ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2022Digitale Gesundheitsanwendungen: Die meisten Apps werden bei Rückenschmerzen verordnet

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Digitale Gesundheitsanwendungen: Die meisten Apps werden bei Rückenschmerzen verordnet

Haserück, André

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DiGA kosten teilweise mehr als analoge Therapien. Foto: Studio Romantic/stock.adobe.com
DiGA kosten teilweise mehr als analoge Therapien. Foto: Studio Romantic/stock.adobe.com

Lediglich vier Prozent aller Ärzte haben bislang Rezepte für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) ausgestellt. Dies geht aus dem kürzlich veröffentlichten DiGA-Report der Techniker Krankenkasse (TK) und der Universität Bielefeld hervor. Demnach gingen bis Ende Dezember 2021 bei der TK 19 025 Verordnungen für DiGA ein. Am häufigsten verschrieben wurden Apps gegen Rückenschmerzen (3 947), Tinnitus (3 450) und Migräne (2 524). Mit 66,5 Prozent liegt der Anteil der Frauen bei den DiGA-Nutzern deutlich höher als der der Männer. Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass es auffallend weniger Verschreibungen bei den unter 30-Jährigen und den über 60-Jährigen gibt. Das Durchschnittsalter der DiGA-Nutzer liegt bei 45,5 Jahren. „Bei der Frage, wer die Apps verschrieben bekommt, spielt nicht das Alter eine Rolle, sondern die Erkrankungen“, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. „Jüngeren werden die Apps seltener verschrieben, weil weniger von ihnen an den Krankheiten leiden, die die Apps therapieren.“ Kritik übte Baas an den Preisbildungsmechanismen. So seien die Apps in der Erstattung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) plötzlich deutlich teurer als zuvor. Es sei „ein Unding“, dass die Preise im ersten Jahr quasi frei festgesetzt und sogar erhöht werden könnten. Baas pochte auf eine Verhältnismäßigkeit zwischen den Kosten für die DiGA und denen für eine analoge Arztbehandlung. Im Moment kosten DiGA teilweise mehr als analoge Therapien, obwohl der Nutzennachweis für das erste Jahr noch ausstehe, sagte er. Baas mahnte zudem an, dass der Nachweis der Wirksamkeit einer DiGA klarer auf das primäre Behandlungsziel ausgerichtet sein müsse. Das sei derzeit nicht gegeben. Um positive Versorgungseffekte eindeutig beurteilen zu können, brauche es klare Nutzenkriterien und eine größere Transparenz. aha

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