ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2022Früherkennung des Prostatakarzinoms: Weniger Todesfälle durch regelmäßiges PSA-Screening

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Früherkennung des Prostatakarzinoms: Weniger Todesfälle durch regelmäßiges PSA-Screening

Schulze, Anne-Kristin

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Foto: angellodeco/stock.adobe.com
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An der randomisierten Göteborg-Prostatakarzinom-(PCa-)Screening-Studie mit einem Follow-up von 22 Jahren hatten 20 000 Männer, geboren zwischen 1930 und 1944, teilgenommen. Ab 1994 wurden 10 000 von ihnen alle 2 Jahre bis zum medianen Alter von 69 Jahren zu einer Untersuchung des prostataspezifischen Antigens (PSA) eingeladen, sie bildeten die Screeninggruppe. Die anderen 10 000 Männer dienten als Kontrollgruppe.

In der Screeninggruppe erhielten im Verlauf 1 528 Männer die Diagnose PCa, 112 starben daran. In der Kontrollgruppe wurde bei 1 124 Männer ein PCa festgestellt, bei 158 war es die Todesursache. Im Vergleich zur Kontrollgruppe war die PCa-Inzidenz in der Screeninggruppe höher (Inzidenzratenverhältnis [IRR] 1,42; 95-%-Konfidenzintervall [KI] [1,31–1,53]).

Allerdings sank die PCa-bedingte Mortalität (Ratenverhältnis [RR] 0,71; 95-%-KI [0,55–0,91]). Unter Berücksichtigung der Nichtteilnahme am Screeningprogramm ergab sich ein RR der PCa-bedingten Mortalität von 0,59 (95-%-KI [0,43–0,80]).

Um einen Todesfall aufgrund eines PCas zu verhindern, mussten 217 Männer gescreent (Number needed to invite for screening, NNI) und 9 diagnostiziert (Number needed to diagnose, NND) werden, berechneten die Forschenden.

Weiterhin stellten sie fest, dass Männer, die sich nicht testen ließen, die älter als 60 Jahre bei Programmbeginn waren und die mehr als 10 Jahre nach Ende des Screeningprogramms nachbeobachtet wurden, ein erhöhtes Risiko hatten, an einem PCa zu sterben.

Fazit: Demnach senkt das PSA-Screening die PCa-bedingte Mortalität, schlussfolgern die Forschenden. Mit längerem Follow-up würden weniger Überdiagnosen gestellt werden. Maßnahmen wie eine bessere Adhärenz und das Screening vor dem 60. Lebensjahr zu beginnen sowie über das 70. Lebensjahr hinaus durchzuführen, könnten die Effektivität steigern. Dagegen müsse allerdings das Risiko der Überdiagnosen gestellt werden, denn die NND von 9 lege nahe, dass dieses nicht unbedeutend sei. Dr. med. Anne-Kristin Schulze

Fråanlund M, Måansson M, Arnsrud Godtman R, et al.: Results from 22 years of follow-up in the Göteborg randomized population-based prostate cancer screening trial. J Urol 2022; DOI: 10.1097/JU.0000000000002696.

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