ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Onkologie 1/2022SARS-CoV-2-Vakzine (2): AML- und MDS-Patienten reagieren gut auf 2. Dosis

SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie

SARS-CoV-2-Vakzine (2): AML- und MDS-Patienten reagieren gut auf 2. Dosis

Dtsch Arztebl 2022; 119(1-2): [6]; DOI: 10.3238/PersASH.2022.01.10.02

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bei akuten myeloischen Leukämien (AML) und myelodysplastischen Syndromen (MDS) bestehen häufig Defizite bei den neutrophilen Granulozyten und Lymphozyten, die sowohl durch Zytopenien als auch durch reduzierte Funktionsfähigkeit der Leukozyten induziert werden. Patienten mit diesen hämatoonkologischen Erkrankungen sind durch COVID-19 besonders gefährdet. Bei der 63. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) sind erstmals detaillierte, serielle Daten zu den Immunantworten von Patientinnen und Patienten mit aktiver Behandlung eines MDS oder einer AML auf eine COVID-19-Impfung vorgestellt worden (1).

„Wir wissen aus anderen Untersuchungen, dass vor allem Patienten mit B-Zell-Lymphomen oder mit chronischer lymphatischer Leukämie oft nur ungenügend auf eine COVID-19-Impfung mit mRNA-Impfstoffen ansprechen“, sagte Jeffrey E. Lancet, Professor für Hämatoonkologie am H. Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute in Tampa, Florida, bei der Jahrestagung der ASH. „Die Therapien der AML oder des MDS lösen ebenfalls häufig eine Immunsuppression aus, zum Beispiel die allogene Stamzelltransplantation. Wir wollten eruieren, wie die Immunantworten dieser Patienten auf eine mRNA-Vakzine gegen SARS-CoV-2 verlaufen“, so der Seniorautor der Studie.

Ein Drittel der Patienten bei Impfung unter aktiver Tumortherapie

In den ersten Januarwochen 2021 wurden 30 Patientinnen und Patienten mit AML und 16 mit MDS in die Beobachtungsstudie aufgenommen. Das mediane Alter der insgesamt 46 Teilnehmerinnen und Teilnehmer lag bei 68 Jahren, die Malignomdiagnose lag durchschnittlich 2 Jahre zurück. Ein Drittel der Gesamtgruppe erhielt zum Zeitpunkt der 1. Impfung eine Malignomtherapie, bei den übrigen zwei Dritteln (67 %) lag diese bereits eine Zeit zurück.

70 % hatten allogene Stammzellen erhalten (4,9–75,8 Monate vor der Impfung). 87 % der Gesamtgruppe waren in Remission. Geimpft wurde ausschließlich mit der Vakzine von Moderna (mRNA-1273), die zum Zeitpunkt des Studienbeginns am behandelnden Zentrum verwendet wurde.

Serologische Proben zur Bestimmung der IgG-Titer wurden vor jeder Impfung untersucht (Tag 1 und Tag 29) sowie 4 Wochen nach der 2. Dosis (Tag 57). 69,6 % der Patienten waren an Tag 29, also nach der 1. Impfdosis, seropositiv und 95,7 % der Patienten an Tag 57, also nach der 2. Impfdosis, sagte Akriti Gupta Jain, Hämatoonkologin am Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute, Tampa, die die Daten bei der ASH-Tagung vortrug.

Antikörperantwort ist unabhängig von Vortherapien

Die durchschnittlichen Antikörpertiter lagen nach der 1. Impfung bei 315 und nach der 2. Dosis bei 3 806,5, berichtete Jain. Dieser Unterschied war hoch signifikant (p < 0,0001) und die Differenzen zwischen 1. und 2. Immunantwort waren unabhängig von potenziellen Einflussfaktoren wie Zeitpunkt und Art der Vortherapien, aber auch Alter und Geschlecht.

Es gab keine unerwarteten unerwünschten Reaktionen auf die Impfungen, im allgemeinen vorübergehender lokaler Schmerz, Schwellung am Arm, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

„Die Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl der Patientinnen und Patienten mit AML oder MDS zumindest nach der 2. Impfung eine gute humorale Immunantwort ausbildet, spricht für serielle Impfversuche, auch wenn die ersten Impfungen noch keine optimale Immunreaktion induziert haben“, so das Fazit der Forscher. „Die Effekte der COVID-19-Impfungen sollten nun in Studien mit größeren Patientenzahlen weiter untersucht werden.“

DOI: 10.3238/PersASH.2022.01.10.02

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

1.
ASH 2021. Abstract 217. https://ash.confex.com/ash/2021/webprogram/Paper151669.html.
1.ASH 2021. Abstract 217. https://ash.confex.com/ash/2021/webprogram/Paper151669.html.

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