ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2022GOÄ-Ratgeber: Kosmetisch-ästhetische Behandlungen durch Faltenunterspritzung

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GOÄ-Ratgeber: Kosmetisch-ästhetische Behandlungen durch Faltenunterspritzung

Schaible, Sarah

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In letzter Zeit häuften sich Anfragen, bei denen sich nach der korrekten Abrechnung einer kosmetisch-ästhetischen Behandlung mit Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure erkundigt wurde. Bei diesen Behandlungen wird Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure in die gewünschte Körperregion, zumeist das Gesicht, mittels mehrerer Einstiche injiziert.

Gemäß dem GOÄ-Kommentar von Brück und Nachfolgern (Deutscher Ärzteverlag, 2021) dient bei der Injektion das Zielgewebe (zum Beispiel Muskel- oder Unterhautfettgewebe) in der Regel lediglich als Resorptionsort, wohingegen bei einer Infiltrationsbehandlung eine direkte Wirkung des jeweils verwendeten Arzneimittels auf den infiltrierten Bereich beabsichtigt ist. Für Letztere ist es in der Regel erforderlich, dass in dem betreffenden Bereich – gegebenenfalls fächerförmig – mehrere Injektionsdepots gesetzt werden. Daher ist eine kosmetisch-ästhetische Behandlung mit Botulinumtoxin beziehungsweise Hyaluronsäure, bei welcher die Wirkung rein lokal erfolgt, gebührenrechtlich als Infiltrationsbehandlung anzusehen und mit der GOÄ-Nr. 267 („Medikamentöse Infiltrationsbehandlung im Bereich einer Körperregion, auch paravertebrale oder perineurale oder perikapsuläre oder retrobulbäre Injektion und/oder Infiltration, je Sitzung“) oder GOÄ-Nr. 268 („Medikamentöse Infiltrationsbehandlung im Bereich mehrerer Körperregionen [auch eine Körperregion beidseitig], je Sitzung“) berechnungsfähig. 

Wird eine Infiltrationsbehandlung an einer Seite des Gesichts, zum Beispiel an einer Wange, vorgenommen, ist hierfür die GOÄ-Nr. 267 abrechenbar. Bei Behandlungen über die Körper-Mittellinie hinweg, ist dagegen der Anwendungsbereich der GOÄ-Nr. 268 eröffnet, da diese auch verwendbar ist, wenn eine Körperregion beidseitig behandelt wird (zum Beispiel das gesamte Kinn, die gesamte Stirn, aber auch beide Wangen). Je Sitzung kann demnach lediglich einmal die GOÄ-Nr. 267 oder einmal die GOÄ-Nr. 268 berechnet werden.

Neben vorgenannten Gebührenziffern kommen bei entsprechender Leistungserbringung zum Beispiel die GOÄ-Nummern zur Beratung (GOÄ-Nr. 1 „Beratung – auch mittels Fernsprecher“), Untersuchung (GOÄ-Nr. 5 „Symptombezogene Untersuchung“) sowie Kühlung des behandelten Areals (GOÄ-Nr. 530 „Kalt- oder Heißpackung[en] oder heiße Rolle, je Sitzung“) infrage.

Bei möglicherweise nicht (in vollem Umfang) gewährleisteter Erstattung durch die private Krankenversicherung/Beihilfe ist die wirtschaftliche Aufklärungspflicht nach § 12 Abs. 5 der (Muster-)Berufsordnung Ärzte beziehungsweise § 630 c Abs. 3 BGB zu beachten. Zur Vereinbarung einer von der GOÄ abweichenden Gebührenhöhe besteht gemäß § 2 Abs. 1 GOÄ die Möglichkeit, den Steigerungsfaktor anhand einer mit dem Patienten individuell abzuschließenden Honorarvereinbarung zu erhöhen. Schließlich ist in der Rechnungsstellung zu beachten, dass bei kosmetisch-ästhetischen Leistungen kein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht und es sich daher nach den vom Bundesfinanzministerium erlassenen Vorschriften nicht um eine Heilbehandlung handelt. Auf der Rechnung ist daher die Mehrwertsteuer entsprechend auszuweisen. Ass. iur. Sarah Schaible

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