ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000Linezolid: Antibiotikum gegen grampositive Keime

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Linezolid: Antibiotikum gegen grampositive Keime

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): A-856 / B-728 / C-612

Nickolaus, Barbara

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LNSLNS Die seit Jahren als hochpotente Antibiotika bekannten Substanzen stellen sich gegenüber den grampositiven Erregern zunehmend als stumpfe Waffen dar. Immer mehr multiresistente Staphylokokken, Streptokokken und Enterokokken machen gerade auf der Intensivstation jede Therapie zur Gratwanderung. Insofern bedarf die Entwicklung neuer Antibiotikaklassen höchster Aufmerksamkeit und Intensität, erklärte in Berlin Prof. Herbert Hof (Mannheim) bei einem von Pharmacia & Upjohn veranstalteten Symposium während des 28. Europäischen Symposiums zur Klinischen Pharmakologie. In der EPIC-Studie wurden europaweit am Stichtag 29. April 1992 auf den teilnehmenden Intensivstationen zehn Prozent nosokomiale Infektionsfälle unter 10 000 Patienten verzeichnet. Während gegen gramnegative Bakterien die derzeitigen Antibiotikaklassen noch ausreichende therapeutische Möglichkeiten bieten, bereiten die grampositiven Keime große Probleme.
Insbesondere die Inzidenz der Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) steigt: zum Beispiel in Großbritannien von 1,5 auf 31 Prozent in der Zeit von 1991 bis 1997. Diese Bakterien befinden sich bevorzugt an den Oberflächen von Kunststoffen, etwa von Kathetern oder künstlichen Endokardklappen. Mittlerweile erweist sich in einigen Fällen selbst das Vancomycin nicht immer als wirksam.
Mit dem von Pharmacia & Upjohn entwickelten innovativen Antibiotikum Linezolid steht nach rund 35 Jahren wieder eine neue Klasse von Antibiotika (Oxazolidinone) für den klinischen Einsatz gegen grampositive Keime zur Verfügung. Die Zulassung für den deutschen Markt ist beantragt, das Medikament soll unter dem Namen Zyvox® erscheinen. Das Indikationsspektrum erstreckt sich auf die von grampositiven Bakterien verursachten nosokomialen und ambulant erworbenen Pneumonien, Haut- und Weichteilinfektionen sowie auf die in deren Gefolge auftretenden Septikämien. Die Phase-II- und -III-Studien zeigten, dass Linezolid sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern, oral oder intravenös, eine mit Standardmedikationen vergleichbare Wirkung erzielt und gerade im Fall der heute fatalen Resistenzen grampositiver Keime eine scharfe Waffe darstellt.
Die klinischen Phase-III-Studien zeigten im Vergleich von neuer und etablierter Therapie bei komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen wie Ulzera, Verbrennungen et cetera eine Heilungsrate von 90,7 Prozent innerhalb von drei Tagen gegenüber 86,3 Prozent bei Penicillin und Dicloxacillin und bei unkomplizierten Fällen von 91,3 zu 87 Prozent mit Clarithromycin. Bei nosokomialen Pneumonien betrug die klinische Erfolgsrate über 21 Tage 66,4 Prozent gegenüber Vancomycin 68,1 Prozent und bei vancomycin-resistenten Enterokokkenstämmen 88,6 Prozent bei innerhalb von zwölf Stunden applizierten 600 mg beziehungsweise 73,7 Prozent bei 200 mg Linezolid. Hof bezeichnete Zyvox als "Quantensprung" in der Antibiotikaforschung, da sich Wirkvorteile gegenüber anderen Substanzen abzeichneten. Oxazolidinone greifen nach Aussage seines Mitentwicklers Prof. Mike Barbachyn (Kalamazoo, USA) Bakterien schon vor dem Beginn der Proteinbiosynthese an - also in einem früheren Replikationsstadium als andere Antibiotika. Sie sind damit Initiationsblocker. Kreuzresistenzen gegen andere Antibiotikaklassen oder eine schnelle Resistenzentwicklung lassen die Studien nicht erwarten.
Dr. Barbara Nickolaus
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