ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Mosambik: Überleben nach der Flut

POLITIK: Aktuell

Mosambik: Überleben nach der Flut

Korzilius, Heike

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LNSLNS Die Überschwemmungskatastrophe in Mosambik ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch die Menschen werden vermutlich noch Jahre unter den Folgen leiden.


Die Bilder sind fast vergessen, trotzdem ist die Not himmelschreiend", sagt Dr. Norbert Saupp, Pressesprecher des Malteser Hilfsdienstes, mit Blick auf die Situation in Mosambik. Die Malteser versorgen mit einem mobilen medizinischen Team rund 5 000 Menschen in Notunterkünften in der Nähe von Chibuto, im Süden des Landes.
Zurzeit entspannt sich die Hochwasserlage, und das Wetter wird besser. Daher hat die Bundeswehr ihren gut vierwöchigen Hilfseinsatz am vergangenen Mittwoch beendet. Dennoch gebe es für die Menschen in Mosambik noch keine Entwarnung, berichten Dr. med. Peter Kaiser und Sonja Greiner, die in den letzten Wochen die Hilfe der Malteser in dem südafrikanischen Land koordiniert haben.
Das Flüchtlingslager, das die Malteser betreuen, befindet sich auf einer ehemaligen Farm. Die Flüchtlinge wohnen in den verlassenen Gebäuden oder lagern unter Bäumen. Mittlerweile stehen, so Kaiser, vermehrt Zelte und Plastikplanen zur Verfügung, mit denen sich die Menschen vor Sonne, Regen und der nächtlichen Kälte schützen können. Noch in der vergangenen Woche konnte das Lager nur mit dem Hubschrauber versorgt werden, denn viele Straßen waren entweder immer noch überschwemmt oder von den Fluten zerstört. Kaiser lobt in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Deren Flugzeuge transportierten mehrmals täglich Hilfslieferungen in die von der Außenwelt abgeschnittenen Gebiete.
Nach Angaben des Malteser-Arztes gibt es immer noch Regionen, die weder über sauberes Trinkwasser noch über Nahrungsmittel verfügen. Die medizinische Versorgung, die auch vor der Flutkatastrophe mangelhaft war, habe zusätzlich gelitten. Zwar gebe es staatlich finanzierte Gesundheitsposten, die dort arbeitenden Krankenschwestern seien jedoch bei ernsthaften Erkrankungen überfordert. "Hier kommen wir ins Spiel", sagt Kaiser. Zurzeit versorgen ein Arzt, ein Rettungssanitäter und eine Krankenschwester die Menschen im Lager. Die Flüchtlinge litten vor allem an Malaria, Durchfall- und Atemwegserkrankungen. "Wir betreiben dort Basismedizin", beschreibt Kaiser die medizinische Versorgung. Ziel sei, mit einfachen Mitteln so viele Patienten wie möglich zu behandeln. Im Vordergrund stehe deshalb die medizinische Akutversorgung, die Verteilung von Tabletten zur Entkeimung von Trinkwasser sowie die Prävention von Cholera und Malaria. Unverzichtbar für den Erfolg des Einsatzes sei zudem die Bereitschaft der Bevölkerung mitzuhelfen. Deren Aus- und Weiterbildung sei daher wichtiger Bestandteil der Nothilfe. Zur materiellen Not der Menschen kommt die große psychische Belastung. Kaiser verweist in seinem Bericht auf Einzelschicksale: "In unserem Lager sind beispielsweise 20 Kinder, von denen wir nicht wissen, woher sie stammen oder zu wem sie gehören." Sonja Greiner beschreibt die Stimmung im Lager als eine Mischung aus Lethargie, Ungeduld und Frustration. Die Menschen wollten verständlicherweise zurück in ihre Dörfer, von denen viele jedoch teilweise oder vollständig zerstört seien.
Die Malteser haben in den vergangenen Wochen Nothilfepakete mit Medikamenten, Impfstoffen und medizinischen Verbrauchsmaterialien für die Versorgung von 10 000 Menschen in das Gebiet gebracht. 500 000 DM haben sie für ihre Hilfe bereitgestellt. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt mit 100 000 DM. Bisher sind bei der Organisation rund eine Million DM an Spenden für Mosambik eingegangen.
Das Hilfsprojekt ist zunächst auf drei Monate angelegt. Der Leiter des Auslandsdienstes, Ingo Radtke, bekräftigt, die Malteser wollten jedoch auch mittelfristig beim Wiederaufbau helfen. 650 000 Menschen waren von der Flutkatastrophe in Mosambik betroffen, mindestens 500 sind ums Leben gekommen, 250 000 haben Haus und Hof verloren und in den Flüchtlingscamps der internationalen Hilfsorganisationen Zuflucht gesucht. Viele Straßen, Brücken und Eisenbahnlinien sind zerstört, das Vieh ist größtenteils ertrunken, die Ernten vernichtet. Es wird Jahre dauern, bis das Land sich davon erholt hat.
Heike Korzilius


Wasseraufbereitung im Flüchtlingslager: Die Helfer versuchen, den Ausbruch von Epidemien zu verhindern.


Spenden: Konto 120 120 120, Deutsche Bank 24, BLZ 370 700 24, Kennwort: "Flutopfer"

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