ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2022Demenzstrategie: Anderer Meinung

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Demenzstrategie: Anderer Meinung

Körtvélyessy, Péter

Mithilfe der Nationalen Demenzstrategie sollen Erkrankte und ihre Angehörigen besser unterstützt werden (DÄ 1–2/2022 „Die Lebenssituation verbessern“).
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Der Tenor, dass „Die Demenz“ eine unbehandelbare Erkrankung sei und wir uns auf eine Verbesserung des Umfelds konzentrieren müssten und dabei selber Gelassenheit und Heiterkeit vermitteln müssten, ist meiner Meinung nach grundsätzlich falsch.

1. Hinter dem Begriff der Demenz verbergen sich viele unterschiedliche Erkrankungen, welche allesamt von einem Neurologen diagnostiziert und eingeschätzt werden können. Bei den Demenzen sind z. B. auch gut behandelbare Erkrankungen, wie eine Lewy-Body-Demenz (zweithäufigste Demenz ab dem Alter von 70) oder reversible wie ein Normaldruckhydrozephalus. Den Hausärzten kommt die wichtige Aufgabe zu, den Demenzverdacht zu stellen, Insgesamt sollte jeder Patient mit einem Demenzverdacht bei vermuteter primär neurodegenerativer Genese neurologisch einmal vorgestellt werden.

2. Die Therapie der Alzheimerdemenz ist sicherlich nicht gut, aber das Bremsen der Erkrankung durch die Gabe von „Anti-Dementiva“ und sei es nur für ein Jahr oder zwei ist schon in den Augen der Patient Grund genug diese einzunehmen. Jedenfalls ist es mir in meiner Praxis nicht passiert, dass jemand eine Behandlung abgelehnt hätte. Diese Möglichkeit sollten wir keinem Alzheimerpatienten vorenthalten.

3. Die Diagnostik einer primär neurodegenerativen Demenz erfolgt auch über eine cerebrale Bildgebung und einer Liquoruntersuchung, siehe hierzu auch die „Demenz“-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Man sollte nicht in ex cathedra ein Diagnose feststellen.

4. Korrektur: Der DemTect kann nicht eine Depression von einer primär neurodegenerativen Erkrankung unterscheiden. In diesem Test werden zu einem guten Teil Enkodierungsleistungen etc. getestet. Die Aussage im Artikel ist falsch.

PD Dr. med Péter Körtvélyessy, Berlin

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