ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Nürnberger Prozeßakten: Ärzte spenden für Publikation

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Nürnberger Prozeßakten: Ärzte spenden für Publikation

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Über die beeindruckende Spendenbereitschaft für das von ihm initiierte Projekt freute sich Prof. Dr. med. Dr. Klaus D. Dörner anläßlich des diesjährigen Deutschen Ärztetages. Das Spendenaufkommen belaufe sich bereits auf rund 200 000 DM, sagte der Leiter der Westfälischen Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie in Gütersloh.
Die Spendeninitiative gestartet hatte Dörner, um die Publikation der Nürnberger Prozeßakten zu ermöglichen. 50 Jahre nach Beginn des Nürnberger Ärzteprozesses sind sie zwar in englischer und französischer Sprache veröffentlicht, eine umfassende deutsche Ausgabe gibt es jedoch nicht. Dörner beabsichtigt die Herausgabe einer Gesamtedition auf Mikrofiches, die Herausgabe eines Registerbandes und gleichzeitig einer Publikation, "die den durchschnittlich interessierten Arzt nicht überfordert" (dazu DÄ, Heft 48/1995). Schließlich seien im Nürnberger Ärztekodex zum erstenmal Standards festgelegt worden, die auch für die Zukunft Gültigkeit haben sollten und von denen wir heute noch profitieren könnten. Seit Beginn der Aktion seien bereits mehrere hundert Zuschriften bei ihm eingegangen, erklärte Dörner gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Aus vielen Briefen gehe hervor, "daß zahlreiche Kollegen sich intensiv mit der Tatsache auseinandersetzen, Angehörige einer Generation zu sein, die in die Verbrechen des Dritten Reichs verstrickt war".
Für das Projekt werden etwa 440 000 DM benötigt. Dörner beabsichtigt, jeden Arzt in der Bundesrepublik anzuschreiben und um Hilfe zu bitten. Mit logistischer Unterstützung fast aller Ärztekammern haben bereits rund 100 000 Kolleginnen und Kolle-gen Post von Dörner erhalten. Wenn die Spendengelder die Publikationskosten übertreffen, soll der Restbetrag dem Bund der Euthanasie-Geschädigten und Zwangssterilisierten in Detmold zur Verfügung gestellt werden.
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., Essen, hat ein Sonderkonto für die Spendenaktion eingerichtet und stellt auch Spendenbescheinigungen aus. Weitere Informationen: Westfälische Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie Gütersloh, Prof. Dr. med. Dr. Klaus D. Dörner, Hermann-SimonStraße 7, 33334 Gütersloh, Tel 0 52 41/5 02-01, Fax 50 21 02. Bankverbindung: Stifterverband/ Nürnberger Ärzteprozeß, Deutsche Bank Essen, Konto-Nr. 256 363 333, BLZ 360 700 50. Kli
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