ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000In-vitro-Fertilisation und intrazytoplasmatische Spermieninjektion: Gibt es ein Gesundheitsrisiko für die geborenen Kinder? Vorschnelle Entwarnung

MEDIZIN: Diskussion

In-vitro-Fertilisation und intrazytoplasmatische Spermieninjektion: Gibt es ein Gesundheitsrisiko für die geborenen Kinder? Vorschnelle Entwarnung

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): A-851 / B-725 / C-691

Windeler, Jürgen; Bauer, Susanne

Zu dem Beitrag von Dr. med. Michael Ludwig, Prof. Dr. med. Klaus Diedrich in Heft 45/1999
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LNSLNS Der Arbeitsausschuss "Familienplanung" des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen hat
nach der Anhörung von Sachverständigen im September 1997 die Notwendigkeit gesehen, zur
wissenschaftlichen Abklärung der Fehlbildungsproblematik weitere Daten anzufordern und deren Interpretation
abzuwarten. Dieses geschah aus der Einsicht heraus, dass, wie die Autoren auch richtig schreiben, "Fehler in der
Konzeption" bisheriger Studien vorliegen und die Datenlage nicht modernen Anforderungen genügt, sodass ein
erhöhtes Fehlbildungsrisiko keineswegs ausgeschlossen werden kann. Wir haben an dem Studiendesign der von
den Autoren federführend etablierten Multizenterstudie mitgearbeitet und sind alle daran interessiert, erstmals
methodisch sorgfältige und belastbare Aussagen zu dieser wichtigen Fragestellung zu gewinnen. Diese Studie
und der damit verbundene Aufwand sind dadurch zu rechtfertigen, als es Hinweise für eine erhöhte
Fehlbildungsrate unter ICSI gibt, dieser Verdacht jedenfalls nicht ausgeräumt ist. Umso mehr verwundert es
daher, von den Koordinatoren dieser Studie am Ende der Zusammenfassung die Aussage zu lesen "Die
Fehlbildungsrate ist nicht erhöht". Wir befürchten, dass diese so hervorgehobene Aussage missverstanden wird,
da viele Leser die weiteren Ausführungen am Ende des Artikels nicht genau genug zur Kenntnis nehmen. Eben
weil keine der bisher vorgelegten Untersuchungen Qualitätsanforderungen bezüglich standardisierter
Untersuchungsprozedur und Fehlbildungsklassifikation genügt, ist der Abschluss der laufenden
Multizenterstudie mit 2 800 ICSI-Kindern und 2 800 spontan gezeugten Kindern so wichtig. Diesem Ergebnis
sollte nicht durch vorschnell entwarnende Aussagen vorgegriffen werden.



Dr. med. Dipl.-Chem. Susanne Bauer, Prof. Dr. med. Jürgen Windeler

Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen e. V.

Lützowstraße 53 · 45141 Essen

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