ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2022Tamoxifen: Lieferengpässe bei Brustkrebspräparat

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Tamoxifen: Lieferengpässe bei Brustkrebspräparat

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Wegen des Lieferengpasses für Tamoxifen haben mehrere Fachgesellschaften gemeinsame Empfehlungen herausgegeben (http://daebl.de/BR67). Foto: DMP1/iStock
Wegen des Lieferengpasses für Tamoxifen haben mehrere Fachgesellschaften gemeinsame Empfehlungen herausgegeben (http://daebl.de/BR67). Foto: DMP1/iStock

Bei Tamoxifen, einem Wirkstoff, der als Anti-Östrogen bei hormonrezeptorpositiven Brustkrebserkrankungen eingesetzt wird, kommt es derzeit vermehrt zu Lieferengpässen. „Da bereits ein Großteil der Hersteller, die das Arzneimittel anbieten, nicht oder nur noch teilweise lieferfähig ist, lässt sich ein Versorgungsengpass bei Tamoxifen für die kommenden Monate aus Sicht der Generikahersteller nicht ausschließen“, teilte der Verband Pro Generika mit. Man bedauere das „zutiefst“. Pro Generika versicherte, dass die Unternehmen zusammen mit den Verantwortlichen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie allen Partnern mit Hochdruck daran arbeiten, eine schnelle Lösung zu finden. Derzeit werde geprüft, ob man kurzfristig Produktionspläne ändern könne. Das setze aber voraus, dass die notwendigen Rohstoffe vorhanden seien. Gelinge eine kurzfristige Produktion, könnten Tamoxifenpräparate in einigen Wochen wieder verfügbar sein. Hintergrund des Engpasses ist nach Angaben von Pro Generika, dass Zulieferer die Produktion eingestellt haben, weil diese für sie nicht mehr wirtschaftlich gewesen ist. Seitdem seien die Generikaunternehmen auf der Suche nach alternativen Zulieferern. Wegen hoher regulatorischer Anforderungen dauere das aber Monate bis Jahre. Ein zusätzliches Problem sei, dass sich wegen des jahrelangen Kostendrucks immer weniger Zulieferer an der Produktion von Tamoxifenpräparaten beteiligten. „Für unsere Unternehmen geht es jetzt zuerst darum, Engpässe in der Versorgung, soweit es irgendwie geht, zu vermeiden“, sagte Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika. Danach müsse man aber auch „endlich den Mut für grundsätzliche Lösungen haben“. Der Fall Tamoxifen illustriert aus Sicht von Pro Generika, wo das strukturelle Problem bei der Grundversorgung mit Generika liegt. Demnach beläuft sich der Preis, den die Hersteller von den Kassen für eine 100er-Packung Tamoxifen erhalten, auf 8,80 Euro. Zu diesem Preis sei eine wirtschaftliche Produktion ohne Verluste kaum mehr möglich und eine resiliente Lieferkette schon gar nicht, so Bretthauer. EB

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