ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Diphtherie, Tetanus, Pertussis: Auffrisch-Impfung mit Kombivakzine

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Diphtherie, Tetanus, Pertussis: Auffrisch-Impfung mit Kombivakzine

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Obwohl wirksame und gut verträgliche Impfstoffe verfügbar sind, ist immer noch jährlich mit rund fünf Fällen von Diphtherie in Deutschland zu rechnen; einer der Erkrankten stirbt daran. Das Toxin des Erregers Corynebacterium diphtheriae schädigt vor allem das Myokard. Typisch sind lokale Entzündungszeichen im Bereich der oberen Luftwege und im Larynx mit fest haftenden Belägen. Diphtherie-Impfstoffe enthalten inaktiviertes Toxin (Toxoid). Im ersten Lebensjahr werden drei Impfungen in Kombination mit Tetanus- und Pertussistoxoid, Haemophilus influenza b (Hib), inaktivierten Poliomyelitis-Viren (IPV) und Hepatitis B empfohlen. Auffrischungen müssten im zweiten Lebensjahr und im Alter von sechs bis zehn Jahren durchgeführt werden, dann lebenslang alle zehn Jahre, erinnerte Dr. Ulrich Heininger (Basel) bei der Einführungs-Pressekonferenz Boostrix® (Smith
Kline Beecham) in München. Auch gegen Tetanus gibt es wirksame und gut verträgliche Impfstoffe; trotzdem kommen in Deutschland jährlich noch bis zu 15 Fälle vor. Das Toxin des Erregers Clostridium tetani verursacht tonische Muskelkontraktionen mit der Folge von zentralnervösen Komplikationen und Behinderung der Atmung. Wie gegen Diphtherie bestehen auch gegen Tetanus im Erwachsenenalter große Immunitätslücken, da die empfohlenen Auffrischimpfungen unvollständig oder gar nicht vorgenommen werden.
Vergleichbar ist die Situation bei Pertussis, auch wenn durch Kinder-Impfprogramme gegen Keuchhusten die Zahl der erkrankten Kinder drastisch verringert werden konnte. Aber es erkranken jedes Jahr immer noch nahezu 40 Millionen Menschen an Pertussis, und über 300 000 sterben infolge der Infektion mit Bordetella pertussis. Pertussis werde zunehmend eine Erkrankung der Erwachsenen, berichtete Heininger. Da eine induzierte oder erworbene Immunität gegen diese Krankheit höchstens zehn Jahre anhält, haben trotz einer in manchen Ländern flächendeckenden Grundimmunisierung der Säuglinge viele der Jugendlichen und Erwachsenen einen unzureichenden Pertussis-Schutz. Das gilt für die USA, Frankreich und Deutschland.
Umsetzung der EU-Richtlinien
Bei Säuglingen und Kleinkindern wird die Keuchhusten-Erkrankung aufgrund der typischen Symptomatik der drei Krankheitsstadien (Stadium catarrhale, Stadium convulsivum und Stadium decrementi) von den Ärzten schnell und sicher diagnostiziert, nicht so dagegen bei Jugendlichen und Erwachsenen. Deshalb sollte in diesem Alter bei jedem Husten, der zwei Wochen lang anhält und sich in der Nacht verschlimmert, an eine PertussisErkrankung gedacht werden.
Selbst eine hohe Durchimpfungsrate gegen Pertussis im Rahmen von Kinder-Impfprogrammen reicht nicht aus, um den Erregerzyklus bei Jugendlichen und Erwachsenen zu unterbrechen. Daher bekräftigte Heininger die Forderung nach einer konsequent durchgeführten Auffrischimpfung zehn Jahre nach der Grundimmunisierung und zur weiteren Aufrechterhaltung der Immunität alle weiteren zehn Jahre. Moderne Kombinationsimpfstoffe wie Boostrix erleichtern heute die Auffrischimpfung zusammen mit Diphtherie und Tetanus. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Auffrischimpfung gegen Pertussis bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres. Empfohlen wird auch, dass alle nicht oder unvollständig immunisierten Kinder und Jugendlichen eine vollständige Grundimmunisierung erhalten. Nur so kann ein hoher Immunitätsgrad in der Bevölkerung sichergestellt werden. Wie Prof. Fred Zapp (Mainz) berichtete, sollen auch die arbeitsmedizinischen EURichtlinien umgesetzt werden. Danach soll erwachsenen Personen, die im Rahmen der beruflichen Tätigkeit einem Infektionsrisiko mit Bordetella pertussis ausgesetzt sind (Mitarbeiter von Kinderkliniken und -horten), eine kostenfreie Untersuchung und gegebenenfalls Impfung angeboten werden.
Wie die zur Grundimmunisierung von Säuglingen und Kleinkindern bereits erfolgreich eingesetzte Kombinationsvakzine Infanrix® enthalte auch Boostrix® Tetanus- und Diphtherie-Toxoid sowie einen hochimmunogenen azellulären Pertussis-Impfstoff mit den drei wichtigsten Pertussisantigenen: Filamentöses Hämagglutinin, Pertactin und Pertussis-Toxin in hoch gereinigter Form, jedoch in deutlich niedriger Konzentration, erläuterte Dr. Jussi Mertsola (Turku, Finnland). Durch die azelluläre Pertussis-Komponente ist die neue Auffrisch-Vakzine besonders gut verträglich. Nur leichte lokale Reaktionen an der Einstichstelle wurden in Einzelfällen beobachtet, die innerhalb weniger Tage abgeklungen sind. Siegfried Hoc
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