ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2022Pneumoperikard eines Frühgeborenen mit ausgeprägter Lungenhypoplasie
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Zu sehen ist die Röntgenaufnahme des Thorax bei einem Frühgeborenen (33 + 5 Schwangerschaftswochen, Geburtsgewicht 1,9 kg) am dritten Lebenstag, aus stark vermindertem Fruchtwasser (Anhydramnion) aufgrund einer bilateralen Nierenagenesie mit ausgeprägter Lungenhypoplasie geboren wurde. Aufgrund einer daraus resultierenden schweren pulmonalen Hypertension mit Oxygenierungsstörung war initial eine intensive Hochfrequenz-Oszillationsbeatmung notwendig (mittlerer Atemwegsdruck 14,5 mbar, Amplitude 50 mbar, Frequenz: 9 Hz). In den ersten beiden Lebenstagen traten beidseitige Pneumothoraces auf, die mit Pigtail-Kathetern drainiert wurden. Am dritten Lebenstag zeigte sich dann das vorliegende Bild mit einem ausgeprägten Spannungs-Pneumoperikardium (Pfeile), das zu einem reduzierten kardialen Output führte. Eine Dekompression mithilfe einer Perikard-Drainage stabilisierte den Patienten und führte zu einer vollständigen Resolution des Pneumoperikard. Der Patient ist aktuell zwei Monate alt, kardio-respiratorisch stabil in Spontanatmung, jedoch weiterhin abhängig von Peritonealdialyse. Das Pneumoperikard ist eine seltene Form des Air-Leak-Syndroms und verursacht durch die venöse Einflussstauung ein potenziell lebensbedrohliches „low cardiac output“ (Perikardtamponade). Häufigste Auslöser können neben einem Barotrauma bei hohen Beatmungsdrücken auch Thoraxtraumen oder Thoraxkompression sein.

PD Dr. med. Christian Tomuschat, Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin,
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), c.tomuschat@uke.de

Dr. med. Julian Jürgens, Zentrum für Radiologie und Endoskopie, Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin,
Abteilung für Kinderradiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

PD Dr. med. Philipp Deindl, Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin,
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Tomuschat C, Jürgens J, Deindl P: Pneumopericardium in a preterm infant with marked pulmonary hypoplasia. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 276. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0020

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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