ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Chronische Hepatitis: Zur Kombination von Interferon-Ribavirin

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Chronische Hepatitis: Zur Kombination von Interferon-Ribavirin

Dtsch Arztebl 2000; 97(14): A-942 / B-798 / C-754

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LNSLNS Die Prävalenz der chronischen Virushepatitis B in Deutschland liegt bei schätzungsweise 500 000 Menschen, die definitionsgemäß das HBs-Antigen tragen. Jährlich kommen rund 5 000 akute Hepatitis-B-Fälle dazu. Die Infektion chronifiziert bei circa zehn Prozent der betroffenen Erwachsenen. Im Unterschied dazu verlaufe eine Hepatitis-C-Virusinfektion (HCV-Infektion) bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen chronisch, führte Dr. Deike Strobel (Universitätsklinik Erlangen) aus. Die geschätzte Prävalenz in Deutschland für HCVInfektionen beträgt 800 000 Erkrankungen. Leberbiopsie ist wichtig
Beide Leberentzündungen können über die Fibrose in eine Leberzirrhose münden und die möglichen Komplikationen einer portalen Hypertension oder hepatischen Enzephalopathie nach sich ziehen. Auf dem Boden der Zirrhose entwickelt sich bei 20 bis 30 Prozent ein hepatozelluläres Karzinom. In der Praxis sei eine Leberbiopsie wichtig, erläuterte Dr. Thomas Schneider (Universitätsklinik Erlangen) bei einem Symposium der Sektion Gastroenterologie im BDI in Nürnberg. Nur mit einer Verlaufsbiopsie (initial, nach drei und fünf Jahren) lasse sich die Progression abschätzen. Denn die Transaminasenerhöhung korreliere nicht - und das sei anders als bei der Hepatitis B - mit der entzündlichen Aktivität in der Leber.
Auch wenn Handschuhe sicher nicht vor Nadelstichverletzungen schützen, so schützen sie doch vor den unbekannten Übertragungswegen des Hepatitis-C-Virus (HCV). Beide Formen der chronischen Hepatitis werden parenteral durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, dabei ist das Hepatitis-B-Virus (HBV) infektiöser als das Hepatitis-C-Virus. Nach einer Nadelstichverletzung beträgt das Risiko, sich mit HBV infiziert zu haben, sieben bis 30 Prozent, während das Risiko für eine HCV bei drei bis zehn Prozent liegt. Entscheidend ist auf jeden Fall die aufgenommene Virusmenge.
Der behandelnde Arzt muss daran denken, in der Anamnese neben i.v.-Drogengebrauch und erhaltenen Transfusionen auch Nadelstichverletzungen und Tätowierungen abzufragen. Nicht nur medizinisches Personal trägt hierfür ein höheres Risiko als die Normalbevölkerung, Reinigungs- und Pflegekräfte in medizinischen Einrichtungen sind mindestens genauso gefährdet, einen Nadelstich davonzutragen. Das Endoskop könne - sofern es vorschriftsmäßig desinfiziert wird - als Infektionsquelle ausgeschlossen werden, betonte Prof. HansDieter Janisch (Erlangen).
Die sexuelle Übertragung spielt bei der Hepatitis C eine vergleichsweise geringe Rolle, die heterosexuelle Transmission in monogamen Beziehungen ist selten. Die Prävalenz von Anti-HCV bei Sexualpartnern von Menschen mit chronischer Hepatitis liegt zwischen null und zehn Prozent, bei sonstigen Angehörigen bei circa einem Prozent. Die vertikale Transmission von einer infizierten Mutter auf ihr Kind ist bei dem HB-Virus fast die Regel, bei dem HC-Virus jedoch selten. Dabei scheint die Übertragung unwahrscheinlich zu sein, wenn die Viruslast der Mutter unter einer Million Genomäquivalente pro Milliliter liegt. Auch hier erhöhen Koinfektionen das Transmissionsrisiko.
Bei Verdacht auf Hepatitis C empfehle sich der HCV-Antigennachweis, erläutert Schneider. Ein negatives Ergebnis schließt eine HCV-Infektion ziemlich sicher aus. An ein positives Ergebnis sollte sich eine HCV-RNSUntersuchung anschließen und eine histologische Untersuchung - auch wenn diese für eine Therapieentscheidung nicht zwingend ist. Die Indikation für eine Interferontherapie bei chronischer Virushepatitis ergibt sich, laut Schneider, bei erhöhten Transaminasen mit entsprechender Histologie und dem Nachweis von virusspezifischem Antigen und/
oder Erbsubstanz. Aktueller Therapiestandard für die chronische Hepatitis B bleibe das Interferon, betonte Schneider, das bei etwa einem Drittel der behandelten Patienten zur Serokonversion führt. Der Langzeitbenefit - verlangsamte histologische Krankheitsprogression, geringeres Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom sowie Überlebensvorteile - ist erwiesen. Als Standard für die HCV-Therapie kann man die Kombination von Interferon*-2b und Ribavirin ansehen, hieß es in Nürnberg. Durch die Kombination mit dem Nukleosidanalogon Ribavirin erhöht sich die Bioverfügbarkeit des Interferons; die Patienten sprechen somit besser auf die Kombinationstherapie an. Diese Strategie erzielte sowohl bei nichtvorbehandelten als auch bei vorbehandelten Patienten hohe dauerhafte Ansprechraten von fast 50 Prozent, wie Schneider an den Ergebnissen zweier großer internationaler Studien zeigte, welche letztlich auch zur Zulassung der Kombinationstherapie führten. Die absoluten Kontraindikationen ergeben sich aus den jeweiligen Kontraindikationen der Einzelsubstanzen. Schneider betonte, dass die koronare Herzerkrankung eine Kontraindikation darstelle, da unter der RibavirinTherapie der Hämoglobinwert in der Regel schnell um etwa zwei Punkte fällt. Auch Alkoholismus ist eine klare Kontraindikation. Sind die Alkoholiker jedoch psychisch stabil und seit mindestens sechs Monaten trocken, sollte sowohl aus medizinischen als auch aus Kostengründen therapiert werden. Faktoren, die mit hohem Ansprechen der Therapie korrelieren, sind hingegen: Genotyp 2 oder 3, geringe Viruslast, Alter unter 40 Jahren, niedriger Fibrosegrad sowie weibliches Geschlecht. Die Kombinationstherapie aus Interferon*-2b und Ribavirin ist seit Mai 1999 in Deutschland als einzige Kombination für Intron A® und Rebetol® (Essex Pharma) zugelassen. Behandelt werden können sowohl Rückfall- als auch nichtvorbehandelte Patienten. EB
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