ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2022Klimaschutz im Krankenhaus: Was man selbst tun kann

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Klimaschutz im Krankenhaus: Was man selbst tun kann

Löffler, Christin

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Foto: efks/iStock
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Viele, insbesondere junge Klinikärztinnen und -ärzte, wünschen sich, dass ihr Arbeitgeber seine Treibhausgasemissionen senkt. Dr. med. Christin Löffler von den SLK-Kliniken Heilbronn erklärt, was Ärzte selbst tun können, um mehr Nachhaltigkeit in ihrem Krankenhaus zu erreichen.

Wir retten Leben – das ist doch wichtiger!“ Mit diesem Argument wird Einsatz für Klimaschutz im Krankenhaus oft abgewertet und Klimaschutzmaßnahmen der medizinischen Versorgung untergeordnet. Dabei ist der Klimaschutz genauso wichtig für die gesundheitliche Versorgung der Menschen wie die unmittelbare Behandlung. Denn zum einen beeinträchtigt der Klimawandel bereits jetzt die Gesundheit des Einzelnen. Maßnahmen zum Klimaschutz gehören deshalb zu einer guten Behandlung der Patientinnen und Patienten dazu, auch wenn sie scheinbar keinen unmittelbaren Therapieerfolg aufweisen und nicht abrechenbar sind. Zum anderen ist menschheitsgeschichtlich betrachtet Klimaschutz sogar noch wichtiger, da der Klimawandel die Gesundheit der gesamten Menschheit bedroht.

Ärztliche Kernaufgabe

Die Weltgesundheitsorganisation hat den Klimawandel auf Platz 1 ihrer Liste der größten Bedrohungen der globalen Gesundheit gesetzt. Klimaschutz sollte daher eine der Kernaufgaben des Gesundheitswesens sein, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Was können Ärztinnen und Ärzte tun?

Die kurzfristig größten CO2-Einsparungen erreicht ein Techniker mit Maßnahmen wie dem Einsatz von LED sowie einer Modernisierung der Heizung und der Lüftung. Ein Einkaufsleiter erreicht sie durch die Umstellung auf nachhaltige Produkte und ein Küchenleiter durch die Reduktion des Fleischkonsums in seinem Speisenangebot.

Die langfristigen Ziele können Ärztinnen und Ärzte jedoch insbesondere durch Überzeugungsarbeit unterstützen. Öffentlichkeitsarbeit für den Klimaschutz ist zwar nicht messbar und liefert keine Zahlen als Beweise für Effektivität, sie ist aber vor allem eines: nachhaltig. Die stetige Bildung der Mitarbeiter und Patienten gleicht einer kontinuierlichen kraftvollen Revolution, die das „Zeitalter der bewussten Nachhaltigkeit“ einläutet. Die Sichtbarmachung der vielen engagierten Menschen, die sich nicht mit dem Status quo abfinden, sondern für den Wandel kämpfen, bestärkt die Mitarbeiter, sich mutig einzusetzen – sowohl im Beruf als auch privat. Wenn man damit beginnt, zeigt die oft überwältigende Resonanz das bisherige Fehlen eines Ansprechpartners für Ideen und Unterstützung. Der erste Schritt ist also die Einbeziehung der Mitarbeiter.

Einen sehr einfachen Einstieg in die Öffentlichkeitsarbeit bietet das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „Klimaretter Lebensretter“ der Viamedica Stiftung. Das Projekt sensibilisiert die Beschäftigten des Gesundheitswesens für den sorgsamen Umgang mit Energie und Ressourcen. Besonders wertvoll ist die Information, welche Maßnahmen die wirkungsvollsten sind. Hier wird den teilhabenden Kliniken die Organisation sehr leicht gemacht, denn man erhält alles notwendige Material sowie monatliche Umwelttipps fertig geliefert und muss es nur noch veröffentlichen. Ist die Teilnahme nicht möglich, offerieren die Umweltministerien (sowohl das Bundes- als auch die Landesministerien) Informationen und Tipps zum Klimaschutz, die ebenfalls nur noch veröffentlicht werden müssen.

Ideen zum Umweltschutz

Hierfür sehr hilfreich ist neben der Geschäftsführung auch die Zusammenarbeit mit der Unternehmenskommunikation: Sie kann oft die Einrichtung eines Informationsfeldes für die Umweltarbeit im klinikinternen Intranet übernehmen. Hier können zum Beispiel Ideen zum Umweltschutz abgefragt oder aktive Mitarbeiter zur Teambildung gesucht werden. Zusätzlich kann ein Chatroom für die Mitarbeiter eingerichtet werden, in den jeder seine privaten Umwelttipps einstellen kann. Auch in der Mitarbeiterzeitung können Artikel platziert werden. Die Inhalte der SLK-Kliniken Heilbronn umfassen die Vorstellung von Mitarbeitern, die sich für Klimaschutzmaßnahmen einsetzen, durchgeführte Maßnahmen unserer Umweltkommission oder Berichte über die Artikel des Deutschen Ärzteblatts bezüglich des Klimaschutzes. Die hierfür nötigen Interviews führt oft die Unternehmenskommunikation, die durch ihre Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit gute Ideen einbringen kann. Ein Ideenwettbewerb kann zudem dabei helfen, Schwachstellen im Haus zu finden. Noch besser aber ist ein mit Preisen ausgestatteter Wettbewerb, der die Mitarbeiter zu eigenen Maßnahmen motiviert, denn die im Gesundheitswesen vorhandene Zeitnot aller Mitarbeiter führt oft dazu, dass zwar Ideen vorhanden sind, aber die Zeit zur Durchführung fehlt.

Gibt es ein Fortbildungsprogramm für Mitarbeiter? In Kooperation mit Institutionen, wie zum Beispiel Klimahäusern oder Volkshochschulen, können Kurse zur Nachhaltigkeit aufgenommen werden. Auch die Konzeption einer eigenen Onlinefortbildung „Klimaschutz“ können die Kliniken verfolgen. Die Datenbank des inzwischen abgeschlossenen KLIK-green-Projekts (Klimaschutz im Krankenhaus) ist öffentlich zugänglich und enthält eine Fülle von Ideen nicht nur zur Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch zu Klimaschutzmaßnahmen zahlreicher Gesundheitseinrichtungen in Deutschland.

Auch viele Patientinnen und Patienten interessieren sich dafür, wie sie ihre Gesundheit in Zeiten des Klimawandels schützen können. Die Umweltministerien der Länder bieten Wanderausstellungen an, die kostenlos ausgeliehen werden können. In den Medienzentren der Ministerien finden sich Filme zu Umweltthemen, die für öffentliche Vorführungen bis zu einer bestimmten Personenanzahl geeignet sind. Dadurch können auch Patienten und Besucher erreicht werden. Als Anlass eignen sich außergewöhnliche Aktionen im Laufe des Jahres, zum Beispiel im Rahmen der bundesweiten „Woche der Umwelt“ Anfang Juni, des World Cleanup Days an jedem dritten Samstag im September oder der „Aktionstage Nachhaltigkeit“ als Teil der europäischen Nachhaltigkeitswoche im September, die kombiniert werden können mit Aktionen der Küche oder der IT-Abteilung wie vegetarische Angebote in der Kantine.

Positiv aufgenommen

Solche Aktivitäten eignen sich besonders für die Veröffentlichung in der örtlichen Presse. Ein Krankenhaus, das sich in ein „grünes Unternehmen“ wandelt, wird positiv aufgenommen, was auch den Verantwortlichen hilft, in die nicht vergütete Vorsorgemaßnahme Klimaschutz zu investieren. Manche Häuser haben eigene Internetauftritte für ihr Nachhaltigkeitsmanagement gestaltet, zum Beispiel das Universitätsklinikum Essen.

Das Wichtigste aber bleibt der Erhalt der eigenen Motivation. Dabei ist es wichtig, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Als Ärztinnen und Ärzte dienen wir den Menschen und sind deshalb auch dafür verantwortlich, den Klimaschutz voranzutreiben. Klimaschutz gehört zu unserer ärztlichen Arbeit. Dr. med. Christin Löffler

SLK-Kliniken Heilbronn

Kontakte und Informationen

In Deutschland gibt es bereits verschiedene Organisationen und Verbände, die sich die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im deutschen Gesundheitswesen zum Ziel gesetzt haben. Wer sich für mehr Nachhaltigkeit engagieren möchte, findet dort Tipps und Gleichgesinnte. Dazu zählen zum Beispiel die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) (www.klimawandel-gesundheit.de), Health for Future (healthforfuture.de), der Arbeitskreis Plastik und Nachhaltigkeit in der Dermatologie (www.akdermaplastik.de), das Forum „Nachhaltigkeit in der Anästhesie“ der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten (forum-nachhaltigkeit.bda-dgai.de) und das KLIK-green-Netzwerk (www.klik-krankenhaus.de).

Praktische Informationen gibt es zudem bei dem Projekt „Klimaretter Lebensretter“ der Viamedica Stiftung (projekt.klimaretter-lebensretter.de) oder bei dem Projekt „Mitarbeiter-Motivation zu Nachhaltigkeit“ (Mimona) des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.), das Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation bezüglich Nachhaltigkeit von Unternehmen aus ganz Deutschland bündelt (www.mimona.de).

Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Aktionstagen zum Erreichen nachhaltiger Ziele gibt es zum Beispiel zum „World Cleanup Day“ (www.worldcleanupday.org), zu der Aktion „Deutschland rettet Lebensmittel!“ (www.deutschland-rettet-lebensmittel.de) oder auf der Website des Portals „Taten für morgen“ (www.tatenfuermorgen.de/deutsche-aktionstage-nachhaltigkeit). Das Nachhaltigkeitskonzept der Universitätsmedizin Essen ist über diese Website erreichbar: nachhaltigkeit.ume.de

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