ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2000Börsebius zu T-Online: Frech und dreist

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu T-Online: Frech und dreist

Dtsch Arztebl 2000; 97(13): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Das Infineon-Fieber ist abgeklungen. Der Kurs straft alle euphorischen Prognosen (bis 120 Euro) Lügen, denn bis zum Redaktionsschluss rutschte der Kurs unter die Marke von 70 Euro. Damit liegt die Infineon-Notiz zwar immer noch beträchtlich über dem Emissionspreis (von 35 Euro), hat aber durchaus beträchtliches Verlustpotenzial. Wer die Aktie also bekommen hat, was ja vereinzelt vorgekommen sein soll, müsste sich genau überlegen, jetzt zu verkaufen. Auf einen steuerfreien Kursgewinn nach Ablauf eines Jahres zu hoffen kann fast als kühne Spekulation bezeichnet werden. Derweil bereiten sich die Anleger auf eine weitere Mammut-Emission vor. T-Online, die Internet-Tochter der Deutschen Telekom, wird am 17. April ihr Debüt auf dem Börsenparkett geben. Die voraussichtliche Zeichnungsfrist wird vom 3. April bis 12. April dauern. In einer ziemlich blöden Werbekampagne ("Robert T. Online, Internet-Insider") werden die Anleger bereits heute heißgekocht. Ob die Zeichnungswilligen allerdings abgekocht werden, ist letztlich eine Frage des Emissionspreises. Derzeit kursieren Gerüchte, dass die Emissionsbanken zusammen mit der Deutschen Telekom eine Preisspanne von 30 bis 35 Euro je Aktie anpeilen.
Diese Preisvorstellung ist ein ziemlich starkes Stück. Frech und dreist sind in diesem Zusammenhang durchaus zulässige Attribute. Selbst bei einem Preis von 25 Euro wäre die Aktie immer noch eklatant teuer, denn bei diesem Kurs würde jeder Internetnutzer von T-Online mit 5 000 Euro (!) bewertet. Also weitab jeglichen gesunden Menschenverstandes.
Erste Warnzeichen, daß die Internet-Party zu Ende ist, mussten die Internet-Börsenfreaks dieser Tage akzeptieren. Die Emission von Lycos Europe war dreißigfach überzeichnet, und die Graumarktpreise verhießen einen glänzenden Börsenstart. Als es dann aber so weit war, gab es viele verblüffte Gesichter.
Mit Hängen und Würgen packte Lycos Europe den Gang auf das glatte Parkett des Wertpapierhandels. Minus 5 Prozent auf den Emissionspreis stand am Schluss auf den Anzeigetafeln. Nur mit Internetfantasie alleine ist heute wohl kein Staat mehr zu machen. Kann gut sein, dass sich dieses Lehrstück bei T-Online fortsetzt.
Börsebius
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