ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2022Verzögertes Subduralhämatom nach Liquorpunktion mit mehrtägigem symptomfreiem Intervall
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Bei einer 74-jährigen Patientin mit Depression und Essstörung (BMI 13,2 kg/m2) fanden sich klinisch (Gangstörung, Inkontinenz, Vergesslichkeit) und morphologisch mithilfe der Bildgebung durch Magnetresonanztomografie (Abbildung a) Hinweise auf einen Normaldruckhydrozephalus bei unauffälligen Laborwerten. Es erfolgte ein Liquorablassversuch von 21 mL mit nachfolgend gebessertem Gangbild. Fünf Tage nach der Liquorpunktion beklagte sie leichte Kopfschmerzen, die ihr vom Charakter bekannt seien. 13 Tage nach der Punktion wurde sie somnolent im Bett aufgefunden. Ein kraniale Computertomografie zeigte ein frisches linksseitiges frontotemporoparietales Subduralhämatom (Abbildung b). Nach einer Notfallkraniotomie kam es zu einer fast vollständigen Remission der neurologischen Symptomatik. Die Patientin nahm seit Kurzem Escitalopram ein, was das Blutungsrisiko erhöht haben könnte. Plausible andere Gründe für die Blutung (Stürze, auch während der letzten Monate, Gerinnungsstörung unter anderem) waren nicht zu eruieren, so dass die Lumbalpunktion als die wahrscheinlichste Ursache erschien. Der Fall weist darauf hin, dass auch bei mehrtägigem symptomfreiem Intervall vor Auftreten von Beschwerden nach Lumbalpunktion ein Subduralhämatom erwogen werden sollte.

Kraniale Magnetresonanztomografie / Kraniale Computertomografie
Abbildung
Kraniale Magnetresonanztomografie / Kraniale Computertomografie

Dario Jalilzadeh Masah, Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, Charité Universitätsmedizin Berlin
Dr. med. Dorett Hoffmann, Institut für Radiologie, St. Hedwig-Krankenhaus, Berlin
PD Dr. med. Eva Janina Brandl, Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, Charité Universitätsmedizin Berlin;
eva.brandl@charite.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Jalilzadeh Masah D, Hoffmann D, Brandl EJ: Delayed subdural hematoma after lumbar puncture and a symptom-free interval of several days. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 200. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0022

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Kraniale Magnetresonanztomografie / Kraniale Computertomografie
Abbildung
Kraniale Magnetresonanztomografie / Kraniale Computertomografie

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