ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2022Risiko für akutes Koronarsyndrom: Lokalisation von arteriosklerotischen Läsionen und Gefäßgeometrie als Prädiktoren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Risiko für akutes Koronarsyndrom: Lokalisation von arteriosklerotischen Läsionen und Gefäßgeometrie als Prädiktoren

Gerste, Ronald D.

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Foto: decade3d/stock.adobe.com
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Das akute Koronarsyndrom (ACS) basiert auf der Erosion oder der Ruptur arteriosklerotischer Plaques in den Herzkranzgefäßen und umfasst ein Spektrum von kardialen Beschwerden, in deren Mittelpunkt die Verengung oder der Verschluss eines solchen Gefäßes stehen.

Mit der koronaren Computertomografie/Angiografie (CCTA) ist eine nichtinvasive Beurteilung arteriosklerotischer Plaques und die Identifizierung von Merkmalen möglich, die für eine Neigung solcher Läsionen zur Ruptur sprechen, zum Beispiel ein positives Remodeling, geringe Dichte (< 30 Hounsfield-Einheiten), fleckförmige Kalzifizierungen und das Serviettenring-Zeichen.

Neben der Evaluation der Morphologie der Plaques ermöglicht die CCTA auch eine Bestimmung der Lokalisierung solcher Läsionen und der Gefäßkurvaturen. Eine internationale Studiengruppe hat jetzt untersucht, ob unvorteilhafte geometrische Charakteristika (AGC) von Koronarläsionen in Bezug auf die Lage und die Gefäßgeometrie dazu beitragen, jene „schuldigen“ Läsionen („Culprit Lesions“) zu identifizieren, die mit künftigen Manifestationen des akuten Koronarsyndroms assoziiert sind. Untersucht wurden 116 Patienten (80 Männer, 36 Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 62,7 Jahren. Der mediane Zeitraum zwischen CCTA und dem Auftreten des akuten Koronarsyndroms betrug 29 Tage.

50 Patienten hatten einen Myokardinfarkt mit ST-Hebung (STEMI), 42 Patienten hatten eine instabile Angina pectoris und 21 Patienten hatten einen Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI).

Von insgesamt 548 Läsionen bei diesen Patienten wurden 116 als „Culprit-Lesions“-Vorläufer identifiziert. Im Vergleich zu den Non-Culprit-Läsionen waren die Durchmesser der Stenosen größer (> 70 % in 21,5 % vs. 6,9 %) bei Non-Culprit-Läsionen. Außerdem war die Prävalenz aller 4 nachteiligen Plaque-Charakteristiken höher (93,1 % vs. 76,6 %). Die mediane Distanz zum Ostium war mit 35,1 mm (95-%-Konfidenzintervall [23,6; 48,4]) geringer als bei Non-Culprit-Läsionen mit 44,5 mm (28,2; 70,8).

Auch waren Culprit-Läsionen wesentlich häufiger an Bifurkationen lokalisiert (73,3 % vs. 38,9 %) und hatten häufiger gewundene Gefäßsegmente (4,3 % vs. 1,4 %).

In der multivariablen Cox-Regressionsanalyse wurde mit steigender Zahl von AGC ein größeres Risiko künftiger Culprit-Läsionen errechnet: für ein AGC eine Hazard Ratio (HR) von 2,90 (1,38; 6,08), für 2 und mehr AGCs eine HR von 6,84 (3,33; 14,04).

Fazit: „Diese Studie zeigt, dass unvorteilhafte geometrische Charakteristika von Koronarläsionen mit einem höheren Risiko für spätere Culprit-Läsionen sind“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor em. der Medizinischen Klinik II am Marien Hospital Herne/Universitätsklinikum Bochum. „Es wird künftigen Studien vorbehalten sein, weitere und detailliertere geometrische Merkmale zu erarbeiten, um noch präziser drohende akute Koronarereignisse zu prognostizieren.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Han D, Lin A, et al.: Association of plaque location and vessel geometry determined by coronary computed tomographic angiography with future acute coronary syndrome–causing culprit lesions. JAMA Cardiology 2022; 7: 309–19.

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