ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1996Parkinson-Therapie: Selegilin ist nach wie vor wertvoll

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Parkinson-Therapie: Selegilin ist nach wie vor wertvoll

Porcher-Spark, Annette

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LNSLNS Zur Zeit gibt es keinen Grund, den selektiven MAO-B-Hemmer Selegilin vom Markt zu nehmen. Diese Ansicht haben internationale Experten auf einer von den Firmen Asta Medica, Orion Pharma und Sanofi Winthrop gemeinsam veranstalteten Pressekonferenz in Neu-Isenburg vertreten.
Anlaß der kurzfristig angesetzten Veranstaltung war eine Veröffentlichung im British Medical Journal (311, 1602–1607, 1995), in der die Autoren von einer erhöhten Mortalitätsrate bei Parkinson-Patienten berichteten, die mit L-Dopa plus Selegilin behandelt worden waren.
In einer prospektiven Langzeitstudie hatten Wissenschaftler von der Parkinson’s Disease Research Group of the United Kingdom die Wirkung der L-Dopa-Monotherapie mit dem Effekt der Kombinationstherapie von LDopa plus Selegilin bei 520 Patienten mit Morbus Parkinson verglichen. Die statistische Auswertung der Daten nach 5,6 Jahren ergab eine um 60 Prozent höhere Mortalität in der Gruppe der Studienteilnehmer, die L-Dopa plus Selegilin erhalten hatten.


Methodisch ungenau
Dieses Ergebnis ist nach den Worten von Prof. Peter Riederer (Psychiatrische Klinik der Universität Würzburg) nicht auf Selegilin zurückzuführen, sondern auf methodische Ungenauigkeiten bei der Durchführung der Studie und statistische Unzulänglichkeiten bei der Auswertung. Die höhere Mortalität sei nämlich nur bei Patienten beobachtet worden, bei denen die ursprüngliche Kombinationstherapie L-Dopa plus Selegilin abgesetzt worden war.
Ein entscheidender Nachteil der britischen Studie sei außerdem, daß weder Begleittherapie, Begleiterkrankungen, Anschlußbehandlung noch die Zeit zwischen Studienabbruch und Tod der Patienten bei der Auswertung ausreichend berücksichtigt worden seien, kritisierte Riederer. Daher sei es unwahrscheinlich, daß die erhöhte Sterblichkeit mit der Behandlung mit Selegilin zusammenhänge, vielmehr müßten andere, bisher unbekannte Faktoren eine Rolle spielen. Die Autoren der britischen Untersuchung seien inzwischen aufgefordert worden, die fehlenden Daten nachzuliefern.
Das Ergebnis der britischen Studie steht laut Prof. U. K. Rinne (Universität in Turku, Finnland) auch in erheblichem Widerspruch zu den Resultaten von insgesamt sieben weiteren prospektiven Langzeituntersuchungen, bei denen keine erhöhte Mortalität für die Kombinationstherapie L-Dopa plus Selegilin im Vergleich zur Monotherapie mit L-Dopa festgestellt worden war.
Hingegen gebe es zahlreiche Hinweise darauf, daß Selegilin die Toleranzentwicklung für L-Dopa verlangsamen könne: In allen Studien wurde beobachtet, daß die frühzeitige zusätzliche Gabe von Selegilin den nach einigen Jahren auftretenden Wirkungsverlust von L-Dopa kompensieren kann. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Selegilin sei eine zehn- bis 30prozentige Einsparung der L-Dopa-Tagesdosis zu erreichen, so der finnische Experte. Annette Porcher-Spark

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