ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Ausländer: Ignoriertes Problem

SPEKTRUM: Leserbriefe

Ausländer: Ignoriertes Problem

Dtsch Arztebl 2000; 97(14): A-874 / B-726 / C-679

Adolphsen, Jan

Zu dem Beitrag "Türken haben Kultur, Deutsche eine Psyche" von Sabine Rieser in Heft 8/2000:
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LNSLNS Schön, dass in der letzten Zeit im DÄ Artikel über Menschen erschienen sind, die nur einen erschwerten Zugang zu Leistungen unseres Gesundheitswesens haben. Obdachlosen und legal in Deutschland lebenden Ausländern steht dabei prinzipiell die gleiche Versorgung wie anderen hier lebenden Menschen zu, auch wenn dies durch soziale, kulturelle oder andere Schranken behindert ist. Eine große Gruppe von Menschen, welchen das Grundrecht auf eine adäquate medizinische Versorgung in Deutschland verweigert wird, wurde in dem Artikel von Sabine Rieser am Rande erwähnt: die Zahl der illegal beziehungsweise durch politische und bürokratische Maßnahmen illegalisiert in Deutschland Lebenden wird allein in Berlin auf fünfzigtausend bis hunderttausend Menschen geschätzt. Bei dem Versuch einer Inanspruchnahme von zahnärztlicher Versorgung, Geburtshilfe oder einer notwendigen Operation drohen unüberwindliche finanzielle Schwierigkeiten oder die Abschiebung. Ein kleiner Teil findet den Weg zu Organisationen wie dem "Büro für medizinische Flüchtlingshilfe Berlin", das, wenn möglich, eine kostenlose und anonyme medizinische Hilfe vermittelt. Die mitarbeitenden Kolleginnen und Kollegen versuchen dabei, Probleme zu bewältigen, welche politisch verursacht wurden und deren Lösung die Politik nach wie vor verweigert. Während in anderen europäischen Ländern Modelle jedenfalls für Untergruppen gefunden werden (für Schwangere in Spanien, Lancet, Vol 354, S. 1368), wird das Problem der fehlenden medizinischen Versorgung für Hunderttausende in Deutschland lebende Menschen auch von der neuen Regierung ignoriert und der Umgang mit den Folgen engagierten Einzelpersonen und Verbänden überlassen. Um dies zu ändern, bedarf es eines starken politischen Drucks auch durch die Standesorganisationen der Ärzteschaft.
Dr. Jan Adolphsen, Büro für medizinische Flüchtlingshilfe Berlin, Gneisenaustraße 2 a, 10961 Berlin
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