ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Sportgruppen: Auch geeignet für Asthmatiker

SPEKTRUM: Akut

Sportgruppen: Auch geeignet für Asthmatiker

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Asthmatikern wurde früher vor allem körperliche Schonung verordnet. Jede körperliche Belastung könne einen schweren Atemnotanfall auslösen, so eine weit verbreitete Befürchtung. Asthmakranke Kinder waren deshalb - manchmal auch gegen ihren Willen - vom Schulsport befreit. Dass Menschen trotz Asthma bronchiale körperlich Sport treiben können, galt als gefährlich. Zwar gab es immer wieder Berichte von angeblich asthmakranken Spitzensportlern, etwa dem Schwimmer Mark Spitz. Doch ins Bewusstsein der Öffentlichkeit ist dies bisher kaum gedrungen, und noch immer benötigen Sportler Mut, um sich als Asthmakranke zu "outen", wie der 26fache Deutsche Meister im Schwimmen, Christian Keller, berichtet, bei dem im Jahr 1995 ein Anstrengungsasthma diagnostiziert worden war.


Keller ist trotz seiner Erkrankung weiter aktiv und wird im September 2000 vermutlich an den Olympischen Spielen in Sydney teilnehmen. Im März stand Keller jedoch einmal nicht auf dem Startblock, sondern stellte sich in Hamburg den Fragen der Öffentlichkeit. Keller warb für die Deutsche Atemwegsliga und deren Konzept der Lungensportgruppen. Wie der Vorsitzende der Deutschen Atemwegsliga, Prof. Heinrich Worth (Klinikum Fürth), ausführte, sind Sport und körperliches Training neben der medikamentösen Therapie ein wesentliches Element des Asthmamanagements. Dies gelte im Übrigen auch für andere obstruktive Atemwegserkrankungen, also auch für COPD-Patienten und Emphysematiker.

Tatsächlich sind die Auswirkungen körperlichen Trainings bei Patienten mit COPD durch mehrere randomisierte und kontrollierte Studien hinreichend belegt, die in den jüngsten Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga (Pneumologie 2000; 54: 61-67) erwähnt werden. Dort werden die Voraussetzungen für die Teilnahme am Lungensport genannt und Empfehlungen für die medizinische Betreuung dieser Patienten gegeben. Das Papier ist die Grundlage für eine Aktion der Arbeitsgemeinschaft Lungensport, welche die Atemwegsliga im letzten Jahr mit anderen medizinischen Fachgesellschaften und Sportpädagogen gegründet hat. Ziel ist der Aufbau eines landesweiten Netzes von Lungensportgruppen, ähnlich den Herzsportgruppen, von denen mittlerweile über 5 000 existieren. Davon ist die Atemwegsliga zwar noch entfernt. In weniger als einem Jahr ist es ihr aber bereits gelungen, 200 Lungensportgruppen zu etablieren. Rüdiger Meyer

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