ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Pneumologie & Allergologie 1/2022Krebserkrankungen und Pandemie: Mildere COVID-19-Verläufe unter Checkpoint-Inhibition

SUPPLEMENT: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Krebserkrankungen und Pandemie: Mildere COVID-19-Verläufe unter Checkpoint-Inhibition

Dtsch Arztebl 2022; 119(17): [4]

rme

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Eine Krebserkrankung zählt zu den Hochrisikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19. Von 2 515 Krebspatienten mit COVID-19, deren Daten das „UK Coronavirus Cancer Monitoring Project“ in Großbritannien gesammelt hat, starb jeder 3. (38 %) an den Folgen der Infektion, wobei der Tod im Durchschnitt nach 7 Tagen relativ früh eintrat. Die Gefahr geht nach einer Studie in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.0130) jedoch nicht von der Behandlung aus, obwohl es naheliegt, die Strapazen der Therapie mit Operation, Radiatio und Chemotherapie für die hohe Sterblichkeit mit verantwortlich zu machen. Auch können Leukopenie und Neutropenie als Folge einer Chemotherapie die Funktionsfähigkeit des Immunsystems untergraben. Am stärksten gefährdet wären demnach Leukämiepatienten, bei denen die Krebszellen die gesunden Zellen des Immunsystems verdrängen.

Tatsächlich war ein Team um Gary Middleton von der Universität Birmingham in England zu Beginn der Pandemie zu dem Ergebnis gekommen, dass Leukämiepatienten ein doppelt so hohes Sterberisiko haben wie andere Krebspatienten. Hierfür machten sie zunächst in Lancet Oncology (2020; DOI: 10.1016/S1470–2045(20)30442–3) die Chemotherapie mit verantwortlich. Nach den von Middleton vorgestellten Zahlen stellt sich die Situation jedoch anders dar. Patienten, die eine Chemotherapie (OR 0,70), Radiotherapie (OR 0,74) oder Hormontherapie (OR 0,66) erhalten hatten, waren seltener an COVID-19 gestorben als unbehandelte Patienten. Das gilt auch für die Operation (OR 0,47), die mit dem Tumor eine Ursache für ein erhöhtes COVID-19-Sterberisiko beseitigen kann. Besonders günstig wirkte sich eine Behandlung mit Immunchemotherapie aus (OR 0,52). Es läge nahe, so die Autoren, hierfür eine Verstärkung der T-Zell-basierten antiviralen Immunität durch die Checkpoint-Inhibitoren verantwortlich zu machen. Ob diese Theorie belastbar sei, müsse jedoch noch untersucht werden. Patienten, die eine palliative Radiotherapie erhielten, starben letztlich häufiger an COVID-19 (OR 1,70), auch wenn sie eine Immunchemotherapie erhielten. Dies sei, so die Autoren, vermutlich auf die körperliche Schwäche am Ende einer unheilbaren Krebserkrankung zurückzuführen. RME

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