ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „UAW-News“ - International

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „UAW-News“ - International

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): A-863 / B-735 / C-695

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LNSLNS Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen damit wertvolle Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.


Vorsicht bei der Verordnung von Bupropion zur Raucherentwöhnung


Bupropion ist als Antidepressivum seit längerem in den USA verfügbar und hat dort seit Mai 1997 unter dem Namen Zyban® die Zulassung in der Indikation "Raucherentwöhnung". Es wurde in zwei Studien auf seine Eignung als Mittel zur Raucherentwöhnung geprüft, wobei Tagesdosen von 2-mal 150 mg verwendet wurden. Es handelt sich bei Bupropion um einen Reuptake-Hemmer für Noradrenalin und Dopamin, wobei sein Wirkungsmechanismus für diese Indikation bisher nicht eindeutig geklärt ist.
Der Hersteller hat in Deutschland über die Presse eine Werbekampagne initiiert, obwohl das Arzneimittel hier bisher noch nicht zugelassen ist. Die Markteinführung ist laut Hersteller in Deutschland für die erste Hälfte des Jahres 2000 vorgesehen. Auch hier soll es unter dem Handelsnamen Zyban® erhältlich sein. Das Arzneimittel kann aber bereits über internationale Apotheken besorgt werden.
Inzwischen wurde ein Bericht der kanadischen Arzneimittelbehörde veröffentlicht, in dem Erfahrungen mit Bupropion zur Raucherentwöhnung von August 1998 bis September 1999 mitgeteilt werden (Canadian ADR Newsletter 2000; 10: 3-7). Von 407 berichteten unerwünschten Wirkungen wurden 256 als schwerwiegend eingestuft. Von diesen UAW sind nicht alle in der Bupropion-Monographie verzeichnet. Gehäuft wurden Krämpfe bis hin zu Grand-mal-Anfällen, Schlaflosigkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen, vereinzelt auch Erregungszustände, Depressionen, paranoide Reaktionen, Tachykardien, Myokardinfarkte (davon zwei tödlich endend), Angina-pectoris-Anfälle, Sehstörungen usw. berichtet. Wegen der Übererregbarkeit beziehungsweise der Zustände von Schlaflosigkeit wird darüber nachgedacht, den Patienten zusätzlich ein Benzodiazepin-Präparat zu verordnen - was den Patienten in eine Benzodiazepin-Abhängigkeit bringen kann. In einigen Fällen wurde über Hypoglykämien berichtet. Die aktuelle Produktmonographie deutet an, dass die Einnahme von Bupropion bei Diabetes-mellitus-Patienten, die mit oralen Antidiabetika oder Insulin behandelt werden, mit einem erhöhten Risiko von Krampfanfällen assoziiert ist.
Angesichts der unerwünschten Wirkungen sollten Ärzte vorerst sehr zurückhaltend Bupropion verschreiben. Offensichtlich sind weitere Studien erforderlich, um den Stellenwert dieses Arzneimittels für die Raucherentwöhnung zu bestimmen.
Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen können jederzeit über den im Deutschen Ärzteblatt in regelmäßigen Abständen veröffentlichten UAW-Berichtsbogen oder formlos an folgende Adresse geschickt werden:
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Str. 233-237, Tel 02 21/40 04-5 18, Fax 02 21/40 04-5 39, E-Mail: akdae@t-online.de

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