ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2022Wundliegegeschwüre vermeiden und behandeln: Ärztliche Pflichten bei Dekubitus

MEDIZINREPORT

Wundliegegeschwüre vermeiden und behandeln: Ärztliche Pflichten bei Dekubitus

Hager, Klaus; Hübner, Denis

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Prävention und Therapie von Dekubiti ist eine Teamaufgabe. Die ärztliche Seite trägt jedoch die Verantwortung für entsprechende Maßnahmen. Dies kann nicht allein der Pflege überlassen werden. Die genaue Dokumentation ist wichtig. Fehlt sie, kann dies zu einer Beweislastumkehr führen.

Dekubitus über dem linken Trochanter major mit der Einteilung nach EPUAP. Grad I: nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut Grad II: Teilverlust der Haut bis in die Dermis/Lederhaut Grad III: Verlust aller Hautschichten, subkutanes Fett kann sichtbar sein Grad IV: mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Foto: Klaus Hager, Medizinische Hochschule Hannover
Dekubitus über dem linken Trochanter major mit der Einteilung nach EPUAP.
Grad I: nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut
Grad II: Teilverlust der Haut bis in die Dermis/Lederhaut
Grad III: Verlust aller Hautschichten, subkutanes Fett kann sichtbar sein
Grad IV: mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln.
Foto: Klaus Hager, Medizinische Hochschule Hannover

Der Dekubitus tritt im Krankenhaus, im Pflegeheim sowie im ambulanten Bereich auf (Grafik), sodass jede Ärztin beziehungsweise jeder Arzt damit Kontakt haben wird. Die Zuständigkeit für Dekubitalulzera zwischen Pflege und Arzt ist nicht immer klar. Es könnte ärztlicherseits die Ansicht bestehen, dass Dekubitalulzera ein pflegerisches Problem wären, zumindest deren Verhinderung, zumal für die Pflege detaillierte Vorgaben zur Prävention vorhanden sind (1). Gerichte und Staatsanwaltschaften hinterfragen bei Dekubiti manchmal nur einen Sorgfaltspflichtverstoß im Rahmen der pflegerischen Betreuung. Betrachtet man aber die ärztliche Dokumentation genauer, so ist diese oft mangelhaft.

Dekubitusprävalenz (%) in Krankenhaus, Pflegeheim und Ambulanz 2013
Grafik
Dekubitusprävalenz (%) in Krankenhaus, Pflegeheim und Ambulanz 2013

Demgegenüber wird in einer Publikation aus der Gutachterkommission bei der Ärztekammer Nordrhein sowie in der obergerichtlichen Rechtsprechung (anschaulich zusammenfassend Brandenburgisches Oberlandesgericht [OLG], Urteil vom 28. Juni 2018 – 12 U 37/17 – juris) darauf hingewiesen, dass primär der Arzt dafür verantwortlich ist, dass die Patientin oder der Patient im Rahmen der Behandlung keinen Dekubitus entwickelt (2).

Leitlinien für Ärzte fehlen

Mit den nachfolgenden Ausführungen sollen die ärztlichen und pflegerischen Aufgaben zur Dekubitus-prävention und -therapie dargestellt werden, besonders in Bezug auf die aktuelle Rechtsprechung. Vor dem Hintergrund von Literaturhinweisen und gefällten Urteilen sowie der Erfahrung der Autoren aus einer Vielzahl von Gutachten und Gerichtsverhandlungen wird der Sachstand dargestellt.

Konkrete ärztliche Leitlinien zur Vorbeugung und Behandlung von Dekubiti sind in Deutschland nicht vorhanden. Zur Prävention von Dekubiti gibt es internationale Vorgaben, zum Beispiel vom European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) (3). In Deutschland existiert ein Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe in der Pflege (Tabelle 1) (1). Die EPUAP-Vorgaben sowie der Expertenstandard richten sich zwar primär an Pflegekräfte. Sie sind allerdings gleichermaßen von den behandelnden und den fachaufsichtführenden Ärzten als allgemein anerkannter fachlicher Standard zu beachten, um Befunderhebungs-, Aufsichts-, Überwachungsfehler sowie Organisations- und Koordinierungsfehler zu vermeiden. Wichtige Urteile zum Dekubitus finden sich in Tabelle 2.

Einige Aufgaben der Pflege nach Expertenstandard (<a class=1) sowie Aufgaben des Arztes" width="250" src="https://cfcdn.aerzteblatt.de/bilder/141450-250-0" data-bigsrc="https://cfcdn.aerzteblatt.de/bilder/141450-1400-0" data-fullurl="https://cfcdn.aerzteblatt.de/bilder/2022/04/img266445651.gif" />
Tabelle 1
Einige Aufgaben der Pflege nach Expertenstandard (1) sowie Aufgaben des Arztes
Wichtige Urteile zum Dekubitus
Tabelle 2
Wichtige Urteile zum Dekubitus

Genau betrachtet ist die Evidenz zu Präventions- und Therapieverfahren bei Dekubitus nicht immer gut (4). Die Deutsche Agentur für Health Technology Assessment beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat dazu den Bericht „Dekubitusprophylaxe und -therapie“ erstellen lassen, in dem es vor allem um die Bewertung einzelner Maßnahmen geht (4).

Da der Dekubitus in erster Linie durch einen zu hohen und zu langen Druck auf das Gewebe entsteht, wird im Folgenden vor allem auf Um- und Weichlagerung eingegangen. Andere Aspekte wie Hautpflege oder Ernährung werden nicht betrachtet, sie können natürlich ebenfalls wichtig sein.

Dekubitusrisiko erkennen

Die Pflege ist laut Expertenstandard und der obergerichtlichen Rechtsprechung gehalten, bei allen Patienten im Krankenhaus beziehungsweise bei allen Bewohnern in Pflegeheimen eine systematische Bewertung des Dekubitusrisikos anzufertigen (Brandenburgisches Oberlandesgericht, a. a. O., Rn. 21, juris). Der Hinweis auf eine systematische Risikobewertung legt nahe, dass die Pflege ein evaluiertes Instrument verwendet sollte, zum Beispiel die Braden-, die modifizierte Norton- oder die Waterlow-Skala (5, 6, 7).

Das Dekubitusrisiko muss erneut bewertet werden, wenn sich das Risiko augenfällig ändert. Diese Skalen münden in einen Punktwert, der wiederum mit einem Dekubitusrisiko verknüpft ist und dann zu konkreten Pflegeplanungen Anlass geben sollte. Sinn dieser Einschätzung ist es, das Risiko noch vor dem Auftreten eines Dekubitus zu erkennen und pflegeplanerisch Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sodass die Wundentstehung verhindert werden kann.

Das Vorgehen bei Dekubitusrisikopatienten darf der Arzt aber nicht allein dem Pflegepersonal überlassen. Die behandelnden Ärzte tragen in ihrem Zuständigkeitsbereich und unter Berücksichtigung der Hierarchie die Verantwortung für unterlassene Maßnahmen und für die entsprechende Organisation. Maßnahmen eines spezifischen Pflegebedürfnisses sind Gegenstand ärztlicher Beurteilung und Anordnung (OLG Köln, Beschluss vom 26. Juli 2010 – I-5 U 27/10 juris), jedenfalls bei Risikopatienten (Brandenburgisches Oberlandesgericht, a. a. O., Rn. 42, juris).

Notwendig sind ärztliche Anordnungen zur Vermeidung von Druckgeschwüren, zu durchzuführenden Pflegemaßnahmen und deren Überwachung sowie eine ausführliche Dokumentation im Krankenblatt des Patienten (Bundesgerichtshof [BGH], Urteil vom 18. März 1986 – VI ZR 215/84; OLG Düsseldorf, Urteil vom 16. Juni 2004 – I-15 U 160/03, juris). Konkret bedeutet dies, dass, wenn aus ärztlicher Sicht beziehungsweise aus Erfahrung ein Dekubitusrisiko besteht, Gegenmaßnahmen schriftlich anzuordnen sind, zum Beispiel Bewegungsplan, Weichlagerungsmatratze.

Was zu dokumentieren ist

Die Vorgaben für die Pflege hinsichtlich der Wunddokumentation sind differenziert und betreffen unter anderem Wundgröße und -tiefe oder Hinweise auf eine Infektion.

In der ärztlichen Dokumentation darf die aussagekräftige und nachvollziehbare Dokumentation der Druckstellen ebenfalls nicht fehlen, zum Beispiel mit dem Grad des Dekubitus (Bild). Eine Rötung der Haut ist als Dekubitus Grad I einzuschätzen, wenn sie durch den Druck des Fingers nicht abblasst (positiver Fingertest). Meist liegen mehrere Stadien gleichzeitig vor, zum Beispiel Rötung am Rand, daran anschließend ein Fehlen von Horn- und gegebenenfalls auch der Keimschicht bis in die Dermis hinein (Grad II), im Zentrum der Druckstelle dann der tiefer gehendere Defekt. Bedeckende nekrotische Hautschichten können dazu führen, dass die Tiefenausdehnung unterschätzt wird beziehungsweise kann sich unter einer solchen Abdeckung die Nekrose zunehmend in die Tiefe ausdehnen.

Bei der Erstuntersuchung im Krankenhaus sollten die aufnehmenden Ärzte einen vorhandenen Dekubitus in den Befund eintragen. Es empfiehlt sich, den Dekubitus in der Diagnoseliste sowie in der Epikrise zu erwähnen. Fehlt eine solche Dokumentation, stellt sich die Frage, ob sich der Arzt überhaupt um die Wunden kümmerte. Bei fehlender Dokumentation riskiert man, dass es zu einer Beweislastumkehr kommt und der Arzt nachweisen muss, dass er die Wunden kunstgerecht behandelte. Aus der Praxis der norddeutschen Schlichtungsstelle wurde in einem ähnlich gelagerten Fall ein Fehler sowie eine Beweislastumkehr gesehen, da sich in der Behandlungsdokumentation für den Zeitraum von der stationären Aufnahme bis zur Feststellung der Dekubitalulzera am 5. Behandlungstag keinerlei Hinweise auf die ärztliche Anordnung einer planmäßigen Dekubitusprophylaxe fanden.

Rechtliche Konsequenzen

Ist eine medizinisch gebotene Maßnahme und ihr Ergebnis nicht in der Patientenakte aufgezeichnet, wird nach § 630 h Abs. 3 BGB vermutet, dass diese Maßnahme nicht getroffen wurde. In einem solchen Fall trifft nicht den Patienten die Beweislast für einen Behandlungs-/Pflegefehler, vielmehr muss der behandelnde Arzt die indizielle Wirkung der fehlenden Krankenblatteintragungen entkräften. Hierzu hatte grundlegend bereits der BGH in seiner Entscheidung vom 18. März 1986 (VI ZR 215/84) ausgeführt, dass im Krankenblatt eines Krankenhauspatienten, bei dem die ernste Gefahr eines Durchliegegeschwürs (Dekubitus) besteht, sowohl die Gefahrenlage (Dekubitusrisiko) als auch die ärztlich angeordneten Vorbeugungsmaßnahmen zu dokumentieren sind (8).

Unterbleibt die Einschätzung des aktuellen Dekubitusrisikos – zumindest bei Vorliegen von Risikofaktoren –, so stellt dies zusätzlich einen Befunderhebungsfehler dar. Dies gilt gleichermaßen für den im Krankenhaus wie den ambulant tätigen Arzt, der im Rahmen von Haus- oder Heimbesuchen Patienten visitiert.

Wenn bei der Pflege eines Patienten im Krankenhaus oder im Pflegeheim ein Dekubitus aufgetreten ist, so muss die Pflege den Arzt darüber in Kenntnis setzen. Der Arzt hat den Dekubitus zu inspizieren und eine Behandlung anzuordnen. Auch wenn sich der Dekubitus verschlechtert, muss die Pflege den Arzt darüber informieren. Im Krankenhaus muss der betreuende Arzt den Dekubitus von sich aus in der Folge regelmäßig betrachten und kontrollieren, ob die Maßnahmen zu einer Heilungstendenz geführt haben. Die Inspektionshäufigkeit der Druckstellen sollte „angemessen“ sein. Je kritischer die Wunde ist, desto häufiger sollte sie angesehen werden.

Die Pflege wird bei einem erkennbaren Risiko von sich aus einen Bewegungsplan beginnen. Dieser muss weitgehend vollständig sein. Bei einem lückenhaften Bewegungsplan kann nicht nachgewiesen werden, dass die nötige Druckentlastung tatsächlich auch erfolgt ist. Eine Lagerung auf dem Dekubitus sollte möglichst vermieden werden.

Nach der zitierten BGH-Entscheidung ist der Arzt auf der „sicheren“ Seite, wenn er einen solchen Bewegungsplan anordnet. Die Lagerungsintervalle (zum Beispiel 2-stündlich) sind dabei nicht als etwas Statisches anzusehen, sondern orientieren sich an der individuellen Situation. Auch beim Sitzen im Rollstuhl sind Lagerungsintervalle zu beachten.

Spezifische Matratze anwenden

Laut dem Expertenstandard sollte bei einem Dekubitusrisiko unverzüglich eine Weichlagerungsmatratze zur Verfügung stehen. Die Spezialmatratzen müssen für die Schwere des Dekubitus zugelassen sein. Beim Sitzen im Rollstuhl können spezielle Sitzkissen verwendet werden. Eine „Überversorgung“ kann dann sinnvoll sein, wenn die pflegerischen Maßnahmen nicht gut umsetzbar sind, der Patient sich zum Beispiel nicht an die Lagerung hält. Ein „Sparen“ zugunsten der Krankenkasse, zum Beispiel mit einer Schaumstoff- statt mit einer Wechseldruckmatratze, ist nicht sinnvoll, da die Kosten, sollte ein Dekubitus auftreten, ungleich höher sind.

Die Matratze ist vom Arzt „unverzüglich“ zu verordnen. Bei Pflegeheimpatienten stellt der betreuende Arzt ein Rezept aus. Die Pflege kümmert sich dann über „ihr“ Sanitätswarenhaus um Genehmigung und Lieferung. Dabei kann es an verschiedenen Stellen zu Verzögerungen kommen. Wohl um diesen zeitlichen Verzug entgegenzuwirken, wird im aktuellen Expertenstandard gefordert, dass die Einrichtung (Krankenhaus/Pflegeheim) sicherstellen muss, dass ein dem Risiko des Patienten/Bewohners entsprechendes Wechseldruck- und Weichlagerungssystem „unverzüglich“ zugänglich ist.

Im Krankenhaus wird dies unter anderem dadurch gewährleistet, dass bei Bestellung einer Wechseldruckmatratze diese vom externen Anbieter noch am gleichen Tag, zumindest aber am Folgetag geliefert wird. Die Alternative im Krankenhaus oder in der Pflegeeinrichtung wäre das Vorhalten von Weichlagerungssystemen, bis es zur Lieferung der für den Patienten verordneten Matratze kommt.

Therapie nach Schweregrad

Die EPUAP teilt den Dekubitus in 4 Schweregrade ein: Grad I–IV (Bild). Für die stadiengerechte Therapie der Wunde, zum Beispiel für die Wundversorgung, ist der Arzt zuständig. Vorschläge des Wundmanagements muss der Arzt anordnen und dafür auch die Verantwortung tragen. Ohne Verordnung des Arztes kann die Pflege im Altenheim demnach nicht die Ratschläge des Wundmanagements umsetzen.

Ist unter den verordneten Maßnahmen eine Verschlechterung eingetreten, muss eine Eskalation der Maßnahmen erkennbar sein. Zum Beispiel können die Lagerungsintervalle verkürzt oder die Weichlagerung verbessert werden. Die Wundauflage muss der Verschlechterung entsprechend angepasst werden. Es reicht sicher nicht aus, einem zunehmenden Dekubitus nur mit einer veränderten Wundauflage zu begegnen.

Dabei ist auch an ein chirurgisches Debridement beziehungsweise eine Krankenhauseinweisung zu denken. Letztere vor allem dann, wenn der Dekubitus unter den verordneten Maßnahmen voranschreitet oder chirurgisch debridiert werden muss. Auch die Frage einer plastischen Deckung kann sinnvoll sein. Eine Infektion des Dekubitus ist problematisch, da dies das Voranschreiten stark beschleunigen kann. Ein Abdecken der Wunde mit einem Schaumverband kann bei infizierten Wunden nachteilig sein, da sich die Infektion darunter rasch in die Tiefe ausbreiten kann.

Nicht immer zu verhindern

Das Auftreten eines oberflächlichen Dekubitus (Grad I und II) kann unvorhersehbar, praktisch „über Nacht“ erfolgen, zum Beispiel im Rahmen einer Diarrhö. Durch die Feuchtigkeit und die dadurch ausgelöste Mazeration der Haut kann sich bei zusätzlichen Scherkräften die Hornschicht ablösen und zu einem Dekubitus Grad II führen. Dies ist nicht immer zu vermeiden. Das Auftreten von schwerwiegenden Dekubiti, auch bei Schwerstkranken, wird von der Rechtsprechung jedoch als vermeidbar angesehen, wenn die Empfehlungen des Expertenstandards eingehalten werden (OLG Köln, Urteil vom 4. August 1999 – 5 U 19/99 –, Rn. 4, juris). In derselben Entscheidung stellt das OLG Köln allerdings auch klar, dass ein Dekubitus in der Regel kein vollbeherrschbares Risiko darstellt. Dekubiti können also in Ausnahmefällen nicht zu verhindern sein. Um nachzuweisen, dass ein Dekubitus auch bei fehlerfreier Behandlung eingetreten ist, muss eine nachvollziehbare, lückenlose Dokumentation vorliegen. Mit ihr lässt sich nachweisen, dass Lagerungen, Weichlagerungsmatratze sowie andere Maßnahmen kunstgerecht eingesetzt wurden.

Gravierende individuelle Faktoren können ein Grund sein, dass ein Dekubitus nicht verhindert werden kann. Ist der Patient beispielsweise nicht „lagerungsfähig“, macht dies die korrekte Pflege unmöglich. Das heißt, er hält die Seitenlage im Rahmen der prophylaktischen Lagerungsmaßnahmen nicht ein und „entlagert“ sich ständig, zum Beispiel aufgrund von Demenz oder Verwirrtheits- und Erregungszuständen. Eine Schlichtungsstellenentscheidung argumentiert in diesem Fall, dass nicht nachgewiesen werden kann, dass der Dekubitus durch eine korrekte Lagerung tatsächlich zu verhindern gewesen wäre (9).

Ein spezieller Fall sind Palliativpatienten. Hier kann in der letzten Lebensphase im Sinne einer Verbesserung der Lebensqualität von einem strengen Bewegungsplan abgewichen werden. Dies muss natürlich gut dokumentiert werden.

Fazit für die ärztliche Betreuung

Die Erfordernisse für Pflege sowie für den Arzt bei der Verhinderung und Behandlung des Dekubitus ähneln sich und sollten als Teamaufgabe verstanden werden. Der Arzt sollte die Pflege aktiv unterstützen. Auf keinen Fall kann der Arzt das Problem „Dekubitus“ ausschließlich an die Pflege delegieren, da er hiermit Befunderhebungs-, Aufsichts-, Überwachungs- sowie Organisations- und Koordinierungsfehler riskiert.

Prof. Dr. med. Klaus Hager

Institut für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Denis Hübner

Fachanwalt für Medizinrecht, Fachkanzlei Dr. Hoppe Hübner Wehebrink, Hannover

Interessenkonflikte: Prof. Hager gibt an, Honorare für Gutachten von Staatsanwaltschaften und Gerichte erhalten zu haben. Herr Hübner erklärt, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Der Artikel unterliegt keinem Peer-Review.

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1622
oder über QR-Code.

1.
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwickung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung 2017. Osnabrück, Juni 2017. https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Dekubitusprophylaxe_in_der_Pflege/Dekubitus_2Akt_Auszug.pdf (Last accessed on 11 April 2022).
2.
Weber BC, Castrup HJ: Ärztliche Fehler bei der Dekubitusprophylaxe. Rheinisches Ärzteblatt 2009; 11: 23–24.
3.
National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel and Pan Pacific Pressure Injury Alliance: Prävention und Behandlung von Dekubitus – Kurzfassung der Leitlinie. Haesler E (Hrsg.). Cambridge Media: Osborne Park, Australia; 2014. https://www.epuap.org/wp-content/uploads/2016/10/german_quick-reference-guide.pdf (Last accessed on 11 April 2022).
4.
Eberhardt S, Heinemann A, Kulp A, et al.: Informationssystem Health Technology Assessment (HTA) in der Bundesrepublik Deutschland – Dekubitusprophylaxe und -therapie. DIMDI, 1. Auflage 2005. https://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta128_bericht_de.pdf (Last accessed on 11 April 2022).
5.
Bergstrom N, Braden BJ, Laguzza A, et al.: The Braden Scale for Predicting Pressure Sore Risk. Nurs Res 1987; 36: 205–210.
6.
Baath C, Hall-Lord ML, Idvall E, et al.: Interrater reliability using Modified Norton Scale, Pressure Ulcer Card, Short Form-Mini Nutritional Assessment by registered and enrolled nurses in clinical practice. J Clin Nurs 2008; 17: 618–626.
7.
Waterlow J: Pressure sores: a risk assessment card. Nurs Times 1985; 81: 49–55.
8.
Vinz H: Dekubitusprophylaxe – haftungsrechtliche Aspekte – Aus der Praxis der norddeutschen Schlichtungsstelle. Niedersächsisches Ärzteblatt 2004; 02. https://www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de/dekubitusprophylaxe-haftungsrechtliche-aspekte/ (Last accessed on 11 April 2022).
9.
Vinz H: Unterlassene Dekubitusprophylaxe – Fehler, aber kein Haftungsanspruch. Niedersächsisches Ärzteblatt 2007; 12. https://www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de/unterlassene-dekubitusprophylaxe-fehler-haftungsanspruch/ (Last accessed on 11 April 2022).
10.
Tomova-Simitchieva T, Akdeniz M, Blume-Peytavi U, et al.: The Epidemiology of Pressure Ulcer in Germany: Systematic Review. Gesundheitswesen 2019; 81: 505–512.
Dekubitusprävalenz (%) in Krankenhaus, Pflegeheim und Ambulanz 2013
Grafik
Dekubitusprävalenz (%) in Krankenhaus, Pflegeheim und Ambulanz 2013
Einige Aufgaben der Pflege nach Expertenstandard (1) sowie Aufgaben des Arztes
Tabelle 1
Einige Aufgaben der Pflege nach Expertenstandard (1) sowie Aufgaben des Arztes
Wichtige Urteile zum Dekubitus
Tabelle 2
Wichtige Urteile zum Dekubitus
1.Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwickung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung 2017. Osnabrück, Juni 2017. https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Dekubitusprophylaxe_in_der_Pflege/Dekubitus_2Akt_Auszug.pdf (Last accessed on 11 April 2022).
2.Weber BC, Castrup HJ: Ärztliche Fehler bei der Dekubitusprophylaxe. Rheinisches Ärzteblatt 2009; 11: 23–24.
3.National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel and Pan Pacific Pressure Injury Alliance: Prävention und Behandlung von Dekubitus – Kurzfassung der Leitlinie. Haesler E (Hrsg.). Cambridge Media: Osborne Park, Australia; 2014. https://www.epuap.org/wp-content/uploads/2016/10/german_quick-reference-guide.pdf (Last accessed on 11 April 2022).
4.Eberhardt S, Heinemann A, Kulp A, et al.: Informationssystem Health Technology Assessment (HTA) in der Bundesrepublik Deutschland – Dekubitusprophylaxe und -therapie. DIMDI, 1. Auflage 2005. https://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta128_bericht_de.pdf (Last accessed on 11 April 2022).
5.Bergstrom N, Braden BJ, Laguzza A, et al.: The Braden Scale for Predicting Pressure Sore Risk. Nurs Res 1987; 36: 205–210.
6.Baath C, Hall-Lord ML, Idvall E, et al.: Interrater reliability using Modified Norton Scale, Pressure Ulcer Card, Short Form-Mini Nutritional Assessment by registered and enrolled nurses in clinical practice. J Clin Nurs 2008; 17: 618–626.
7.Waterlow J: Pressure sores: a risk assessment card. Nurs Times 1985; 81: 49–55.
8.Vinz H: Dekubitusprophylaxe – haftungsrechtliche Aspekte – Aus der Praxis der norddeutschen Schlichtungsstelle. Niedersächsisches Ärzteblatt 2004; 02. https://www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de/dekubitusprophylaxe-haftungsrechtliche-aspekte/ (Last accessed on 11 April 2022).
9.Vinz H: Unterlassene Dekubitusprophylaxe – Fehler, aber kein Haftungsanspruch. Niedersächsisches Ärzteblatt 2007; 12. https://www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de/unterlassene-dekubitusprophylaxe-fehler-haftungsanspruch/ (Last accessed on 11 April 2022).
10.Tomova-Simitchieva T, Akdeniz M, Blume-Peytavi U, et al.: The Epidemiology of Pressure Ulcer in Germany: Systematic Review. Gesundheitswesen 2019; 81: 505–512.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote