ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Migräneprophylaxe: Eine Latenzzeit ist unumgänglich

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Migräneprophylaxe: Eine Latenzzeit ist unumgänglich

Dtsch Arztebl 2000; 97(14): A-941 / B-797 / C-753

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Migräne ist nicht heilbar. Alle Substanzen, die zur Prophylaxe von häufigen At-tacken eingesetzt werden, gehen mit mehr oder weniger Nebenwirkungen einher, und die Wirkung setzt erst nach einer unterschiedlich langen Latenzzeit ein. Um unerwünschte Wirkungen besser zuordnen zu können, sind medikamentöse Monotherapien ratsam - idealerweise in Kombination mit nichtmedi-kamentösen Verfahren.
Diese Auffassung der Experten bei einem Workshop des Unternehmens 3M Medica anlässlich des Deutschen Schmerztages in Frankfurt teilten auch die Zuhörer: Bei einer Blitzumfrage gaben nur 13 Prozent an, auch Kombinationen einzusetzen. Eine Wertung der Möglichkeiten hat Dr. Rüdiger Schellenberg (Hüttenberg) vorgenommen.
Betablocker an der Spitze
Als Mittel der ersten Wahl in der Migräneprophylaxe stehen Betablocker demnach unangefochten an der Spitze der Alternativen, da hier die Datenlage hinsichtlich Zahl und Qualität der Stadien sowie der Patientenzahlen am besten ist. Bei einer Wirklatenz von sechs bis acht Wochen erfolgt bei Respondern die Therapie über sechs bis neun Monate, gefolgt von einem Ausschleichen über vier Wochen.
Bei Nebenwirkungen oder Unwirksamkeit von Betablockern oder aber bei jungen Frauen mit Hypotonie und Orthostase-Problemen setzt Schellenberg auf NMDA-Antagonisten wie Cyclandelat (Natil®). Sie zei-gen mit vier bis sechs Wochen eine kürzere Wirklatenz und bei vergleichbarer Effizienz deutlich weniger Nebenwirkungen. Nach einer Behandlungsdauer von vier bis sechs Monaten - ein Ausschleichen über zehn Tage ist sinnvoll - bleibe die prophylaktische Wirkung über rund ein Jahr erhalten.
Bei Kalzium-Antagonisten wie Flunarizin ist aufgrund der langen Halbwertszeit die Wirkung ebenfalls erst nach vier bis sechs Wochen zu beurteilen. Außer Kontraindikationen wie Depressionen, fokalen Dystonien und M. Parkinson sind - wie bei Betablockern - auch Nebenwirkungen auf den Blutdruck ins Kalkül zu ziehen. Die übrigen Alternativen (Serotonin-Antagonisten, Magnesium, Naproxen) stufte der Referent als Second-LineMedikamente ein. Wenn sich der prophylaktische Effekt nicht einstellt, empfiehlt Schellenberg vor dem "Umsteigen" auf eine andere Monotherapie zuerst eine Fehlersuche: Liegt wirklich eine Migräne und kein Spannungskopfschmerz vor? Wurde eine zu hohe/niedrige Initialdosis gewählt, zu kurz oder zu lange behandelt? Ist der Patient über die Nebenwirkungen aufgeklärt? Anstelle einer medikamentösen Kombinationstherapie ist nach Auffassung aller Experten unbedingt eine Kombination mit nichtmedikamentösen Verfahren zu favorisieren. Im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz haben sich Stressbewältigungsverfahren bei Migräne als nicht besonders effektiv erwiesen; Biofeedback schneidet nach den Erfahrungen von Prof. Wolf Dieter Gerber (Kiel) deutlich besser ab. Dr. Renate Leinmüller
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