastrophe haben uns als Team zusammengeschweißt.“

Zusammenhalt macht Mut

Dies mache Mut – auch für die jetzt anstehenden Wochen der Ungewissheit mit der Entwicklung der Omikron-Variante und den Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Nach wie vor seien einige Praxisbetriebe im ambulanten Bereich noch eingeschränkt beziehungsweise stark eingeschränkt. Vor allem der vertragsärztliche Bereich werde wieder stark von der Pandemie und den notwendigen Impfungen in Anspruch genommen, sodass für viele andere Dinge kaum Zeit bleibe.

In der Tat wurden die Strukturen der ambulanten vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung hart von den anflutenden Wassermassen getroffen. Im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein waren infolge des Hochwassers rund 150 Arztpraxen gar nicht oder nur bedingt einsatzfähig.

Die Betroffenen verfügten zwischenzeitlich weder über fließendes Wasser noch über elektrischen Strom. Am schwersten von den Schäden der Flut gezeichnet war die Region Aachen – hier insbesondere Stolberg und Eschweiler. Aber auch die Kreise Euskirchen, Rhein-Sieg, Rhein-Berg und Oberberg hatten stark unter den Wassermassen leiden müssen. Laut KV ist der Praxisbetrieb vielerorts weiter nur eingeschränkt möglich, da noch immer nicht alle Schäden in den betroffenen Regionen behoben werden konnten. Nach aktuellem Stand sind 24 Praxen in ihrem operativen Betrieb noch immer stark beeinträchtigt – insgesamt 32 Praxen sind derzeit von einem Ausweichstandort aus tätig.

Der KV Rheinland-Pfalz (KV RLP) zufolge sind in dem Bundesland 35 Praxen von der Flut ganz zerstört oder so stark beschädigt worden, dass sie komplett funktionsunfähig waren. Allein 27 davon befinden sich im Kreis Ahrweiler. Weitere 14 Praxen waren und sind laut KV derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie den Betrieb bis auf Weiteres nur sehr eingeschränkt leisten können.

Viele der betroffenen Vertragsärzte haben nach der Flutkatastrophe weitergearbeitet, obwohl ihre Praxisräume zerstört waren, berichtet Ines Engelmohr, Pressesprecherin der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Einige betroffene Ärztinnen und Ärzte hätten provisorische Praxisräume in ihrem Privathaus und zum Beispiel auch in ihrer Garage oder im Dachstuhl eingerichtet. Andere hätten in eigens aufgestellten Containern Sprechstunden gehalten. „Die betroffenen Ärztinnen und Ärzte haben viel Hilfe von anderen Ärzten erhalten“, betonte die Ärztekammersprecherin. Und auch die Landesregierung unterstütze den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen.

Zudem haben sowohl die KV Rheinland-Pfalz als auch die KV Nordrhein schnell diverse Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. Um die benötigte ärztliche und psychotherapeutische Versorgung in den besonders betroffenen Gebieten möglichst umfassend zu gewährleisten, wurde auf flexible Ansätze gesetzt. Dabei habe man in einem ersten Schritt vor allem bürokratische Hürden abgebaut, so Dr. med. Peter Heinz, Vorstandsvorsitzender der KV RLP. Dies setzten beide KVen etwa für die Abschlagszahlungen an die Praxen sowie die Fragen von zusätzlichen Arzneimittelverordnungen und Sprechstundenbedarfen um. Auch die Vermittlung von Informationen zu möglichen Ausweichräumlichkeiten oder dem Bezug von Praxisequipment spielte eine große Rolle. Ermöglicht wurden zudem verlängerte Sprechstundenzeiten in Bereitschaftspraxen sowie mobile Arztpraxen.

Mit den schnell eingeleiteten Maßnahmen konnte die Gesundheitsversorgung trotz der immensen Infrastrukturschäden aufrechterhalten werden. Die wohnortnahe Versorgung in Haus- und Facharztpraxen war allerdings für viele Einwohner in den betroffen Regionen teilweise über Wochen nicht wie gewohnt erreichbar – und ist es zum Teil auch heute noch nicht.

Große kollegiale Solidarität

In dieser Ausnahmesituation richteten die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Rheinland-Pfalz Spendenkonten ein. Bei der KV Nordrhein kam so ein Betrag von mehr als 840 000 Euro zusammen, die KV RLP konnte mehr als 550 000 Euro verbuchen. „Das ist nicht nur eine stattliche Summe, sondern auch ein überwältigendes Zeichen kollegialer Solidarität“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann. Das Leid, das die Flut bei vielen Menschen verursacht hat, lasse sich zwar nicht ungeschehen machen – doch könnten die gesammelten Spenden zumindest einen Beitrag leisten, die oft existenzbedrohende Lage, in die viele Kolleginnen und Kollegen infolge des Hochwassers geraten sind, ein wenig abzumildern, betonte Bergmann. Insgesamt wurden im Rahmen der Spendenzuteilungen der KV Nordrhein 28 Auszahlungsbescheide an von der Flut geschädigte Praxen vergeben. Die KV RLP hat die 35 zerstörten Praxen mit einer Soforthilfe von jeweils 10 000 Euro unterstützt. KV-Mitglieder, deren Praxen teilweise zerstört sind, erhielten Spenden in Höhe von jeweils 5 000 Euro.

Trotz aller Solidarität, Hilfe und Wiederaufbaumaßnahmen bleibe aber noch ein weiter Weg bis zur Normalität in der Region, betonte Landesärztekammersprecherin Engelmohr. Die Menschen im Ahrtal seien schwer traumatisiert – auch die Ärztinnen und Ärzte: „Zwei Ärzte sind mir bekannt, die sich kurz nach der Flut aus Verzweiflung das Leben genommen haben.“

Dank des großen Zusammenhaltes konnten schnell provisorische Versorgungsangebote bereitgestellt werden. Fotos: picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd; picture alliance/dpa/Boris Roessler
Dank des großen Zusammenhaltes konnten schnell provisorische Versorgungsangebote bereitgestellt werden. Fotos: picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd; picture alliance/dpa/Boris Roessler

Psychotraumatologische Hilfe

Viele Menschen, die von der Flutkatastrophe betroffen sind, können unter anhaltenden Belastungssymptomen wie Schlafstörungen, Nervosität, Ängste und Depression leiden. Das größte Risiko ist die Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), wie sie nach aktuellem Kenntnisstand bei etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen zu beobachten ist, die eine Naturkatastrophe erlebt haben. Diese Menschen brauchen Hilfe, doch die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sind lang.

Mit diesem Wissen haben die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (KJP) Daniela Lempertz und die Psychotherapeutinnen Claudia Faust und Susanne Leutner unmittelbar nach der Katastrophe das Netzwerk „Soforthilfe Psyche“ (www.sofortaktiv.de) gegründet. Beide sind psychotraumatologisch fortgebildet. „Am Anfang sind wir in die betroffenen Ortschaften gefahren, haben mit der psychosozialen Notfallversorgung zusammengearbeitet und unsere Hilfe angeboten“, erzählt Lempertz dem . Die in Rheinland-Pfalz niedergelassene KJP fuhr in die Dörfer im Ahrtal; die in NRW niedergelassene Faust in die betroffenen Orte im Rheinland, wo der Bedarf aber nicht so groß gewesen sei wie im Ahrtal. Leutner aktivierte ihre Verteiler aus Weiterbildung und Berufspolitik. „Es haben sich noch am selben Tag über 200 Kollegen mit psychotraumatologischer Expertise gemeldet, die für die Flutopfer Akutinterventionsmöglichkeiten und Therapieplätze ‚gespendet‘ haben“, berichtet Leutner. Inzwischen bieten 550 Psychotherapeuten bundesweit in dem Netz ihre Hilfe an. Je nach Entfernung und Möglichkeiten der Betroffenen finden die Therapien in persönlichem Kontakt oder über Telefon und Videokonferenz statt.

„Wir haben zum Teil auf Parkbänken gesessen und mit verzweifelten Menschen gesprochen“, sagt Lempertz. In den betroffenen Orten bieten sie und andere psychotraumatologisch qualifizierte Psychotherapeuten seitdem Sprechstunden für Hilfesuchende an und vermitteln in die Regelversorgung oder an Beratungsstellen. Am Anfang ehrenamtlich, doch die KV Rheinland-Pfalz sei laut Lempertz „unglaublich entgegenkommend“ gewesen und habe sofort eine befristete „Genehmigung weiterer Praxisstandorte“ für Niedergelassene ermöglicht, um die Leistungen abrechnen zu können. Approbierte ohne Kassensitz würden für Sprechstundentätigkeiten aus Spendengeldern unterstützt.

Informationsvermittlung

Darüber hinaus bieten die Psychotherapeuten des Netzwerks Soforthilfe seit der Flutkatastrophe Infogruppen zur Orientierung bei Stress und Trauma für Betroffene und Fachkräfte aus Institutionen an. Dabei wird vor allem Wissen über Traumata und Traumafolgen vermittelt sowie über Stressreduktion und Ressourcenaktivierung aufgeklärt. „Die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz bot uns im Sommer sofort Hilfe an und stellte Kontakt zum Gesundheitsministerium her“, berichtet Lempertz. Mit Geldern des Ministeriums können die Gruppen noch bis zum nächsten Sommer angeboten werden. Betroffene, die mehr Hilfe benötigen, gehen von dort in die Therapieplatzvermittlung über. Auch in NRW ist die Soforthilfe in Kontakt mit der KV und der Landespsychotherapeutenkammer. Die Angebote der Infogruppen werden hier über Spendengelder finanziert.

Die drei engagierten Psychotherapeutinnen wollen, dass ihr erfolgreiches Projekt in die Regelversorgung übergeht. „Ideal wäre, wenn die Terminservicestellen der KVen die Vermittlung von Therapieplätzen in Katastrophenfällen übernehmen würden“, sagt Leutner. „Doch es gibt ein großes Hindernis.“ Weil die Psychotraumatologie keine gemäß der Weiterbildungsordnung der Kammern anerkannte Weiterbildung ist, wollten die KVen die qualifizierten Therapeuten nicht separat listen. „Es muss Ausnahmen in Katastrophenfällen geben, damit Betroffene an psychotraumatologisch ausgebildete Fachkräfte vermittelt werden können“, fordert die Expertin.

Die Normalität kehrt nur langsam und stückweise zurück in die betroffenen Regionen. Fotos: picture alliance/dpa/Boris Roessler; picture alliance/dpa/Thomas Frey
Die Normalität kehrt nur langsam und stückweise zurück in die betroffenen Regionen. Fotos: picture alliance/dpa/Boris Roessler; picture alliance/dpa/Thomas Frey

Traumahilfezentrum im Ahrtal

Seit Anfang Dezember bietet ein neues Traumahilfezentrum (THZ) im Ahrtal Betroffenen der Flutkatastrophe niedrigschwellig psychologische Hilfe an. Ein Team aus Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Pflegekräften sowie Soziotherapeuten steht in offenen Sprechstunden in dem Zentrum in Grafschaft-Lantershofen (www.thz-ahrtal.de) bereit. „Der Bedarf ist riesig. Seit dem Freischalten der Nummer Anfang Dezember steht das Telefon nicht still“, berichtet Dr. med. Katharina Scharping, die Leiterin des THZ gegenüber dem . „Es kommen Menschen mit PTBS, mit Anpassungsstörungen, Suizidalität oder Suchterkrankungen – Kinder, Erwachsene und ganze Familien“, sagt Scharping, die auch Chefärztin an der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik in Ahrweiler ist, die in der Flutkatastrophe zerstört wurde. Das THZ ist eine Kooperation dieser psychiatrischen Fachklinik und der DRK-Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Land Rheinland-Pfalz fördert das Projekt für fünf Jahre.

„Schätzungen zufolge werden zwischen 4 000 und 15 000 Menschen allein in der Ahrregion Hilfe benötigen, dafür reicht das Angebot an Psychotherapeuten, Psychiatern und Institutsambulanzen nicht aus.“ Katharina Scharping. Foto. privat
„Schätzungen zufolge werden zwischen 4 000 und 15 000 Menschen allein in der Ahrregion Hilfe benötigen, dafür reicht das Angebot an Psychotherapeuten, Psychiatern und Institutsambulanzen nicht aus.“ Katharina Scharping. Foto. privat

„Wir können nur präventiv tätig werden, weil das Land nicht die Aufgaben der Krankenkassen übernehmen kann. Das heißt, wir bieten bis zu fünf Beratungen pro Person oder Gruppe an. Wenn weiterer Bedarf besteht, vermitteln wir ins Regelsystem“, erklärt Scharping. Und der Bedarf ist da: Seit Anfang Dezember haben viele Einzelberatungen und Gruppen stattgefunden. „Fast alle brauchen dringend psychotherapeutische und zum Teil auch psychiatrische und medikamentöse Behandlung – und keiner hat es bislang geschafft, irgendwo einen Termin zu bekommen“, betont die Psychiaterin.

Scharping geht davon aus, dass der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung noch steigen wird. Die KV habe einige Sonderzulassungen für Psychotherapeuten ermöglicht. Einige böten auch zusätzliche Therapiestunden an, wie beispielsweise die im Netz Soforthilfe Psyche organisierten Therapeuten, mit dem das THZ in gutem Kontakt sei. Viele Menschen seien aber durch die Umstände nicht flexibel, hätten kein Auto, der Öffentliche Nahverkehr funktioniere noch nicht wie vorher, bei manchen ebenso wenig Telefon oder Internet, um Videotherapien durchführen zu können. Problematisch findet die Ärztin, dass durch die große Bereitschaft von Psychotherapeuten und Psychiatern, Flutopfer zu behandeln, schwer psychisch kranke Menschen, etwa mit psychotischen Störungen oder Borderliner, noch schwieriger Termine bekommen.

Großer Zusammenhalt

Eines verbindet die vom Hochwasser im Juli betroffenen Menschen: Es ist noch viel zu tun – und so wie vor der Flutkatastrophe wird es nie wieder sein. Die große Solidarität und der Zusammenhalt im Ahrtal und den anderen von der Naturkatastrophe betroffenen Gebieten stellt aber gerade in diesen Zeiten ein positives Gegenbeispiel zur wachsenden Spaltung der Gesellschaft beim Thema Corona dar. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte dazu kürzlich: „Im Ahrtal können wir sehen, wie solidarisch Menschen sind, völlig selbstlos, und es ist ein ganz, ganz schöner Beweis dafür, dass unsere Gesellschaft zusammenhält.“

Petra Bühring, André Haserück, Falk Osterloh

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