ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Onkologie 1/2022SARS-CoV-2-Vakzine (1): Hämatoonkologische Patienten sprechen schlechter an

SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie

SARS-CoV-2-Vakzine (1): Hämatoonkologische Patienten sprechen schlechter an

Dtsch Arztebl 2022; 119(1-2): [4]; DOI: 10.3238/PersASH.2022.01.10.01

Siegmund-Schultze, Nicola

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Jeder 7. Patient weist nach der COVID-19-Impfung keine ausreichende Immunantwort auf. Die Studienautoren erachten daher bei den meisten Patienten mit hämatologischen Malignomen ein Monitoring der humoralen Immunantwort für sinnvoll.

SARS-CoV-2- Viruspartikel (gold) in Endosomen einer stark infizierten nasalen Riechepithelzelle. Foto: NIAID
SARS-CoV-2- Viruspartikel (gold) in Endosomen einer stark infizierten nasalen Riechepithelzelle. Foto: NIAID

Tumorpatienten – vor allem solche mit hämatoonkologischen Erkrankungen – haben ein deutlich erhöhtes Risiko durch COVID-19, sodass schon früh in der SARS-CoV-2-Pandemie empfohlen wurde, diese Bevölkerungsgruppe prioritär zu impfen. Noch allerdings gibt es keine umfassenden Erkenntnisse dazu, wie Patienten aus verschiedenen Tumorentitäten auf die SARS-CoV-2-Vakzine ansprechen und welche Zusammenhänge es zu spezifischen Tumortherapien gibt. Dies war Fragestellung einer prospektiven Beobachtungsstudie (1) an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Interimsdaten sind bei der 63. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorstellt worden.

373 Patienten mit einem medianen Alter von 64 Jahren (20–92) wurden gegen COVID-19 geimpft. 77 % erhielten die BioNTech/Pfizer-Vakzine BNT162b2, 10 % den Impfstoff mRNA-1273 von Moderna, 7 % die vektorbasierte Vakzine von AstraZeneca (ChADOx1) und 6 % zunächst ChADOx1 und anschließend BNT162b2. Die Immunantwort auf die rezeptorbindende Domäne des SARS-CoV-2-Spikeproteins wurde mindestens 2 Wochen nach der 2. Impfung qualitativ und quantitativ über einen Pan-Immunglobulintest bestimmt, einschließlich der IgG-Antwort. Testprinzip war die Elektrochemilumineszenz. Die nachweisbaren Antikörperkonzentrationen lagen zwischen 0,4 und 250 U/ml, wobei eine Konzentration von ≥ 0,8 U/ml als positives Ergebnis gewertet wurde.

101 Patienten hatten eine chronische myeloische Leukämie (CML), 76 eine myeloproliferative Erkrankung (MPN), 60 ein indolentes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), 31 ein multiples Myelom (MM), 21 ein myelodysplastisches Syndrom (MDS), 20 akute Leukämien, 18 ein aggressives NHL und 9 ein Hodgkin-Lymphom. Die übrigen Teilnehmer hatten andere Erkrankungen. 15 % der Gesamtgruppe (56/373) erreichten keine Serokonversion, bei 85 % (317/373) wurde nach 2 Impfungen eine SARS-spezifische humorale Immunantwort detektiert mit einer durchschnittlichen Antikörperkonzentration von 197 U/ml.

Unter den hämatoonkologischen Patienten sprachen am häufigsten die CML-Patienten an, nämlich zu 99 %. Zu den schlechtesten Respondern gehörten Patienten mit aggressiven NHL (Response-Rate [RR]: 55 %) und mit indolenten NHL (RR: 58 %), wie Jill Rotterdam berichtete. Patienten mit MDS hatten zu 76 % spezifische Antikörper nach der 2. Impfung gebildet, Patienten mit MM zu 87 %, mit MPN zu 92 % und mit akuten Leukämien zu 95 %.

Bei Tyrosinkinaseinhibitoren ist Seronegativität häufiger

Zur Frage eines Zusammenhangs zwischen Art und Zeitabstand von Malignomtherapien und Impfung ergab die Studie, dass MPN-Patienten unter Ruxolitinib deutlich seltener auf die SARS-Vakzinierung ansprachen, 5 von 6 blieben seronegativ. Bei indolenten NHL gab es diese Assoziation bei der Kombination Ibrutinib/Acalabrutinib: 7 von 8 Patienten bildeten keine relevanten Mengen virusspezifischer Antikörper aus, ebenso bei einer Rituximabbehandlung: 5 von 8 Patienten blieben seronegativ. Bei unbehandelten indolenten NHL dagegen sprachen 24 dieser 32 Patienten (75 %) auf die Impfung an. Auch bei aggressiven NHL zeigte sich eine Korrelation zwischen Seronegativität und aktiver Behandlung.

„Bestimmte Tumorentitäten beziehungsweise bestimmte Therapien wie die Behandlung mit Rituximab, Ruxolitinib und Ibrutinib/Acalabrutinib gehen mit geringeren Ansprechraten auf die SARS-CoV-2-Impfung einher, diese Patienten erreichen also möglicherweise nur einen unzureichenden Immunschutz durch die Impfung“, fasste Susanne Sausele, Medizinische Fakultät Mannheim, die Daten zusammen. „Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass bei den meisten Patienten mit hämatologischen Malignomen ein Monitoring der humoralen Immunantwort sinnvoll ist, nicht nur bei jenen unter aktiver Therapie. Eine weitere Strategie wäre, wenn möglich, den Beginn einer Tumortherapie zu verzögern, bis eine Impfung erfolgt ist.“

DOI: 10.3238/PersASH.2022.01.10.01

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

1.
Rotterdam J, Thiaucourt M, Schwaab J, et al.: Antibody Response to Vaccination with BNT162b2, mRNA-1273 and ChADOx1 in Patients with Myeloid and Lymphoid Neoplasms.ASH Annual Meeting 2021. https://ash.confex.com/ash/2021/webprogram/Paper146832.html.
1.Rotterdam J, Thiaucourt M, Schwaab J, et al.: Antibody Response to Vaccination with BNT162b2, mRNA-1273 and ChADOx1 in Patients with Myeloid and Lymphoid Neoplasms.ASH Annual Meeting 2021. https://ash.confex.com/ash/2021/webprogram/Paper146832.html.

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