ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1996Börsebius über die Deutsche Bank: Keine Peanuts

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über die Deutsche Bank: Keine Peanuts

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Da wußten dieser Tage etliche Journalisten in Frankfurt nicht, ob sie sich verhört hatten oder ob sie gar phantasiert haben könnten, so Ungeheuerliches kam ihnen zu Ohren.
Vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten ließ ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG, Dr. Jürgen Krumnow, einen unerhörten Satz vom Stapel. Ja, man erwäge durchaus, den industriellen Beteiligungsbesitz beim Branchenprimus zu reduzieren.


Dividenden-Misere
Krumnow präzisierte dann auch noch, welche Kandidaten er vor allem im Auge hatte, KHD sowieso, was man ja gut verstehen kann, aber wer will die schon haben? Daneben nannte der Banker aber auch Holzmann und, zum nicht gelinden Erstaunen der Anwesenden, Daimler-Benz.
Es mache einfach keinen Spaß mehr, sich an industrielle Beteiligungen zu binden, meinte der Deutschbanker, und da hat er natürlich angesichts der Dividendenmisere bei Daimler und aufgrund der verschleuderten Rettungsmilliarden bei KHD durchaus recht.
Im übrigen hat man auch in Frankfurt durchaus erkannt, daß die diversen Rettungsaktionen bei der Metallgesellschaft und bei KHD der Deutschen Bank eben nicht die erhofften Imagegewinne einbrachten. Dementsprechend angesäuert scheint sich der Vorstand zukünftig auf gewinnträch-tigere Geschäfte stürzen zu wollen, die da lauten: In-vestmentbanking und Investmentmanagement, vor allem in Asien und Nord-amerika.


"Noch nicht spruchreif"
Es ist klar, daß hier nicht von Peanuts die Rede ist. Man muß sich, um die Dimensionen zu vergegenwärtigen, klarmachen, daß der industrielle Beteiligungsbesitz der Deutschen Bank an der Börse mit einem Kurswert von 24 Milliarden Mark bewertet wird. Noch . . .
Die Äußerung also, den Anteilsbesitz reduzieren und sich en masse auch von deutschen Industrieperlen trennen zu wollen, mußte an den Finanzmärkten zwangsläufig zu Irritationen führen, sprich Kursverlusten. So nahm es denn auch kein wunder, daß die Deutsche Bank flugs ihr eigenes Vorstandsmitglied am vergangenen Donnerstag zurückpfiff. Das Haus habe gar keine aktuellen Daimler-Pläne, und überhaupt sei Konkretes noch gar nicht spruchreif. Die Antwort hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Soll erst mal Gras über die Sache wachsen, oder hat die Deutsche Bank plötzlich wieder so viel Vertrauen in besagte Unternehmen gefaßt? Hätte ich jetzt eine Nachtigall zur Hand, hörte ich mehr. Börsebius
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