ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2022Kardiale Nebenwirkungen von Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Mit quantitativem MRT lässt sich frühzeitig eine Herzentzündung erkennen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiale Nebenwirkungen von Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Mit quantitativem MRT lässt sich frühzeitig eine Herzentzündung erkennen

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: ag visuell/stock.adobe.com
Foto: ag visuell/stock.adobe.com

Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) können unerwünschte kardiale Effekte hervorrufen wie Myokarditis oder systolische Dysfunktion. Die Myokarditis kann zunächst subklinisch verlaufen, sich in seltenen Fällen dann aber fulminant entwickeln. Ob es auch bei asymptomatischen Patienten entzündliche Veränderungen im Herzmuskel unter ICI-Therapie gibt, war Fragestellung einer prospektiven Studie am Universitätsklinikum Bonn. 22 Krebspatienten, bei denen eine ICI-Therapie geplant war, wurden unmittelbar vor und 3 Monate nach Behandlungsbeginn untersucht.

Dafür wurde ein 1,5 Tesla Magnetresonanztomograph mit einer Torso-32-Kanäle-Spule (direkte digitale Abtastung) verwendet. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 65 Jahre und hatten median 4 ICI-Infusionen erhalten. Bei den Studienteilnehmern waren 12 Wochen nach Beginn einer ICI-Therapie vor allem MRT-spezifische Entzündungsmarker des Herzmuskels erhöht und Zeichen einer systolischen Dysfunktion vorhanden. Die durchschnittlichen myokardialen T1- und T2-Relaxationszeiten waren 3 Monate nach Therapiestart höher als bei der Basismessung (T1-Relaxationszeiten initial 972 mSek vs. 1006 mSek bei Follow-up; p < 0,001; T2-Relaxationszeiten: 54 mSek initial vs. 58 mSek bei Follow-up; p < 0,001).

Der durchschnittliche linksventrikuläre, longitudinale Strain, ein Wandmotilitätsparameter, verminderte sich ebenfalls auf -23,4 % nach 3 Monaten vs. -19,6 % vor Therapie (p < 0,005). Die Befunde werden als subklinische myokardiale Inflammation mit diffusen Ödemen gedeutet. Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion hatte sich von durchschnittlich 62 % vor ICI-Behandlung auf durchschnittlich 59 % verringert (p = 0,048).

Fazit: Mit quantitativen Herz-MRT-Techniken lassen sich kardiale Frühfolgen von ICI-Therapien erkennen und abschätzen, bei welchen Patienten ein engmaschigeres Monitoring und eine Therapieanpassung erforderlich sind, um fulminante Verläufe zu verhindern. Die klinischen Implikationen der Untersuchungsmethode müsse in größeren Studien weiteruntersucht werden. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Faron A, Isaak A, Mesropyan N, et al.: Cardiac MRI depicts immune checkpoint inhibitor-induced myocarditis: a prospective Study. Radiology 2021; https://pubs.rsna.org/doi/pdf/10.1148/radiol.2021210814.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote