ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2022Stabile koronare Herzkrankheit: Mentaler Stress ist mit höherem Exazerbationsrisiko assoziiert als physischer

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Stabile koronare Herzkrankheit: Mentaler Stress ist mit höherem Exazerbationsrisiko assoziiert als physischer

Gerste, Ronald D.

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Foto: MachineHeadz/iStock
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Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine der weltweit häufigsten Todesursachen. Mentaler Stress kann zu ihrer Exazerbation beitragen, über die prognostische Bedeutung aber ist wenig bekannt. An der Emory University in Atlanta gab es aktuell 2 Studien dazu, die Mental Stress Ischemia Prognosis Study (MIPS) und die Myocardial Infarction and Mental Stress Study 2 (MIMS2). Mit zusammengenommen 918 Patienten ist es die größte Untersuchung zu dieser Thematik mit einem vergleichsweise geringen Durchschnittsalter (insgesamt: 60 Jahre; MIMS2: circa 50 Jahre) und mit der Single-Photonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) als modernem Verfahren zur Evaluation der koronaren Perfusion.

Die Patienten hatten eine stabile KHK und wurden sowohl mentalem Stress (Kurzvortrag ohne längere Vorbereitung vor Publikum) als auch konventionellem Stress (relativ anstrengende physische Aktivität) ausgesetzt. Von diesen Provokationen ausgelöste ischämische Veränderungen wurden mit SPECT bei 16 % der Teilnehmer als Folge des mentalen Stresses und bei 31 % als konventionelle Stressischämie festgestellt. Bei 10 % trat beides auf. Nach 5 Jahren Beobachtung war der primäre Endpunkt, kardiovaskulärer Tod oder nichttödlicher Herzinfarkt, bei 17 % eingetreten. Bei stressinduzierter koronarer Ischämie betrug der Risikofaktor (Hazard Ratio [HR]) für Tod und Herzinfarkt 2,5 (95-%- Konfidenzintervall [1,8; 3,5]) im Vergleich zu jenen ohne stressinduzierte Ischämie. Bei rein konventioneller Stressischämie war das Risiko nicht signifikant erhöht. Für Patienten mit beiden Ischämieformen betrug die HR gegenüber konventioneller Stressischämie 2,7 ([1,7; 4,3]).

Fazit: Die Studienergebnisse, insbesondere die Beurteilung ischämischer Veränderungen mit SPECT, deuten darauf hin, dass sich die stressinduzierte koronare Ischämie von der konventionellen unterscheidet. Sie ist offenbar primär Marker einer endothelialen Dysfunktion der Koronarien, während in der konventionellen Ischämie eher eine Mischung aus Endothel-unabhängiger Vasoreaktivität, koronarer Arteriosklerose, endothelialer Dysfunktion und erhöhtem myokardialen Sauerstoffbedarf gesehen wird. Dr. med. Ronald D. Gerste

Vaccarino V, Almuwaqqat Z, Kim JH, et al.: Association of mental stress induced myocardial ischemia with cardiovascular events in patients with coronary heart disease. JAMA 2021; 326: 1818–28.

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