ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1996Gesundheitsforschung/Prävention: Die Allergie-Prävention soll forciert werden

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Gesundheitsforschung/Prävention: Die Allergie-Prävention soll forciert werden

Clade, Harald

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LNSLNS Die Bundesregierung beabsichtigt, die Allergie- und Lungenforschung im Rahmen des Forschungsprogramms "Gesundheitsforschung 2000" weiter zu forcieren und den Forschungsschwerpunkt "Allergische Erkrankungen" über das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium zusätzlich zu fördern. Darüber gab der XXIII. Kongreß der Deutschen Zentrale für Volksgesundheitspflege e.V. (DZV) über "Prävention allergischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter" Ende 1995 in Frankfurt/Main reichlich Anschauungsmaterial.


Die präventivmedizinischen Leistungen und die Maßnahmen zur Gesund­heits­förder­ung nehmen im Ausgabenbudget der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) noch einen relativ geringen Anteil ein. Die Ausgaben dürften heute drei bis vier Prozent des gesamten GKV-Etats betragen (1995: rund 250 Milliarden DM). Andererseits hat die epidemiologische Forschung in den letzten Jahren aufgeholt. Eine darauf abgestellte Gesundheitsberichterstattung, eine wesentliche Grundlage für die politische Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen, wird systematisch ausgebaut – so jedenfalls die Ankündigungen aus Bonn. So soll beispielsweise das Statistische Bundesamt im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung einen Sonderbericht über "Allergien" im Rahmen eines modellhaften Sonderberichtes erstellen (ein weiteres "versorgungsbezogenes" Thema im Rahmen dieser Berichterstattung: "Das Zusammenwirken des ambulanten und stationären Sektors unter besonderer Berücksichtigung der Optimierung und Zuordnung der Leistungserbringung"). Noch hakt es beim Aufbau einer kompletten Berichterstattung; das vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium damit beauftragte Institut wird noch erhebliche Grundlagenarbeit leisten müssen. Im Statistischen Bundesamt sind Fachreferenten speziell für die Berichterstattung tätig.
Beim Frankfurter Kongreß der Deutschen Zentrale berichtete der zuständige Referatsleiter im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Ministerialrat Dr. med. Albert Statz, Kinderarzt, daß die Bundesregierung seit 1987 im Rahmen des Programms "Gesundheitsforschung 2000" bisher rund 90 Millionen DM speziell für die Allergie- und Lungenforschung bereitgestellt habe, darunter für den Schwerpunkt "Allergische Erkrankungen" rund 28 Millionen DM. Diese Förderung ist für mehrere Förderschwerpunkte des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums im Rahmen der ressortbezogenen Modell- und Forschungsprogramme zur Prävention und Aufklärung im Bereich der Erkrankungen des allergischen Formenkreises vorgesehen. Darunter sind auch die Schwerpunkte "PublicHealth-Forschung" und "Unkonventionelle medizinische Richtungen".
Daß die Prävention allergischer Erkrankungen in Deutschland ähnlich wie in anderen Industriegesellschaften besonders gefördert werden sollte, unterstreicht die Tatsache, daß zunehmend mehr junge und erwachsene Menschen von allergischen Erkrankungen (Asthma, Rhinitis, Neurodermitis und anderen Erkrankungen) betroffen sind (bereits ein Viertel der Bevölkerung). Heute liegt die Prävalenz bei allergischen Erkrankungen in Mitteleuropa zwischen 20 und 30 Prozent. Insbesondere nimmt die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren überdurchschnittlich zu. Unter den Hautkrankheiten im Kindes- und Jugendalter hat das atopische Ekzem (Neurodermitis, endogenes Ekzem) erheblich an Bedeutung zugenommen. In verschiedenen Regionen in Deutschland sind 10 bis 20 Prozent der für diese allergische Erkrankung disponierten Kinder und Jugendlichen betroffen. Entsprechend ausgabenintensiv ist das Krankheitsbild, auch für die Krankenkassen.
Immer noch gibt es in Deutschland Behandlungslücken. Die Kooperation der Therapeuten mit den Betroffenen und Selbsthilfegruppen ist nicht immer reibungslos und nicht flächendeckend. Die Therapeuten haben, so wurde in Frankfurt festgestellt, hier eine "Bringschuld" gegenüber den Erkrankten und deren Angehörigen. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, daß der wichtigste Zeitpunkt zur Allergieprävention das Säuglings-, Vorschul- und Schulalter sei. Hier ließen sich bereits frühzeitig Allergie-Dispositionen erkennen und durch fachliche Informationen, gesundheitliche Aufklärung und zum Teil durch Anleitung und Durchführung von wissenschaftlich qualifizierten Schulungen günstige Gegenstrategien einleiten.


Kassenengagement
Peter Eßer, Abteilung "Forschung und Gesundheit" im Bundesverband der Innungskrankenkassen, Bergisch Gladbach, sagte beim DZV-Kongreß, daß die medizinischen Maßnahmen zur Allergiebekämpfung, zur Prävention und zur Behandlung damit verwandter Hauterkrankungen im Rahmen der gesetzlichen und privaten Kran­ken­ver­siche­rung als Regelleistung übernommen würden. Die Verbände der Krankenkassen wollen nach Angaben von Peter Eßer prüfen, ob zwischen den Krankenkassen und den ärztlichen Organisationen (Kassenärztliche Bundesvereinigung u. a.) Erprobungsregelungen vertraglich vereinbart und finanziell gefördert werden können. Voraussetzung sei auch hier ein ausreichender Qualitätsstandard und eine begleitende Überprüfung der Maßnahmen, so daß ein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis erzielt wird. Die Krankenkassen fördern ohnedies bereits aus der Regelfinanzierung oder per Satzung Modellprojekte auch von Selbsthilfegruppen.
Aktiv in die Aufklärungs- und Informationskampagnen zur Allergie-Prävention speziell bei Kindern und Jugendlichen sind die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln, und die Deutsche Zentrale für Volksgesundheitspflege e.V. in Frankfurt eingeschaltet. Dr. Harald Clade

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