ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Onkologie 1/2022SARS-CoV-2-Vakzine (3): Im Interview – „Mehrere Impfversuche bei initialen Non-Respondern“

SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie

SARS-CoV-2-Vakzine (3): Im Interview – „Mehrere Impfversuche bei initialen Non-Respondern“

Dtsch Arztebl 2022; 119(1-2): [9]; DOI: 10.3238/PersASH.2022.01.10.03

Siegmund-Schultze, Nicola

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Interview über erste Erfahrungen zum Ansprechen der COVID-19-Impfung bei Tumorpatienten sowie möglicher Interaktionen mit der Krebstherapie. Empfehlungen für den Praxisalltag.

Krebspatienten, die aufgrund einer Immunsuppression das höchste Risiko durch eine SARS-CoV-2-Infektion haben, sprechen zugleich am schlechtesten auf Coronavirusimpfstoffe an. Wie sollte man in der Praxis vorgehen?

Prof. Dr. med. Oliver A. Cornely Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Internistische Onkologie und Infektiologie, Universitäts klinik Köln. Foto: Medizin Foto Köln
Prof. Dr. med. Oliver A. Cornely Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Internistische Onkologie und Infektiologie, Universitäts klinik Köln. Foto: Medizin Foto Köln

Oliver Cornely: Grundsätzlich – trotzdem impfen. Immunsuppression ist ja nicht klar definiert. Ein Teil spricht auf die COVID-19-Impfung an und wir dürfen nicht denjenigen eine Impfung vorenthalten, die einen Immunschutz erreichen würden. In der Praxis erleben wir immer wieder, dass Patienten erst nach mehreren Vakzinierungen eine Immunantwort ausbilden. Das Risiko für gravierende unerwünschte Effekte der Impfung ist vernachlässigbar gering und der potenzielle Nutzen hoch, besonders auch bei hämatoonkologischen Erkrankungen. Also wiederholt Impfversuche machen.

Eignen sich alle zugelassenen SARS-CoV-2-Impfstoffe für Krebspatienten?

Cornely: mRNA-Impfstoffe sind die richtige Wahl für die Grundimmunisierung von Tumorpatienten. Es ist sinnvoll, bei dieser Patientengruppe 2–4 Wochen nach jeder Impfung auf SARS-CoV-2-spezifische Antikörper zu testen, es geht um qualitative Aussagen. Denn derzeit gibt es keine klare Referenz für Antikörpertiter, die als protektiv gelten. Sind spezifische Antikörper nachweisbar, sollte im Zeitrahmen, den die Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden empfehlen, nachgeimpft werden; also nach 4–6 Wochen die 2. Dosis und 3–6 Monate später die Auffrischung. Für diese Patientengruppe ist ein Monitoring der Immunantwort zu empfehlen. Bei Durchbruchinfektionen würde man ebenfalls auf Basis einer Antikörperbestimmung über die Frage des Boosterns entscheiden und bei sehr hohen Titern mit dem Boostern noch warten.

Wenn es nach der Grundimmunisierung aber keine Serokonversion gibt?

Cornely: Dann sollte ein weiterer Versuch folgen, der Impferfolg wird graduell immer wahrscheinlicher. Wir haben im Rahmen eines europäischen Registers zu COVID-19 bei Malignompatienten gerade eine Möglichkeit geschaffen, die Ergebnisse auch mehrerer Impfversuche bei Tumorpatienten zu dokumentieren. Denn es hat sich herausgestellt, dass nicht nur Hämatologen und Onkologen in Deutschland so vorgehen, sondern auch Kollegen in vielen anderen europäischen Ländern. Das ist mit den geltenden Bestimmungen vereinbar.

Ist es bei Impfversagen sinnvoll, das Impfschema zu wechseln und gibt es andererseits Tumorpatienten, bei denen man mit einer Impfung zurückhaltend sein sollte?

Cornely: Wenn sich nach mehreren Versuchen mit einem mRNA-Impfstoff keine humorale Immunantwort nachweisen lässt, kann man es mit einem vektorbasierten Impfstoff versuchen, also mit einem heterologen Schema. Grundsätzlich gibt es nur wenige Kontraindikationen für eine SARS-CoV-2-Impfung bei Tumorpatienten. Ein erhöhtes Risiko für anaphylaktische Reaktionen gehört natürlich dazu. Solche Patienten haben wir auch und dann empfiehlt sich eine Abwägung im interdisziplinären Team. Ein Strategiewechsel zu einer Präexpositionsprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern ist bei ausbleibender Impfantwort ebenfalls ein Weg, um Phasen hoher Inzidenzen zu überbrücken.

DOI: 10.3238/PersASH.2022.01.10.03

Das Interview führte Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

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